Ein Schild auf dem steht: "Heuriger Tagungsort des Stockacher Narrengerichts."

Thema war "Schwaben-Bashing"

Rezzo Schlauch verteidigt Schwaben bei Stockacher Narrengericht in Berlin

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Die Narren sind nach Berlin gezogen. Vor dem Stockacher Narrengericht wurde die Situation der Hauptstadtschwaben verhandelt. Cem Özdemir (Grüne) sagte seine Teilnahme im Vorfeld ab.

Das Stockacher Narrengericht hat am Donnerstagabend ausnahmsweise in Berlin getagt. Dabei wurde das sogenannte Schwaben-Bashing - also die Diffamierung der Schwaben - verhandelt. Ankläger war Ex-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der ehemalige Grünen-Bundestagsfraktionschef Rezzo Schlauch verteidigte die Schwaben.

Rund 300.000 Schwaben leben in Berlin. Laut Anklage gelten sie bei manchen Einheimischen als arrogant und als "Tot-Sanierer" der Stadt. Vorwürfe, die Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn als Ankläger vor dem Narrengericht vorbrachte. Verteidiger Rezzo Schlauch hielt dagegen. Schlauch kommt aus Gerabronn im Landkreis Schwäbisch Hall im Nordosten Baden-Württembergs, Spahn aus Ahaus im Münsterland in Nordrhein-Westfalen.

Jens Spahn beim Stockacher Narrengericht in Berlin
Der Westfale Jens Spahn (CDU) als Ankläger beim "Schwaben-Bashing" in Berlin.

"Berlin steht für Vielfalt, der Schwabe steht für Einfalt."

Doch Spahn gab auch zu, dass nicht alles, was aus Schwaben komme, schlecht sei. Mit einem Augenzwinkern verwies er auf seinen Ehemann, der Schwabe ist. Neben seinem Mann saß der als Narr verkleidete baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann (Grüne). Die Veranstaltung fand in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin statt.

Auf der Gegenseite stand der frühere Grünen-Bundestagsfraktionschef Rezzo Schlauch, der einen "Spätzle-Day" in Berlin forderte. Denn der Schwabe mache die Hauptstadt in allen Belangen besser.

"Wir sind die dringend benötigte Einwanderung von Fachkräften."

Rezzo Schlauch in Berlin bei der Sitzung des Stockacher Narrengerichts
Rezzo Schlauch (Grüne) verteidigte die Schwaben in Berlin.

Das Urteil des Narrengerichts fiel für beide Seiten milde aus: Für die Schwaben wurde ein Integrationskurs samt Sprachtest verordnet, für die Berliner ein Abgeordneten-Austausch an den Bodensee.

Was wollen diese Schwaben eigentlich in Berlin? Diese Frage wurde am Donnerstagabend vor dem Stockacher Narrengericht in Berlin verhandelt. Hauptstadt-Korrespondent Sebastian Deliga berichtet in der SWR Aktuell-Sendung vom 9. Februar um 19:30 Uhr:

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Özdemir begründet Absage mit Erdbeben

Im Vorfeld hatte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) abgesagt. Aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium hieß es, dass der Minister gerne an der Veranstaltung teilgenommen hätte. "Aufgrund des schrecklichen Erdbebens in der Türkei und in Syrien hat Bundesminister Özdemir jedoch seine Teilnahme an der außerordentlichen Sitzung des Stockacher Narrengerichts in Berlin abgesagt."

Özdemir erklärte auch bei Twitter seine Absage und bat um Verständnis für seine Entscheidung. Seine Gedanken seien bei den unzähligen Opfern und ihren Familien.

Empfang der Narren im Schloss Bellevue

Rund 200 Hästräger aus Stockach (Kreis Konstanz) reisten am Donnerstag mit in die Bundeshauptstadt. Am Freitag besuchen sie den Bundestag und es wird einen Empfang im Schloss Bellevue geben, bevor es am Samstag zurück nach Stockach geht. Dort findet nächste Woche am "Schmotzigen Dunschtig", dem Donnerstag vor Rosenmontag, die reguläre Sitzung des Stockacher Narrengerichts statt. Angeklagt ist in diesem Jahr der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki.

2008 waren die Stockacher Narren schon einmal in Berlin. Damals lieferten sich bei der Narrengerichtsverhandlung der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) und der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) einen Schlagabtausch.

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