Eine Mitarbeiterin bei Hornbach räumt einen Heizlüfter aus einem Regal auf einen Wagen in einem Baumarkt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Felix Hörhager)

Heizlüfter und Pellets gefragt wie nie

Entlastung in der Krise: Ansturm auf alternative Heizmethoden

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Viele klagen derzeit über die anhaltende Hitze, doch größere Sorgen bereitet offenbar der kommende Winter. Angesichts drohender Lieferengpässe beim Gas suchen immer mehr Menschen nach Alternativen, und seien es Heizlüfter. Die Bau- und Elektronikmärkte kommen oft kaum nach.

Sonst sind im Hochsommer vor allem Ventilatoren, Klimaanlagen und vielleicht allenfalls Heizstrahler für die Terrasse gefragt. Doch in diesem Jahr ist das anders: Aus Angst vor einer Energiekrise und steigender Gaspreise infolge des Ukraine-Krieges sind Heizlüfter, Öl- und Heizradiatoren sowie Konvektoren die Verkaufsschlager. Wer Pech hat, steht auch schon mal vor einem leeren Regal.

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Baumarkt-Kunden wollen sich für Notfälle wappnen

Bei der rheinland-pfälzischen Baumarktkette Hornbach gibt es bereits seit Mitte November 2021 eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Brennstoffen aller Art (Holz, Gas, Pellets, Braunkohle), aber auch nach Kaminöfen und anderen Heizmöglichkeiten. In erster Linie seien die damals bereits gestiegenen Energiepreise der Grund, so Pressesprecher Florian Preuß.

Mit Ausbruch des Krieges in der Ukraine habe es einen weiteren Anstieg gegeben. Wie Preuß dem SWR mitteilte, wollen die Kunden autark sein, sich für Notfälle wappnen und suchen so nach finanzieller Entlastung: "Das hören wir immer wieder bei Gesprächen in unseren Märkten."

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Ansturm auf Brennstoffe: Nachfragen nach Pellets um 100 Prozent gestiegen

Der vorläufige Höhepunkt sei im März/April erreicht worden. Manche Märkte seien tageweise ausverkauft gewesen bei Pellets und Brennholz. Jetzt - in der Nebensaison für diese Waren - verzeichne man eine deutlich höhere Nachfrage als üblicherweise im Juli. Mit der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas vor rund einem Monat gab es laut Preuß wieder einen regelrechten Ansturm auf viele Märkte. Einige Standorte waren bei mehreren Brennstoffen innerhalb von zwei, drei Tagen ausverkauft.

Den stärksten Anstieg habe man bei Pellets erlebt; hier liege die Nachfrage seit Januar um 100 Prozent über dem Vorjahr. Aber auch Kaminholz, Braunkohle und Holzbriketts seien viel stärker nachgefragt. Die Märkte könnten nachbestellen und erhielten auch noch Brennstoffe, allerdings gebe es vielerorts auch schon Reservierungen der Kunden, sodass neu eingetroffene Ware recht schnell wieder weg sei. Die Ladung von drei Lkw mit Brennstoffen sei in zwei, drei Tagen weg, bestätigt der Marktmanager des Mainzer Hornbach-Marktes dem SWR. Das Heizgerät sei quasi das Toilettenpapier von vor zwei Jahren, meint er schmunzelnd in Anspielung auf Hamsterkäufe in der Anfangszeit der Corona-Pandemie.

"Das Heizgerät ist quasi das Toilettenpapier von vor zwei Jahren."

Zeitweise "Run" auf Gaskocher und Kartuschen  

Die Menschen bevorraten sich nach Angaben von Preuß aber auch mit Gas in Flaschen. Sogar Gaskocher und Kartuschen hätten zeitweise einen Run erlebt. Stark gefragt seien zeitweise auch Notstromaggregate, elektrische Heizungen, Konvektoren und Heizlüfter. Hier habe sich die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr ebenfalls verdoppelt. Nach der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas auf Bundesebene sei sie extrem stark gewesen. Die eigentliche "Saison" für diesen Warenbereich beginne traditionell erst im Herbst. Im September erhalte man daher erst die Hauptlieferung.

Preuß nennt noch eine weitere Auswirkung der aktuellen Krisensituation: Viele würden sich verstärkt Gedanken über Energiesparmaßnahmen in Haus und Wohnung machen. Dämmstoffe seien seit Jahresbeginn sehr stark gefragt, um den Energieverbrauch daheim zu senken. Aber auch Smart-Home-Module, mit denen sich beispielsweise aus der Ferne Heizkörperventile regulieren oder Fenster schließen ließen, seien angesagt.

Auch BAUHAUS meldet gestiegene Nachfrage

Bei der Baumarktkette BAUHAUS sieht es ähnlich aus. Man stelle bundesweit im Vergleich zum Vorjahr eine saisonal atypisch gestiegene Nachfrage nach alternativen Wärmequellen fest, heißt es auf SWR-Anfrage. Dazu gehören laut Unternehmen Holz- und Pelletsöfen, Briketts sowie jegliche Arten von Elektroheizkörpern, Campingkochern und Stromgeneratoren.

BAUHAUS führt den Anstieg ebenfalls auf den Wunsch der Kunden nach mehr Unabhängigkeit und einer möglichen Notversorgung in ungewissen Zeiten zurück. Bei einigen der gesuchten Waren sei die Verfügbarkeit aktuell angespannt, während in anderen Bereichen die Lagerbestände gegenwärtig noch gut gefüllt seien, so das Unternehmen. Man wolle der Nachfrage bestmöglich gerecht werden.

"Wir sehen derzeit eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach elektronischen Heizgeräten", teilt auch eine Sprecherin des Unternehmens MediaMarktSaturn dem SWR mit. Man habe aber die Bestände rechtzeitig erhöht und sei gut vorbereitet.

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Elektrische Heizgeräte sollten Notlösung bleiben

Die Angst, Russland könnte den Gashahn zudrehen und das könnte ganz konkrete Auswirkungen auf die eigenen vier Wände haben, treibt also immer mehr Menschen um. Doch das Heizen mit Elektrogeräten sollte wirklich nur eine Notlösung sein. Denn es ist zwar bequem: Stecker in die Steckdose und die Wärme kommt. Aber es ist auch sehr, sehr teuer.

Das Heizen mit Strom ist der Verbraucherzentrale zufolge derzeit rund drei Mal so teuer wie das Heizen mit Gas. Und es gebe keine Anzeichen, dass sich daran viel ändern werde.

Stresstest läuft: Würde die Stromversorgung halten?

Und würden die mobilen elektrischen Heizgeräte wirklich in großem Umfang zum Einsatz kommen, könnte das sogar die Stromnetze in die Knie zwingen. Denn wenn alle umschwenken von Gas auf Strom, dann sei irgendwann der Strom knapp, meint der Mainzer Hornbach-Marktmanager.

Die Möglichkeiten des deutschen Stromnetzes könnten sowohl bei der Erzeugung als auch beim Transport überfordert werden, warnen auch Experten. In einem Stresstest wird derzeit die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland unter verschärften Bedingungen überprüft. Diesen Auftrag hat das Bundeswirtschaftsministerium vor einer Woche den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern erteilt.

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