Die Frauen des AWO-Balletts in ihrem Kostümen.

Erster Auftritt am 24. Mai auf der Hauptbühne Spinelli 

Kulturelle Aneignung? Kompromiss im Streit um Seniorinnen-Ballett auf BUGA

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Johannes Böhler
Ninja Degen
Bild Ninja Degen, SWR Studio Mannheim

Das AWO-Ballett wollte auf der Mannheimer BUGA tanzen - doch den Veranstaltern waren die Kostüme zu klischeehaft. Nun darf der Auftritt stattfinden - unter zwei Bedingungen.

Im Streit um einen Tanzauftritt des AWO-Ballets Rheinau auf der Bundesgartenschau (BUGA) in Mannheim hat es eine Einigung gegeben. Wie die Organisatoren der Bundesgartenschau mitteilen, dürfen die Seniorinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf der BUGA tanzen - allerdings müssen sie vorher noch drei Kostüme anpassen, um dem kulturellen Anspruch des jeweils betroffenen Landes zu entsprechen.

Erster Auftritt am 24. Mai

Der erste Auftritt der AWO-Seniorinnen-Tanzgruppe bei der Mannheimer BUGA wird am 24. Mai stattfinden. Das bestätigte ein Sprecher der AWO dem SWR.

BUGA: Kostüme zu klischeehaft

Auf der BUGA wollten die Seniorinnen eine Tanzshow mit dem Titel "Weltreise mit dem Traumschiff" aufführen. Doch am Mittwoch hatte das zuständige BUGA-Team sechs der insgesamt 14 Kostüme als zu klischeehaft beanstandet, auch Vorwürfe von möglicher kultureller Aneignung standen im Raum. Das wollten die Seniorinnen jedoch nicht hinnehmen - sie wollten ihre Show entweder ganz oder gar nicht aufführen.

"Wir sollen die spanischen Flamenco-Kostüme, den orientalischen Tanz, den mexikanischen Tanz mit Sombreros und Ponchos, den japanischen Tanz mit Kimonos, den indischen mit Saris und den ägyptischen Tanz, in dem wir als Pharaoninnen verkleidet sind, nicht zeigen."

Diskussionsveranstaltungen sollen Auftritte auf Hauptbühne umrahmen

Nun ist bei einem Gespräch zwischen Vertretern und Vertreterinnen des AWO-Balletts sowie der BUGA 23 ein Kompromiss vereinbart worden: Aus den "Pharaoninnen" sollen ägyptische Arbeiter werden, die "Mexikaner" sollen sich mit Ponchos begnügen und auch die "Asiatinnen" sollen ein moderneres Erscheinungsbild bekommen.

Im Gegenzug sollen die Auftritte auf die Hauptbühne verlegt werden, wo sie im Nachgang mit Diskussionsveranstaltungen zum Thema begleitet werden. Ziel der Gespräche sei es gewesen, das durch viel ehrenamtliche Arbeit entstandene Bühnenprogramm weitgehend zu erhalten und zugleich kulturelle Merkmale ohne Stereotype darzustellen, so eine Sprecherin der BUGA.

Ursprünglich waren sieben Auftritte der AWO-Seniorinnen auf der Mannheimer BUGA geplant. Doch wegen der Verlegung auf die Hauptbühne müssten die Auftritte des AWO-Balletts nun zu anderen Terminen stattfinden, so die BUGA-Sprecherin weiter. Diese würden rechtzeitig kommuniziert.

AWO-Geschäftsführer zufrieden mit Kompromiss

Alexander Manz, der Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Mannheim, ist laut Mitteilung zufrieden mit dem Kompromiss, der einerseits dem Einsatz der ehrenamtlich tätigen AWO-Damen gerecht werde und zugleich die Diskussion zum Spannungsfeld der Vielfalt in der Gesellschaft aufgreife.

Fabian Burstein von der BUGA 23 betont den konstruktiven Charakter der Einigung: Die angeschlossene Diskussionsveranstaltung solle zeigen, "wie wir in Mannheim mit solchen Auseinandersetzungen umgehen." Zugleich sei es "großartig", dass durch die Verlegung auf die Hauptbühne der "Konflikt im Herzen der BUGA 23-Fläche" aufgelöst werden konnte.

Migrationsbeirat zur Diskussion über die Kostüme des AWO-Balletts

Der Mannheimer Migrationsbeitrag ist der Meinung, dass die BUGA richtig gehandelt habe. Man teile die Meinung, dass mit der Art der Darstellung "kulturelle und religiöse Stereotype zur Unterhaltung ausgeschlachtet werden".

"Dass die nun vereinbarte nachträgliche Umgestaltung der betreffenden Kostüme (welcher Art auch immer) hieran etwas ändern wird, bezweifeln wir."

Dass es im Anschluss an die Auftritte der Tanzgruppe Diskussionsveranstaltungenauf der BUGA geben soll, um für das Thema zu sensibilisieren, begrüßt der Migrationsbeirat nach eigener Aussage.

Meinungen in der SWR-Community gehen auseinander

Auch in der SWR-Community wird das Thema rege diskutiert. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander. So schreibt ein User: "Ich find's gut, dass man da sensibel vorgeht. Soll doch Freude machen und nicht Unmut produzieren. Nur weil man das jahrelang als normal empfunden hat, muss es ja nicht automatisch richtig sein."

Das AWO-Ballett wollte auf der Mannheimer BUGA tanzen - mit Sombreros, in Kimonos oder im Flamenco-Outfit. Doch darum gibt's jetzt Ärger. Die Kostüme seien zu klischeehaft.Posted by SWR Aktuell on Monday, April 17, 2023

Andere Userinnen und User halten dagegen. Sie haben kein Verständnis für die Aufregung. "Ich finde es unglaublich und es macht mich zutiefst traurig, wie hier mit den älteren Damen umgegangen wird. Diese Frauen machen das ehrenamtlich", schreibt ein anderer User.

Mannheimer AWO-Ballett tritt seit Jahrzehnten auf

Das AWO-Ballett in Mannheim-Rheinau gibt es seit 42 Jahren. Die Frauen sind zwischen 59 und 85 Jahre alt und treten ehrenamtlich auf, beispielsweise in Altenheimen oder auf Straßenfesten. Die Show, um die es konkret geht, heißt "Weltreise mit dem Traumschiff" und beinhaltet verschiedene Tanzeinlagen mit insgesamt 14 verschiedenen Kostümen.

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