Paul Dessau kämpfte im Ersten Weltkrieg, flüchtete vor den Nazis, schrieb Musik für Hollywood-Filme, war Antifaschist und Avantgardist. Im Dokumentarfilm „Let’s hope for the best“ versucht die Regisseurin, Anne-Kathrin Peitz, dem widersprüchlichen Komponisten näher zu kommen. „Eine faszinierende Geschichte voll spannender Wendungen und ebenso unterhaltsam für Klassikhörer wie für völlige Neulinge“, findet Kai Löffler.
Es existieren Unmengen an Filmmaterial, sein Werk ist fast vollständig erhalten und das Leben des Komponisten war so ereignisreich, dass man damit nicht nur einen Film, sondern eine ganze Serie füllen könnte. Trotz alledem weiß man über den privaten Menschen Paul Dessau nur wenig. Nicht umsonst legen die Experten und Zeitzeugen am Anfang des Films symbolträchtig ein Puzzle aus seinem Gesicht.
In ihrem Film über Paul Dessau lässt Anne-Kathrin Peitz Experten und Zeitzeugen - zum Beispiel Gregor Gysi - ebenso zu Wort kommen wie Menschen, die den 1979 gestorbenen Paul Dessau um rund 30 Jahre verpasst haben – Musikschüler aus seiner Schule in der ehemaligen DDR.
Absurd, tragisch und mysteriös
Es ist bemerkenswert, wie viel Anne-Kathrin Peitz in einer Stunde unterbringt. Einer Stunde, die vergeht wie im Flug. Statt Werkanalysen, Psychogrammen oder einer ausführlichen Geschichtsstunde ist für sie das Leben von Paul Dessau einfach eine faszinierende Geschichte voll spannender Wendungen, mal absurd, mal tragisch und oft mysteriös.
Die Regisseurin nutzt außerdem virtuos die Möglichkeiten des Mediums Film: Die Bilder sind oft poetisch, manchmal ironisch, mal animiert also gezeichnet, und manchmal spektakulär und artistisch. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn Musikvorführungen von Jongleuren, Akrobaten, Rhönrad-Turnern und Tänzern begleitet werden.
„Let’s hope for the best“ – Trailer
Der Dokumentarfilm ist am 17. September um 23:25 Uhr bei ARTE zu sehen.
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