Spoken Arts Festival Stuttgart

Robert Stadlober und Kollegin Claudia Michelsen lesen Nazi-Propaganda und Reden des Widerstands

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AUTOR/IN
Frauke Oppenberg

Das Spoken Arts Festival in Stuttgart erkundet vom 8. bis 13. Dezember die kraftvolle Wirkung des gesprochenen Wortes. Schauspieler Robert Stadlober und Kollegin Claudia Michelsen lesen am 9. Dezember unter dem Titel „Reden in finsteren Zeiten“ Nazi-Reden und Reden des Widerstands. „Wir werden diese Texte sehr distanziert lesen und die Inhalte miteinander streiten lassen und versuchen da keine Tendenz hinein zu geben“, sagt Stadlober im SWR2 Gespräch.

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Hitlers Eröffnungsrede 1933 im Reichstag nach dem Wahlerfolg der NSDAP

Gerade bei Texten von Goebbels oder Hitler müsse man aufpassen: „Wenn man da versucht, dem Ganzen eine Färbung zu geben, und sei es auch nur eine, die quasi herausarbeiten soll, wie schrecklich diese Texte sind, kann man ins parodistische kippen oder aber den Inhalt so weit verfälschen, das der wahre Kern gar nicht mehr zu sehen ist.“

Zentrale Erkenntnis: Sprache verleiht Macht

Die intensive Auseinandersetzung mit Personen wie Goebbels führt zu der Erkenntnis, dass Sprache Macht verleiht – sei es für Gutes oder Schlechtes. Gleichzeitig sei die Hoheit über das Wort auch in dem Moment verloren, in dem es ausgesprochen sei, sagt Stadlober: „Diese Worte, die Goebbels gesprochen hat, waren in dem Moment, als sie aus ihm heraus waren, in der Welt, und die Welt hat damit das getan, was sie getan hat.“ Und er hat natürlich die Wege geleitet, in die diese Sprache hineingehen sollte. Aber gleichzeitig sei es auch, selbst wenn er es bereuen würde, nicht mehr einzufangen.

Das ist schon faszinierend. Sobald die Sprache mich verlassen hat, ist sie quasi Teil des großen Ganzen. Sie ist nicht mehr beherrschbar.

Faszination für die Sprache des Widerstands

Die Betonung des Spoken Arts-Festivals liege dennoch auf der Faszination für die Sprache des Widerstands, die Menschen ermutigt, sich gegen Unterdrückung zu stellen – wie in Reden von Winston Churchill, Mahatma Ghandi oder Thomas Mann. Sie werden als Kontrast zu den aufpeitschenden, manipulativen Reden von Hilter und Goebbels gelesen.

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