Nach dem Polizistenmord von Kusel liegen am Tatort Blumen und Kerzen am Straßenrand. (Foto: SWR)

Zweiter Prozesstag am Landgericht Kaiserslautern

Mehrere Zeugen sagen zum Fall der getöteten Polizisten aus

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Ende Januar waren bei Kusel zwei Polizisten getötet worden. Am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Kaiserslautern hat unter Anhörung mehrerer Zeugen die Beweisaufnahme begonnen.

"Die schießen, kommt schnell, die schießen!" - Über Lautsprecher sind heute im Gerichtssaal die letzten Worte des 29-jährigen Polizeioberkommissars zu hören. Vor allem bei seinem zweiten und letzten Funkspruch wird seine Todesangst deutlich.

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Entsetzliche Bilder hätten sich ihnen am Tatort Ende Januar geboten, schildern Polizisten, Rettungskräfte und ein Arzt vor Gericht. Sie sind die ersten Zeugen, die im Prozess aussagen. An diesem grauen, verregneten Januarmorgen habe eine düstere Stimmung über der Landstraße bei Ulmet im Kreis Kusel gelegen: Eine große Blutlache auf der Straße, die getötete Polizistin neben der Beifahrerseite des zivilen Streifenwagens auf dem Boden, ihr getöteter Kollege einige Meter weiter entfernt auf einer Wiese.

Hauptangeklagter wirkt hellwach, macht sich Notizen

Der Hauptangeklagte wirkt während der Aussagen der Zeugen aufmerksam. Immer wieder macht er sich auf einem Blatt Papier Notizen. Der 33-jährige Mitangeklagte dagegen wirkt teilnahmslos. Bei manchen Zeugenaussagen schließt er die Augen, scheint zu dösen oder zu schlafen.

Verlobte, Ehefrau und Schwiegermutter verweigern ihre Aussagen

Ebenfalls als Zeugen vor Gericht heute: Ehefrau und Schwiegermutter des Hauptangeklagten, sowie die Verlobte des Mitangeklagten. Alle drei verweigern die Aussage.

Freund hat Angeklagte in der Tatnacht abgeholt

Ein Freund der beiden Angeklagten, ein Mann aus Sulzbach, liefert in seiner Zeugenaussage einige Details. Der Mann sagte aus, er habe die beiden Männer in der Tatnacht Ende Januar abgeholt. Der Hauptangeklagte habe ihn gegen halb vier am Morgen angerufen, weil dessen Auto liegen geblieben war.

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Nach mehreren gescheiterten Abschleppversuchen bei Baumholder, soll das Auto des Angeklagten aber wieder angesprungen sein. Danach seien die Männer zurück ins Saarland gefahren. Der Hauptangeklagte hätte dann das erlegte Wild im Zerlegeraum des Zeugen ausgenommen. Über die Tat sollen beide Angeklagte nicht gesprochen haben.

Zeuge hat aus dem Radio von der Tat erfahren

Nachdem der Zeuge in den Nachrichten hörte, dass Polizisten bei Kusel erschossen wurden, habe er seine Anwältin verständigt.

Den Hauptangeklagten, Andreas S. kenne er bereits seit 2018. Gemeinsam seien sie bei Jagden vom Saarforst gewesen. Andreas S. habe bei Treibjagden ganze Strecken gekauft. Das bedeutet, er kauft alle erlegten Tiere. Andreas S. sei aufgefallen, so der Zeuge. Der Hauptangeklagte sei beliebt gewesen, habe große Backbleche voll mit Kuchen und süßen Teilchen mitgebracht bei solchen Treibjagden. Er sei gerne gesehen gewesen. „Auch der Umgang mit seiner Frau und seinen Kindern hat mich beeindruckt“, gibt der Zeuge zu. Er sei ein „liebevoller Vater und Ehemann“ gewesen.

Zeuge hat beide Angeklagten zusammengebracht

Zwischen dem Zeugen und Andreas S. entwickelte sich eine Bekanntschaft. Der Hauptangeklagte, Andreas S. habe in der Garage des Zeugen zuhause das Wild weiterverarbeitet. Als Andreas S. dann erzählt habe, dass er einen neuen Gehilfen beim Jagdwildern brauche, sei dem Zeugen der Mitangeklagte, Florian V., eingefallen und er habe sie einander vorgestellt. Seit Frühjahr oder Sommer 2021 seien dann beide miteinander auf die Jagd gegangen. Auch er, der Zeuge, sei einmal dabei gewesen.

Wie kamen die Angeklagten an die Waffen?

In der Beweisaufnahme, die heute begonnen hat, muss unter anderem die Frage geklärt werden: Wie sind die beiden Angeklagten an die mutmaßlichen Mordwaffen - eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr - gekommen? Der Hauptangeklagte Andreas S. hatte keinen gültigen Waffenschein, hätte also gar keine Schusswaffen besitzen dürfen.

Hauptangeklagter bestreitet Polizistenmord

Am ersten Prozesstag hatten sich die beiden Angeklagten nur über ihre Anwälte geäußert. Dabei haben sie sich gegenseitig belastet und teilweise widersprüchliche Aussagen gemacht. Der Hauptangeklagte, Andreas S., hat über seinen Anwalt mitteilen lassen: Er habe in der Tatnacht Ende Januar zwar geschossen, allerdings ohne Mordabsicht. Die Schüsse sollen eher in einer Art Notwehr-Situation gefallen sein.

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In der Erklärung von Andreas S. hieß es: Die beiden Angeklagten hätten bei ihrer Jagd im Kreis Kusel damals eine Pause gemacht, als das Zivilfahrzeug mit den Polizisten erschienen sei. Der Hauptangeklagte habe daraufhin im Handschuhfach nach seinen Papieren gesucht. Dann habe er plötzlich zwei Schüsse gehört. Um diese zu stoppen, habe er auch geschossen. Erst später habe er erkannt, dass einer der Polizisten einen Kopfschuss erhalten hatte.

Richter räumt Diskrepanzen ein

Die Verteidigung des 39-jährigen Hauptangeklagten ist sich nach eigenen Angaben sicher, dass auch der zweite Angeklagte geschossen haben soll. Dieser galt bislang nur als Komplize. Der Richter sagte, dass es durchaus eine Diskrepanz der kriminaltechnischen Untersuchung gebe. Denn am Lauf der Waffe sollen auch Spuren von dem zweiten Angeklagten gewesen sein. Dazu geäußert hat sich der Mitangeklagte aber nicht. Das Gericht erwartet, dass Gutachter dies im Laufe des Verfahrens aufklären können.

Prozess könnte länger dauern als geplant

Ende Januar waren auf einer Kreisstraße bei Ulmet im Kreis Kusel eine 24-jährige Polizeianwärterin und ihr 29 Jahre alter Kollege bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Dem Hauptangeklagten werden unter anderem zweifacher Mord und gewerbsmäßige Jagdwilderei vorgeworfen. Laut Anklage soll Andreas S. die beiden Polizisten getötet haben, um seine illegale Wilderei zu vertuschen. Der 33-jährige Mitangeklagte ist wegen gewerbsmäßiger Jagdwilderei und versuchter Strafvereitelung angeklagt.

Der Prozess am Landgericht Kaiserslautern sollte ursprünglich bis September dauern. Der zuständige Richter hat aber bereits angedeutet, dass möglicherweise deutlich mehr Verhandlungstage nötig seien und der Prozess entsprechend länger dauern könnte.

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