An der Nahe und in Rheinhessen ist die Nachfrage nach Brennholz in den letzten Monaten deutlich gestiegen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nachfrage deutlich gestiegen

Brennholz in Rheinhessen und an der Nahe wird teurer und knapper

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Die steigenden Energiepreise führen in Rheinhessen und an der Nahe derzeit zu einer steigenden Nachfrage nach Brennholz. Bei einigen Firmen herrscht deswegen jetzt ein Bestellstopp.

Bei Rejk Neubert, der in Freimersheim Brennholz verkauft, stehen seit Wochen die Telefone nicht mehr still. Fast ununterbrochen rufen Kundinnen und Kunden an und fragen nach Brennholz. "Das kann sich kein Mensch vorstellen, wie viele momentan bei uns anrufen", sagt der Verkäufer.

Nachfrage nach Brennholz zehn Mal so hoch

Die Nachfrage nach Brennholz sei im Vergleich zum letzten Jahr ungefähr fünf bis zehn Mal so hoch. Dies liege aber nicht nur am Ukraine-Krieg und den dadurch gestiegenen Energiepreisen. Schon während der Corona-Pandemie habe sich abgezeichnet, dass das Interesse an Brennholz durch die Home-Office-Pflicht gestiegen sei.

Der Ukraine-Krieg habe die Nachfrage weiter in die Höhe getrieben. "Alle Händler, die ich kenne, haben ein Riesen-Problem, Nachschub zu bekommen", so Neubert. Auch er komme momentan kaum noch mit seinen Bestellungen hinterher. Um die enorme Anfrage bedienen zu können, habe er derzeit einen Bestellstopp eingeführt. Auf seiner Homepage heißt es: "Bis wir mit den bestehenden Bestellungen wieder bei sind, müssen wir vorerst unseren Online-Shop vom Netz nehmen und können keine weiteren Aufträge entgegennehmen."

"Jede Woche rufen um die 1.000 Leute an, die nach Brennholz fragen."

Wöchentlich würden unzählige Menschen bei ihm anrufen, die nach Brennholz fragen. Dabei erhalte er Anrufe aus ganz Deutschland, teilweise sogar aus dem Ausland.

An der Nahe und in Rheinhessen ist die Nachfrage nach Brennholz in den letzten Monaten deutlich gestiegen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
An der Nahe und in Rheinhessen ist die Nachfrage nach Brennholz in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Picture Alliance

Auch viele seiner Kolleginnen und Kollegen bestätigten, dass die Nachfrage nach Brennholz derzeit explodiere. Sein Kollege vom Brennholzhandel Streller aus Bad Kreuznach berichtet, dass die Nachfrage bei ihm seit Februar zwischen 200 und 300 Prozent gestiegen ist. Da er aktuell kein Holz mehr habe, könne er auch keine Neukundinnen und -kunden mehr annehmen. Ähnliches berichtet Nico Reths, der in Seibersbach Brennholz verkauft: "Ich habe noch etwas Brennholz zur Verfügung, habe aber auch sehr viele Vorbestellungen, daher nehmen wir keine neuen Kunden mehr an", so der Händler.

Bäume werden immer erst im Herbst und Winter gefällt

Wie Reths erläutert, arbeitet er ausschließlich mit der Forstwirtschaft in der Region zusammen. Da die Forstämter an der Nahe und in Rheinhessen ihre Bäume nach dem Konzept der Nachhaltigkeit fällen, gehe er derzeit davon aus, dass für den kommenden Winter nicht mehr sehr viel Holz zur Verfügung stehe.

Diese Einschätzung bestätigt Michael Veeck, Sprecher des Forstamtes Soonwald, zu dem unter anderem auch die Forstreviere im Kreis Bad Kreuznach gehören: "Wir haben ein ganz klares Nachhaltigkeitsprinzip. Wir werden jetzt keine Bäume fällen, nur weil die Nachfrage derzeit so hoch ist." Hinzu komme, dass Bäume immer erst im Herbst und im Winter gefällt würden. Dann würden sie kein Laub mehr tragen und die Fällarbeiten seien für die Mitarbeitenden sicherer. Das Holz, das es jetzt eventuell noch bei den Forstrevieren zu kaufen gebe, seien Restbestände aus dem Frühjahr.

Holz ist deutlich teurer geworden

Die große Nachfrage führe auch dazu, dass das Holz teurer geworden sei. "Im Durchschnitt um gut 35 Prozent", sagt Rejk Neubert. Zwar habe er bislang noch keine Probleme, neues Holz zu bekommen, da er auch aus dem Ausland Holz hinzukaufe. Allerdings könne er nicht unendlich viel Holz nachbestellen. "Die Menge an Holz, die ich zusätzlich kaufen kann, ist begrenzt", so der Händler.

Michael Veeck und seine Kolleginnen und Kollegen machen sich deswegen große Sorgen. "In Osteuropa werde auch in Naturschutzgebieten Holz geschlagen und dieses Holz ströme jetzt auf den deutschen Markt", so Veeck. Genau wie seine Kolleginnen und Kollegen vom Forstamt Rheinhessen befürchtet er zudem, dass die Kundinnen und Kunden nun verstärkt bei ausländischen Brennholzhändlern nachfragen. Hier sei aber nicht mehr nachzuvollziehen, ob das Brennholz aus nachhaltigen Beständen komme.

Viele Kunden kaufen Holz auf Vorrat ein

Seine Kollegen Michael Keil und Nico Plöger, die für Forstreviere im Kreis Bad Kreuznach zuständig sind, bemerken zudem, dass sich einige ihre Kundinnen und Kunden das Holz jetzt schon als Vorrat kaufen wollen. "In den letzten Wochen haben immer wieder Menschen angerufen, die Holz kaufen wollten. Das ist untypisch. Eigentlich rufen die im frühen Winter an", so Keil. Dabei sei ihm auch aufgefallen, dass viele Neukundinnen und Neukunden darunter seien. Auch bei Nico Plöger haben einige neue Interessenten angerufen.

"Ich rechne damit, dass alle Bürger und Bürgerinnen im nächsten Winter Holz bekommen können."

Trotz der gestiegenen Nachfrage gehen Plöger und seine Kolleginnen und Kollegen davon aus, dass die meisten Privatkundinnen und -kunden im nächsten Winter ihr Holz bekommen. Bei den gewerblichen Kunden wie Rejk Neubert und Nico Reths sehe es schon anders aus. "Die gewerblichen Kunden wollen ja deutlich mehr Holz als die Privatkunden. Da könnte es durchaus passieren, dass deren Nachfrage im nächsten Winter deutlich größer ist als der geplante nachhaltige Holzeinschlag", so Michael Keil.

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