Wolfram Leibe, Kandidat der Oberbürgermeister-Wahl in Trier (Foto: SPD Trier / Montage: SWR)

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SPD-Amtsinhaber: "Ich will meine Arbeit gerne fortsetzen"

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Martin Schmitt
Foto von Martin Schmitt, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Amtsinhaber Wolfram Leibe tritt für die SPD erneut zur OB-Wahl in Trier am 25. September 2022 an. Im SWR-Interview spricht er über seine Ziele und verrät auch Persönliches.

SWR Aktuell: Herr Leibe, was sind für Sie die drei größten Aufgaben in der Stadt Trier in den kommenden Jahren?

Wolfram Leibe: Wohnen und Arbeiten in der Stadt Trier sind wichtige Themen. Natürlich auch die Themen Mobilität und Klimaschutz. Der dritte Themenkomplex ist etwas, was mir zurzeit Sorge bereitet: Viele Familien stehen besonders unter Druck wegen der vielen Krisen, die wir aktuell haben.

Ein viertes Thema ist mir wichtig: Wir brauchen eine finanzielle Grundlage für die Stadt. Das ist die Basis für alles, was wir tun können oder nicht tun können in Trier.


SWR Aktuell: Wie wollen Sie diese Probleme lösen?

Leibe: Wir müssen mehr Geld einnehmen über die Gewerbesteuer. Wir brauchen mehr Gewerbegebiete. Ich habe es geschafft, in kurzer Zeit das Gewerbegebiet in Trier-Euren auf den Weg zu bringen. Außerdem habe ich als Vorsitzender des Finanzausschusses des Städtetages mit dem Land verhandelt. Ab 2023 werden wir vom Land deutlich mehr Geld bekommen.

Klima- und Umweltschutz: Mir ist wichtig, dass die Weststrecke (Ausbau der Schienenstrecke im Trierer Westen für Personenzüge, Anm. d. Red.) endlich kommt. Ich habe vor Kurzem einen Förderantrag für 30 Elektrobusse abgegeben. Wir haben es geschafft, dass alle Kunden der Stadtwerke Trier im Stadtgebiet regenerativen Strom haben. Das muss noch weiter ausgebaut werden.

Wir müssen die Familien unterstützen durch Beratungsangebote. Wir brauchen qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Außerdem müssen die Schulen ausgebaut werden.

"Das ist ein großes Problem: Wo finden wir qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher?"

Beim Thema Wohnen brauche ich politische Entscheidungen im Stadtrat, das entscheidet der Oberbürgermeister nicht allein.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Neue Baugebiete schaffen oder Innenraumverdichtung. Der Stadtrat muss sich entscheiden, damit wir beide Möglichkeiten stärker nutzen können.

SWR Aktuell: Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Fehlentscheidungen der Stadt in den letzten Jahren gewesen?

Leibe: Dass sich die Stadtpolitik nicht offensiv für eine aktive Wohnbauentwicklung entschieden hat. Wir sind eine attraktive Stadt mit mehr als 110.000 Einwohnern. Menschen wollen in Trier wohnen. Wohnrauentwicklung ist daher essenziell.

Die Rahmenbedingungen waren noch nie so gut, beispielsweise durch attraktive Darlehensmodelle der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz ISB. Da geht noch mehr. Wir müssen die Chancen stärker nutzen.

SWR Aktuell: War das also eine Fehlentscheidung der gesamten Stadtpolitik?

Leibe: So würde ich es nicht ausdrücken. Der Stadtrat hat mit Mehrheit entschieden, dass das Baugebiet Brubacher Hof nicht kommt. Jetzt ist es unsere Aufgabe, Alternativen abzustimmen. In den vergangenen Jahren waren diese Alternativen nur schwer abzustimmen. Wenn man etwas abmoderiert, brauche ich Alternativen.

Gerade junge Familien suchen kleine Einfamilienhäuser oder auch Reihenhäuser. Wir werden Vorschläge aus der Verwaltung machen und dann ist die Frage, ob die Stadtpolitik da mitgeht.

"Der Oberbürgermeister kann anregen, er braucht aber Mehrheiten im Stadtrat."

