Auszeichnung für ein offenes Haus

Ein Museum, das auch Treffpunkt ist – Das Ludwigsburg Museum erhält den Lotto Museumspreis Baden-Württemberg

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Silke Arning

Der Lotto Museumspreis Baden-Württemberg würdigt jedes Jahr herausragende Konzepte nichtstaatlicher Museen. 2023 geht der mit 30.000 Euro dotierte Preis an das Ludwigsburg Museum im MIK – als Anerkennung für ein modernes Stadtmuseum, das auch im öffentlichen Raum präsent ist.

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Drei Institutionen in einem Haus

Hinter der Abkürzung MIK – „Museum – Information – Kunst“ – steht ein offenes Konzept, das gleich drei Institutionen in einem Haus zusammenbindet: Im Foyer bietet die Touristeninformation Konzerttickets und Stadtführungen an, Kunstverein und Museum zeigen Ausstellungen und organisieren Aktionen. In dieser Verzahnung kommen mehr Lebendigkeit und Selbstverständlichkeit ins Haus.

Museum Ludwigsburg (Foto: SWR, Silke Arning)
Von der Kirchturmspitze bis zur Leuchtreklame – im Museumsfoyer zeigt die Stadt auf einem einzigen großen Wandbild, was sie alles zu bieten hat. Zur Trophäensammlung gehört auch eine Sammlung mit über 2000 bunt bedruckten Bonbon-Papieren aus dem Nachlass einer Ludwigsburger Bürgerin. Bild in Detailansicht öffnen
Das Ludwigsburg Museum erzählt Stadtgeschichte in sechs verschiedenen thematischen Kapiteln. Mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz 1848 ließen sich verschiedenste Unternehmen in der Stadt nieder. Aspirin, Kühlschrank oder auch Klosettspülung in Ludwigsburg hergestellt, machten das Leben erheblich leichter. Bild in Detailansicht öffnen
Geniestreich aus Ludwigsburg: das erste Phosphor-Reibholz wurde 1832 in der Kirchstraße angezündet. Dort wohnte Jakob Friedrich Kammerer, ein experimentierfreudiger Geist, der in seiner Wohnung gern die verschiedensten chemischen Stoffe zusammenrührte. Die Feuerwehr soll damals mehr als einmal vor der Haustür gestanden haben. Bild in Detailansicht öffnen
Blonde Haare, Wespentaille, lange Beine – Barbie war eigentlich eine „Lilli“, 1955 von der Ludwigsburger Spielwarenfirma Hausser im Auftrag der „Bild“-Zeitung zu Werbezwecken erstellt. Die Puppe wurde zufällig von der Geschäftsführerin der Firma Matell entdeckt, die die Verkaufsrechte erwarb und mit ihrer „Barbie“ ein Kultobjekt geschaffen hat. Bild in Detailansicht öffnen
Revolution auf dem stillen Örtchen: wo sich die Menschen mit zugeschnittenem Zeitungspapier behalfen, stand ab 1928 eine Toilettenpapierrolle. Erfunden von Ludwigsburgs Ehrenbürger Hans Klenk. Er garantierte 444 Blatt aus Krepppapier mit seinem guten Namen: Hakle. Bild in Detailansicht öffnen

Kostenfreier Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger

Reinkommen, sich umschauen, verweilen – manchmal nur eine Viertelstunde, manchmal aber auch zwei Stunden: Der Eintritt ins stadtgeschichtliche Museum ist frei. Das macht es einfacher für die Menschen, mal eben in der Mittagspause vorbeizuschauen.

Ein Treffpunkt für Freunde, um nach einem ausgedehnten Rundgang nur ums Eck in die Innenstadt zu ziehen. Wer will, darf gern eine Spende hinterlassen, mit der dann wieder Führungen für Schulklassen finanziert werden. Denn auch die sind kostenfrei.

Museum Ludwigsburg (Foto: SWR, Silke Arning)
Das Ludwigsburg Museum präsentiert sich als offenes Haus. In den Ausstellungsräumen ermöglichen kleine Guckfenster den Blick in Foyer und Gallerie, die den Charakter des 300 Jahre alten, ehemaligen Amtshauses in der Ludwigsburger Innenstadt erkennen lassen.

Ein Mitmach-Museum, das in die Stadt hineinwächst

Das Ludwigsburg Museum lädt regelmäßig zu verschiedenen Aktionen ein. So gibt es offene Ateliers, in denen die Gäste nach dem Vorbild der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur Tassen gestalten können. Bei der neuen „Luffft“-Ausstellung kommen ab Oktober Vakuumpumpe und Kurbeltornado zum Einsatz.

Doch das Museum geht auch auf die Straße: Auf einer viel befahrenen Straßenkreuzung in Ludwigsburg hat es ein „Mikrohofhaus“ aufgestellt, um das Wohnen auf engstem Raum in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Museumspreis würdigt richtungsweisende Arbeit als Stadtmuseum

Starken Rückhalt erfährt das Ludwigsburg Museum durch seine Bürgerschaft. Immer wieder werden einzelne Stücke, sogar ganze Sammlungen im Haus an der Eberhardstraße 1 abgegeben.

Wo immer es geht, packen der ehrenamtliche Museumsverein und die Museumsfreunde mit an, unterstützen finanziell, kümmern sich um Schenkungen. Die Verortung in der Stadt, die gute Vernetzung und eine moderne Gestaltung werden mit 30.000 Euro durch den Lotto-Museumspreis Baden-Württemberg gewürdigt.

Erweiterung statt Neubau Leiterin des Linden-Museums Stuttgart: Umbau ist eine „sehr gute Entscheidung“

Die Leiterin des Stuttgarter Völkerkundemuseum, Ines De Castro, zeigt keine Enttäuschung darüber, dass der von ihr seit über 10 Jahren geforderte Neubau des Museums nicht realisiert wird. Der jetzt vom Land und Stadt beschlossene Umbau des 1911 erbauten, denkmalgeschützten Museums plus Erweiterungsbau gegenüber, sei für alle eine „konkrete Perspektive“.
Im alten Haus gebe es „erhebliche bauliche Defizite“, man könne hier nichts Zukunftsträchtiges mehr präsentieren. Die Nordamerikaabteilung mit z. T. weltbekannten Exponaten, die zur Zeit aus Platzgründen nicht gezeigt werden kann, könne nach einem Umbau „garantiert“ gezeigt werden, als kleinere Präsentation und in Zusammenarbeit mit den „Herkunftsgesellschaften“ der Exponate.
Eine temporäre Schließung des Museums sei bei beiden Modellen – Neubau oder Umbau –
unabdingbar. Der Zeitplan stehe noch nicht fest, denn erst werde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

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Silke Arning