Auf dem Mannheimer Marktplatz liegen auch zwei Wochen nach dem tödlichen Messerangriff viele Blumen.

Stadt ins Herz getroffen

Meinung: "Tod des Mannheimer Polizisten geht uns alle an"

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Autor/in
Patrick Figaj
SWR Journalist Patrick Figaj

Der Tod des Polizisten Rouven Laur hat Mannheim mitten ins Herz getroffen. Und hat politische Diskussionen ausgelöst. Die Tat geht uns alle an, meint SWR Redakteur Patrick Figaj.

Man muss einen Schritt zurückgehen, um die ganze Tragweite dieser Tat zu begreifen. Der Bundespräsident, der am Tatort Blumen niederlegt. Der Bundeskanzler, der von "blutigem Terror" spricht. Eine mutmaßlich islamistisch motivierte Tat. Ein feiger Messerangriff, mitten in Mannheim. Mitten in das Herz dieser Stadt, wie es der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) bei der bewegenden Trauerfeier ausgedrückt hat. Dem Ort, dem Mannheimer Marktplatz, dem Sinnbild für ein Miteinander in dieser so vielfältigen Stadt im Südwesten Deutschlands. Wo das Stadtbild von unterschiedlichsten Menschen geprägt wird. Genau dort endete das Leben von Rouven Laur. 

Noch beben die Worte, zittern die Stimmen, sitzt die Trauer bei vielen Menschen tief. Doch bereits jetzt ist klar: Der Angriff auf Rouven Laur hat etwas ausgelöst. Etwas, das größer ist als die Tat. Es geht um mehr, über Mannheim hinaus: Um Polizistinnen und Polizisten, die sich nicht mehr sicher fühlen, die angegriffen werden, die immer wieder für ihre Arbeit in die Kritik geraten. Es geht um Menschen in vielen deutschen Städten, die sich bedroht fühlen. Eine greifbare Unsicherheit. Seit zwei Wochen ist die Stadt Mannheim nicht mehr wieder zu erkennen. Die Gespräche sind andere, die Stimmung ist eine andere. Kundgebungen, Demonstrationen, eine zum Teil aufgeheizte Atmosphäre. Das alles im Umfeld von Wahlen. Aber nicht allein deshalb stellen sich all diese Fragen.  

Polizist Rouven Laur war ein Mensch mit Haltung

"Wir werden nie verstehen warum, aber wir hoffen, dass der Tod von Rouven irgendwann auch noch einen Sinn hat". Das sagt die Familie des getöteten Polizisten. Das hat der Bürgermeister der Heimatstadt von Rouven Laur, ein Freund des 29-Jährigen, der Öffentlichkeit mitgegeben. Als hochengagierten Mann, so beschreiben ihn Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei. Für sich, für die Arbeit der Polizei, aber auch für das Zusammenleben aller. Ein Polizist, der den Ausgleich im Sinn hatte. Ausgleichende Worte, die in Mannheim, aber auch in vielen anderen Städten in Deutschland so wichtig, so zentral sind: Miteinander ins Gespräch zu kommen.  

SWR Journalist Patrick Figaj
SWR Journalist Patrick Figaj

Die Anteilnahme ist auch deshalb so groß, weil jemand ums Leben gekommen ist, der eine klare Haltung hatte. Diese schwere Last hinterlässt der Tod des Polizisten für die Politik, für die Gesellschaft. Als zentrale Aufgabe: Wie wollen, wie können wir miteinander leben? Ohne Hass und Vorurteile.  

Gefühl, dass "das Gute verloren hat"

Wenn der baden-württembergische Ministerpräsident davon spricht, dass Menschen ihm beschreiben, dass sie das Gefühl haben, das Gute habe verloren. Wenn der baden-württembergische Innenminister das Andenken an Rouven Laur als Mahnmal für seine Werte - aber auch die der Gesellschaft umschreibt. Wenn der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim vor der Gefahr von um sich greifenden Hass spricht. Spätestens dann ist klar: Zu viele Fragen sind noch unbeantwortet.  

Völlige Sicherheit kann es nicht geben

Zu konkreten Hintergründen dieses Falls. Aber vor allem darüber hinaus: Es geht um nicht weniger als die Sicherheit in unserem Land. Selbstverständlich: Keine Stadt bietet, kein Mensch lebt in 100-prozentiger Sicherheit. Die gab es nie, sie wird es nie geben. Einzeltäter, Terroristen. Sie werden immer eine Gefahr bleiben. Was es aber geben muss, ist ein ehrlicher Umgang mit Problemen, die offenliegen. Die die Sicherheit von uns allen betreffen.  

Gräben zwischen Kulturen, zwischen Menschen, zwischen Gruppen, dürfen nicht noch größer werden. Schon gar nicht, wenn solche Angriffe politisch instrumentalisiert, für eigene Zwecke missbraucht werden. Um die Stimmung noch weiter zu vergiften. Wir müssen mehr miteinander ins Gespräch kommen. Politisch brisante Fragen abseits von Parteipolitik aber endlich sachlich diskutieren und konkrete Antworten geben.  

Keiner sagt, dass das einfach ist. Und ohne Reibung abläuft. Aber es geht vor allem jetzt um eines: Nicht noch mehr Hass zu säen. Davon gibt es bereits genug. Jetzt ist die Zeit, sich die verbindende Perspektive von Rouven Laur zum Vorbild zu nehmen. An diesem Punkt geht uns die Tat, der Tod dieses jungen Polizisten, alle an.  

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