Vera Ganske, Kandidatin der Oberbürgermeister-Wahl in Trier (Foto: SWR)

Kandidaten-Check

"Ich will Triers jüngste Oberbürgermeisterin werden"

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Martin Schmitt
Foto von Martin Schmitt, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Vera Ganske tritt für "Die Partei" zur OB-Wahl in Trier am 25. September an. Im SWR-Interview spricht die 24-Jährige über ihre Ziele und verrät auch Persönliches.

SWR Aktuell: Frau Ganske, was sind für Sie die größten Aufgaben in der Stadt Trier in den kommenden Jahren?

Vera Ganske: Wir müssen die Infrastruktur stärken. Das ist ein wichtiger Punkt. Da könnte sich Trier Entwicklungshilfe aus Luxemburg holen. Den öffentlichen Personennahverkehr sollte man unbedingt in naher Zukunft kostenlos machen.

Man hat ja gesehen, wie krass das 9-Euro-Ticket angeschlagen hat und wie viele Jugendliche und junge Erwachsene das 9-Euro-Ticket nutzten. Deswegen kommen wir um den öffentlichen Personennahverkehr nicht herum, um das Klima zu entlasten.


SWR Aktuell: Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Fehlentscheidungen der Stadt in den letzten Jahren gewesen?

Ganske: Das kann ich gar nicht so gut beurteilen, weil ich erst seit drei Jahren in Trier wohne.

"Die letzte Fehlentscheidung war auf jeden Fall, den Fahrradweg über die Römerbrücke nicht richtig auszubauen."

Ich finde sehr schade, dass der Fahrradweg über die Römerbrücke nicht richtig ausgebaut wurde - auch, weil es im Stadtrat noch einmal angesprochen wurde. Es wurde sich nicht drum gekümmert.

SWR Aktuell: Sie sind politisch weitgehend unbekannt. Warum wollen Sie Oberbürgermeisterin von Trier werden?

Ganske: Weil ich in den drei Jahren, in denen ich hier lebe, Trier sehr lieb gewonnen habe und mich sehr für die Stadt interessiere. Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich möchte mich gerne mehr einbringen.

SWR Aktuell: Wie stehen Sie zu Tempo 30 in der Innenstadt?

Ganske: Das ist schon mal ein richtiger Ansatz. So werden die Menschen quasi dazu erzogen, sich in die Öffis zu setzen, anstatt selber mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren.

"Wir fordern Schritttempo in der gesamten Innenstadt für private Pkw, außer natürlich für den öffentlichen Personennahverkehr."

SWR Aktuell: Wie stehen Sie zum Moselaufstieg zwischen Trier-Zewen und Igel? Muss dieser kommen?

Ganske: Ich bin auf jeden Fall dagegen. Zunächst einmal: Es müsste "Moselabstieg" heißen, weil Wasser nach unten fließt und nicht nach oben.

Dass man überhaupt im Jahr 2022 über ein solches Projekt diskutiert... Wir haben eine Klimakrise und man überlegt immer noch, neue Straßen zu bauen, anstatt den Schienenverkehr auszubauen - das ist wirklich sehr fraglich. Da darf man auf keinen Fall drauf eingehen.


SWR Aktuell: Hätte das Jugend- und Kulturzentrum Exhaus Ihrer Ansicht nach saniert werden müssen?

Ganske: Das Exhaus muss auf jeden Fall saniert werden! Es war eine wichtige Anlaufstelle für die Jugend - nicht nur für Trier, sondern für die ganze Region. Leute aus ganz Deutschland sind nach Trier gefahren, um auf Konzerte im Exhaus zu gehen.

"Das Exhaus darf von der Stadt nicht ignoriert werden. Es muss auf jeden Fall saniert werden."

Es ist traurig, dass das Bürgerbegehren für den Erhalt des Exhauses für rechtlich unzulässig erklärt wurde. Das war ein wichtiges Bürgerbegehren, das ernst genommen werden sollte.

SWR Aktuell: Wir haben im Moment hohe Gas- und Energiekosten. Das belastet viele Familien in Trier. Was kann die Stadt Trier konkret tun, um den Menschen zu helfen?

Ganske: Das ist zum Glück noch nicht mein Problem. Ich werde mir darüber erst im nächsten Jahr Gedanken machen. Denn ich bin ja erst im Frühjahr 2023 im Dienst.


SWR Aktuell: In Ihrem Wahlprogramm fordern Sie unter anderem ein "verpflichtendes unfreiwilliges soziales Jahr" oder einen "Fahrradtunnel, der unter der Mosel hindurchführt". Meinen Sie das ernst?

Ganske: Alle Punkte haben einen seriösen politischen Hintergrund.

"Obwohl sehr viele schlimme Sachen in der Welt passieren, muss man trotzdem auch mit Spaß an die Sachen rangehen."

Beispielsweise das freiwillige unfreiwillige soziale Jahr in der Pflege oder im Handwerk: Das ist nicht nur für alle korrupten Politiker gedacht, die ihre Hände ohne Arbeit und mit viel Geld gewaschen haben. Das hat ja einen seriösen Hintergrund wegen des Fachkräftemangels.

Wir möchten, dass sich alle Menschen nach dem Schulabschluss für ein Jahr einen sozialen Beruf suchen. So könnten viele diesen Beruf für sich entdecken und das würde schon extrem gegen den Fachkräftemangel wirken.

SWR Aktuell: Warum engagiert sich eine politisch interessierte Frau wie Sie überhaupt in einer Satirepartei?

Ganske: Weil "Die Partei" sehr gut ist und weil Satire und Spaß auf ernsthafte Probleme aufmerksam macht. Ich glaube, das ist etwas, was es in schwierigen Zeiten geben sollte.

Nur dadurch bin ich selbst in die Politik gekommen und habe mich für Politik interessiert. Satire ist wichtig, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

"Wir sind die extreme Mitte."

SWR Aktuell: Wolfram Leibe (SPD) gilt als sehr beliebter Oberbürgermeister. Warum wollen Sie ihn ablösen?

Ganske: Ich muss ihn ablösen! Als 24-Jährige bin ich die Zukunft. Ich glaube, dass es mehr junge Leute in der Politik braucht. Denen ist die Zukunft wichtig, weil sie selbst noch viel davon mitbekommen.

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