SWR Aktuell: Wie stehen Sie zu Tempo 30 in der Innenstadt?

Leibe: Da gab es einen Konsens im Stadtrat: Wir fordern von der Bundesregierung, Tempo 30 einführen zu können. Das hat zwei Vorteile: Wir haben eine größere Sicherheit und wir können diese Stückelung mit 30er-Zonen aufheben.

Die Innenstadt ist Tempo 30 und die großen Durchfahrtsstraßen sind weiterhin Tempo 50. Das erleichtert uns die Arbeit und ist für die Bürgerinnen und Bürger berechenbarer.


SWR Aktuell: Wie stehen Sie zum Moselaufstieg zwischen Trier-Zewen und Igel? Muss dieser kommen?

Leibe: Ich habe schon in meinem ersten Wahlkampf gesagt: Ich sehe den Mehrwert des Moselaufstiegs nicht. Das Thema ist erledigt. Es wurde politisch entschieden.

SWR Aktuell: Inwieweit war es Ihrer Ansicht nach ein Fehler, das Krankenhaus in Trier-Ehrang zu schließen?

Leibe: Das Klinikum Mutterhaus hat entschieden, dass das Krankenhaus Ehrang wirtschaftlich für sie nicht mehr tragbar ist. Ich habe viele Gespräche mit möglichen Investoren geführt. Ergebnis: Kein Krankenhausträger ist bereit, in Ehrang zu investieren.

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SWR Aktuell: Hätte das Jugend- und Kulturzentrum Exhaus Ihrer Ansicht nach saniert werden müssen?

Leibe: Das Exhaus kann saniert werden. Es musste aus baupolizeilichen Gründen geschlossen werden, weil es schlichtweg zu gefährlich ist. Der Stadtrat hat entschieden, eine Übergangslösung im Schießgraben aufzubauen, damit die Kinder und Jugendlichen bald wieder ein großes Jugendzentrum haben.

Wir brauchen ein Nutzungskonzept für das Exhaus: Können wir die Idee von Jugendsozialarbeit aus den 1970er-Jahren einfach in die heutige Zeit übertragen? Was wollen die Jugendlichen heute? Was sind die Anforderungen an Jugendsozialarbeit? Dann kann man entscheiden, wie das Bauprogramm aussieht.


SWR Aktuell: Sie gelten als ehrgeizig und pflichtbewusst. Mitarbeiter schildern Sie als "Arbeitstier", der seinen Leuten einiges abverlangt. Kann man eine Stadtverwaltung wie eine mittelständische Firma führen?

Leibe: Ich habe 2.200 Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, außerdem 800 bei den Stadtwerken und 800 bei der Sparkasse Trier (Wolfram Leibe ist dort jeweils Verwaltungsratsvorsitzender, Anm. d. Red.). Wie soll ich das wie ein kleines Unternehmen führen? Das geht nur über Führungskräfte.

Ja, ich habe Zielvorstellungen und die Bürgerinnen und Bürger bezahlen uns. Damit habe ich eine Leistungserwartung an meine Verwaltung. Und was Ehrgeiz und Arbeit angeht: Ich werde dafür bezahlt.

"Kein Ehrgeiz zu haben und entspannt von Buffet zu Buffet ziehen, das würde mich nicht befriedigen."

SWR Aktuell: Wenn Sie erneut gewählt werden und die vollen acht Jahre Oberbürgermeister in Trier bleiben, sind Sie 70 Jahre alt. Andere sind dann längst in Rente. Warum wollen Sie nochmal acht Jahre dranhängen?

Leibe: Zunächst einmal: Diese Frage sehe ich als Altersdiskriminierung.

Ich habe lange darüber nachgedacht. Wir haben zweieinhalb bis drei Jahre durch große Krisen verloren. Es fing mit der Corona-Pandemie an, dann hatten wir die Amokfahrt, dann die Flut-Katastrophe und im Moment beschäftige ich mich mit den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine.

Ich möchte einfach die Dinge, die auf einem guten Weg waren, fortführen. Und die Herausforderungen in den kommenden Jahren werden nicht einfacher.

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