Ein Polizist zeigt einen positiven Drogen-Test auf THC (Cannabis) eines Autofahrers. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Julian Stratenschulte)

Pilotprojekt bei der Polizei Gerolstein

Mehr Polizeikontrollen - mehr Drogen-Verstöße am Steuer

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon (Foto: SWR)

Die Polizei Gerolstein hat in einem Pilotprojekt ihre Einsatzzeiten ausgeweitet. So kann sie öfter kontrollieren – mehr Kontrollen bringen auch mehr Straftaten, vor allem am Steuer, zum Vorschein.

Gefühlt hört und liest man es in den Nachrichten aus der Region Trier immer öfter: Autofahrerinnen und -fahrer, die schon tagsüber nicht nur mit hohen Promillewerten aus dem Verkehr gezogen werden - sondern auch mit Drogen im Blut. Aber gibt es diese Fälle häufiger oder wird einfach besser kontrolliert?

Diese Frage lässt sich annäherungweise beantworten, wenn man das Gebiet der Polizeiwache Gerolstein beispielhaft betrachtet: "Wir verstehen uns als Bürgerpolizei. Das heißt, wir wollen präsent und ansprechbar sein. Dafür sind wir auch anlasslos in der Stadt unterwegs", sagt Hauptkommissar Tino Schwarz, Leiter der Polizeiwache Gerolstein.

Deshalb läuft bei der Polizeiwache noch bis November ein einjähriges Pilotprojekt. Einsatzzeiten und das Personal wurden ausgeweitet. So sind auch mehr anlasslose Verkehrskontrollen möglich - wenn die Beamten nicht gerade ausrücken müssen, weil etwas passiert ist.

Mehr Kontrollen, mehr Verstöße, mehr Arbeit

Dass es mehr Verstöße im Straßenverkehr gibt, kann die Polizei Gerolstein also nicht unbedingt sagen - aber sie hat mehr Gelegenheit, diese festzustellen: "Freitagnachmittags kommt es öfter vor, dass man alkoholisierte Fahrer aus dem Verkehr zieht. Nach dem Wochenende kann es passieren, dass man auch junge Fahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln feststellt", sagt Oberkommissarin Hilke Mußweiler.

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Für die Beamten ist das eine Mehrbelastung durch den "Papierkram". Schließlich müssen Beweise gesammelt werden, die auch später vor Gericht standhalten, sagt Schwarz: "Deshalb müssen alle rechtsstaatlichen Vorgaben eingehalten werden. Das dauert."

Wie eine Kontrolle abläuft

Aber wie stellt man fest, dass jemand Drogen konsumiert und sich dann hinters Steuer gesetzt hat? Bei Alkohol ist das je nach Geruch des Atems relativ klar. Und jeder hat schon einmal - zumindest in Filmen - gesehen, wie ins Röhrchen gepustet wird, um den Atemalkohol festzustellen. Bei Verdacht auf Rauschmittel ist da noch mehr nötig.

"Grundsätzlich, wenn wir einen Verkehrsteilnehmer anhalten, ist es erst mal so, dass wir total offen, freundlich und kommunikativ an den Bürger herantreten. Und absolut nicht jeden unter einen Generalverdacht stellen. Wir schauen uns erst mal an: Mit wem haben wir es hier zu tun?"

Jeder Beamte gehe anders an die Kontrolle heran im Rahmen der vorgeschriebenen Vorgehensweise, erzählt Schwarz: "Dem einen fällt eher ein getuntes, nicht verkehrssicheres Fahrzeug auf. Der andere hat eher den Blick dafür, dass eine Person nicht mehr verkehrstauglich sein könnte."

Außerdem gibt es körperliche Reaktionen, die auf einen Konsum hindeuten könnten - wenn sie nicht andere Ursachen haben. Das sei bei Drogen zum Beispiel die Reaktion der Pupille auf Licht. Oder bestimmte Anzeichen in der Gesichtsmuskulatur.

"Wenn der Konsum schon eine Weile zurückliegt, können das nur sehr feine Anzeichen sein, für die man ein Auge braucht, geschult sein muss. Das entwickelt man auch im Laufe der Jahre weiter."

Niemand muss bei der Kontrolle Angaben machen, wenn er oder sie sich dabei selbst belastet. Wenn die Kontrollierten sich aber kooperativ zeigen und einem Drogentest zustimmen, gibt es zwei Möglichkeiten, so Schwarz: Bei einem Test wird Schweiß von der Haut abgerieben, um darin Substanzen nachzuweisen.

Deutlich zuverlässiger sei aber ein Urintest: "Ein derartiger positiver oder negativer Drogen-Vortest ist aus meiner Sicht schon sehr zuverlässig, wenn alles richtig gemacht wurde."

Drogenkonsum in allen Bevölkerungsschichten

Aber wer sind die Menschen, die sich noch hinters Steuer setzen, nachdem sie Alkohol und Drogen zu sich genommen haben? "Auf jeden Fall sind das keine Stereotype, die wir aus dem Verkehr ziehen", lacht Schwarz: "Man hat nicht nur den jungen Mann, Anfang bis Mitte 20 mit Tattoos, Basecap und einem alten Auto, bei dem man einen Drogenkonsum vermutet. Das ist absolut falsch. Betäubungsmittel- und Medikamentenkonsum kommt bei allen Menschen vor."

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In allen Mittelzentren in der Region und auch im ganzen Land sei Drogenkonsum im Straßenverkehr ein Problem der Polizei, sagt Schwarz: "Das ist kein exklusives Phänomen in Gerolstein."

Mögliche Gründe für Drogenkonsum

Für jede Region könne das aber noch durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden: „Das ist hier zum Beispiel in Gerolstein grundsätzlich die Grenznähe zu NRW und ins Ausland. Das könnte eine Rolle spielen. Eine Rolle kann auch spielen, dass wir im weiteren Umfeld einige Entzugskliniken haben."

Deshalb kämen Menschen in die Gegend, die versuchen, von den Drogen wegzukommen. Das gelinge nicht immer. Auch solche Menschen gerieten dann mal in eine Kontrolle in Gerolstein. Das sei aber nur eine gewisse Anzahl.

"Der durchaus größte Teil der Menschen, die wir feststellen, die unter Alkohol und Betäubungsmitteln Fahrzeuge führen, sind Menschen, die tatsächlich in der Region wohnen."

Kontrollen sollen Verkehr sicherer machen

Wichtig ist Tino Schwarz, dass es der Polizei Gerolstein bei ihren vermehrten anlasslosen Kontrollen nicht um Schikane gehe: "Unsere Verkehrsüberwachung zielt natürlich darauf ab, Verkehrsunfälle zu verhindern. Es gibt Auswertungen, die jeder nachlesen kann: Geschwindigkeit, Ablenkung – Stichwort: Handy am Steuer – aber auch Einfluss von Alkohol und Betäubungsmitteln führen regelmäßig zu schwersten Verkehrsunfällen."

Deshalb sei die Verkehrskontrolle Aufgabe der Polizei, um Autofahrerinnen und -fahrer, die für sich und andere gefährlich werden können, aus dem Verkehr zu ziehen.

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