Geklöppelte Fächer im Bauhaus-Stil. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)

Klöppelkunst - eine fast vergessene Handarbeitstechnik

4.100 Besucher beim Klöppelspitzenkongress in Wangen im Allgäu

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Friederike Fiehler
SWR-Redakteurin Friederike Fiehler Autorin Bild (Foto: SWR, Thomas Schnitzer)

Klöppeln ist eine Handarbeitskunst mit großer Tradition auf der ganzen Welt. Zum Austausch und zur Weiterbildung traf sich die internationale Klöppel-Elite in diesem Jahr in Wangen im Allgäu.

Das Thema des 39. Klöppelspitzenkongresses war "Spitzen im Bauhaus-Stil und ihre zeitgemäße Umsetzung". Der Kongress fand von Freitag bis Sonntag an verschiedenen Schauplätzen im Stadtgebiet von Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) statt und lockte etwa 4.100 Besucherinnen und Besucher an, so die Vorsitzende des Deutschen Klöppelverbands, Sabine Pichl, auf SWR-Anfrage.

Mit den Zahlen sei sie sehr zufrieden. Im vergangenen Jahr im fränkischen Gunzenhausen seien unter Eindruck der noch geltenden Corona-Maßnahmen nur rund 3.000 Menschen zum Klöppelkongress gekommen.

Beim diesjährigen Kongress wurde ein vielfältiges Programm rund um das beliebte Handwerkshobby geboten. Neben Vorträgen fanden mehrere Ausstellungen und Wettbewerbe statt.

Klöppeln - ein meditatives Hobby

Mona Ehlert saß am Freitagmittag in der Argenhalle in Wangen konzentriert über ein Kissen gebeugt. Sie zeigte anhand eines Bildes, das sie gerade klöppelte, wie das Kunsthandwerk funktioniert.

SWR-Reporterin Marlene Fuchs hat sich das Kunsthandwerk vor Ort angeschaut:

Die 15-Jährige ist extra für den Klöppelspitzenkongress mit einer Jugendgruppe aus Südhessen angereist. Sie kam über ihre Großmutter zum Hobby.

"Klöppeln ist für mich viel besser als Nähen oder Stricken. Man muss beide Hände gebrauchen und arbeitet konzentrierter."

Wer einmal mit dem Klöppeln anfängt, kann nicht mehr aufhören – davon ist die Vorsitzende des Deutschen Klöppelverbands, Sabine Pichl, überzeugt.

"Klöppeln tut gut. Es ist wie eine Sucht."

Was hat der Bauhaus-Stil mit Klöppeln zu tun?

Das Bauhaus (1919-1933) war laut den Verantwortlichen des Klöppelspitzenkongresses eine von Walter Gropius in Weimar gegründete Kunstschule, die Kunst und Handwerk zusammenführen wollte, um das Kunsthandwerk gegenüber der industriellen Produktion zu stärken. Der Unterschied zwischen Künstlern und Handwerkern sollte aufgehoben werden.

Klöppelspitzenausstellung in Wangen (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Eine Klöppelarbeit im Stil des Malers Wassily Kandinsky. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenkongress am Freitag in Wangen in Allgäu. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Mehrere hundert Besucherinnen und Besucher sind am Freitagvormittag zu den Ausstellungen und zum Verkauf von Zubehör gekommen. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenkongress am Freitag in Wangen in Allgäu. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Zum Klöppelspitzenkongress in Wangen wurden am Wochenende mehrere tausend Gäste erwartet. Am Freitag startete der Kongress. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenkongress am Freitag in Wangen in Allgäu. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Mona zeigt, wie man ein Fahrrad klöppelt. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenkongress am Freitag in Wangen in Allgäu. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Auch kreative Kopfbedeckungen werden angeboten. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenausstellung in Wangen (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Eine Vorlage im Bauhausstil. Bild in Detailansicht öffnen
Geklöppelte Fächer im Bauhaus-Stil. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Zwei Fächer im Bauhausstil geklöppelt. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenausstellung in Wangen (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Die Titelcover der Vogue aus den 1920er-Jahren wurden verziert mit Klöppelspitze. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenausstellung in Wangen (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Auch 3D-Klöppelarbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
Klöppelspitzenausstellung in Wangen (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Sabine Pichl, Barbara Luderich und Maria Steur vom Deutschen Klöppelverband. Im Hintergrund die Mitmachaktion "Alpenpanorama". Bild in Detailansicht öffnen

Auch Kunstgewerbestudentinnen ließen sich von der neuen künstlerischen und architektonischen Bewegung inspirieren. Häufig wurden in Spitzenentwürfen die geometrischen und architektonischen Elemente aufgenommen.

Kongress-Angebot erstreckt sich über das Wangener Stadtgebiet

Die Hauptausstellung zum Thema "Spitzen im Bauhausstil" mit historischen Spitzen wurde im Rupert-Neß-Gymnasium gezeigt. Im Schülercafé des Rupert-Neß-Gymnasiums gab es Accessoires wie geklöppelte Gürtel, Ohrringe, Halsketten und Armbänder zu entdecken.

Geklöppelte Accessoires, zum Beispiel eine Halskette, beim Klöppelspitzenkongress in Wangen. (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Unter anderem so sehen geklöppelte Accessoires aus.

Neben der großen Hauptausstellung zeigten mehrere Klöppelgruppen ihr Können. Der Deutsche Klöppelverband bietet über das ganze Jahr verteilt Kurse mit unterschiedlichen Themen an. Die Ergebnisse waren in der Lothar-Weiß-Halle zu sehen, weitere Ausstellungen und Aktionen fanden in der Musikschule und in der Argensporthalle statt sowie in der Häge-Schmiede und im Weberzunfthaus.

Mitmachaktion: Geklöppeltes Alpenpanorama

Der Deutsche Klöppelverband hat seine Mitglieder im Vorfeld des Kongresses dazu aufgerufen Dreiecke in Form von Berggipfeln zu klöppeln. Passend zum Veranstaltungsort von dem aus bei guter Wetterlage auch die Alpen zu sehen sind. Diese geklöppelten Spitzendreiecke wurden zu einem Alpenpanorama zusammengestellt, das während des Kongresses im Rupert-Neß-Gymnasium gezeigt wurde.

Mehr Infos für Besucherinnen und Besucher

Weitere Informationen zu Programm, Eintrittspreisen und Vorführungen erhalten Sie hier. Die Stadt Wangen war nach 2017 zum zweiten Mal Gastgeber des Klöppelspitzenkongresses.

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