Kai Schmieder betreibt den Headshop "The Jeffrey" in Trier. Er hofft nun auf eine baldige Legalisierung von Cannabis.  (Foto: SWR)

Nach Ankündigung von Gesundheitsminister Lauterbach

Trierer Ladeninhaber hofft auf Cannabis-Legalisierung

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Kai Schmieder verkauft seit Jahren legale Cannabis-Produkte und hatte es damit nicht immer leicht in Trier. Die Legalisierung könnte ihm einen neuen, lukrativen Markt erschließen.

Kai Schmieder hat in den vergangenen Jahren viel verloren. Denn der 38-Jährige hat alles auf eine Karte gesetzt. Oder besser gesagt: eine Pflanze, nämlich auf Cannabis. In seinem Laden "The Jeffrey" in Trier verkauft er seit 2018 legale Produkte aus Hanf wie Blüten, Öle, Sprays und Wachs.

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Der Trierer war damit einer der Vorreiter einer Branche, die es in Deutschland nicht leicht hat. "Viele glauben immer noch, wir tun hier etwas Verbotenes", sagt Schmieder: "Es gibt jede Menge Vorurteile."

Ermittlungen gegen CBD-Händler

Die Staatsanwaltschaft hat 2019 sogar Ermittlungen gegen Schmieder und zwei weitere CBD-Händler aus Trier eingeleitet. Der Verdacht lautete, die Läden würden auch Produkte mit geringen Konzentrationen des berauschenden Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) vertreiben, zum Beispiel in einem Automaten.

Der erste Cannabis-Automat Deutschlands steht seit fast drei Jahren bei der Polizei Trier und wird analysiert. Das Verfahren gegen den Betreiber läuft immer  noch.  (Foto: SWR)
Der erste Cannabis-Automat Deutschlands steht seit fast drei Jahren bei der Polizei Trier und wird analysiert. Das Verfahren gegen den Betreiber läuft immer noch.

"Den Automaten hat die Polizei immer noch", sagt der Trierer, genau wie kiloweise beschlagnahmte Ware. Obwohl er sich nichts habe zuschulden kommen lassen, sei ihm ein riesiger Schaden entstanden. Das Verfahren? Laut Staatsanwaltschaft nach drei Jahren noch immer nicht abgeschlossen.

Und dann kamen noch Corona und die Lockdowns. "Von meinen vier Läden in Heidelberg, Kassel und Bonn ist jetzt nur noch der in Trier übrig", sagt Schmieder: "Ich hab da mein ganzes Geld reingesteckt."

Gesundheitsminister kündigt Legalisierung an

Dennoch blickt der 38-Jährige optimistisch in die Zukunft. Und das hat mit einer Ankündigung des Gesundheitsministers Karl Lauterbach zu tun. Der hatte vergangene Woche erklärt, bis Ende 2022 einen Gesetzesentwurf zur kontrollierten Abgabe von Cannabis vorzulegen.

Nach einer Fachkonferenz mit 200 Experten ist auch der Minister der Meinung, dass das Rauschmittel künftig straffrei verkauft werden sollte: "Die repressive Umgangsweise mit Cannabis ist gescheitert. Die Risiken der derzeitigen Praxis sind größer, als was man erreichen könnte mit einer kontrollierten Abgabe."

Und das ist für Schmieder und weitere Betreiber sogenannter Headshops in Deutschland eine gute Nachricht. Denn eine Legalisierung würde ihnen womöglich Zugang zu einem Milliardengeschäft verschaffen. "Ich sehe das auf jeden Fall als einen positiven Schritt", sagt er und hofft, dass auch der Jeffrey eine Lizenz bekommen wird.

Ähnlich äußern sich der Inhaber der Green Box in Trier und des CBD-Shops Wittlich. Alle wollen sie ins Geschäft mit berauschendem Cannabis einsteigen. Auch wenn noch niemand so genau weiß, wie die genauen gesetzlichen Vorgaben aussehen werden und wie lange es wirklich bis zu einer Legalisierung dauern wird.

"Mein Anliegen mit dem Shop und meinem Auftreten ist es schon länger, Cannabis gesellschaftsfähiger zu machen."

Dealer verkaufen gestrecktes Gras auf der Straße

Derzeit werde Cannabis verteufelt, findet Schmieder. Dabei sei das Rauschmittel fast eine Alltagsdroge geworden. Fast jeder dritte Deutsche hat laut einem Forschungsbericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schon mal an einem Joint gezogen, bei Jugendlichen sind es rund 40 Prozent. 

Viele konsumieren derzeit aber gestreckte Drogen von der Straße. Diesen illegalen Schwarzmarkthandel könnte man durch die Legalisierung aber eindämmen, glaubt Schmieder. Und auch dem Jugendschutz entsprechen: "Wer unter 18 ist, darf in Läden wie meinen nicht rein."

Diesen Vorzug sieht auch Minister Lauterbach. Derzeit sei sehr viel verunreinigtes Cannabis im Umlauf. Bei einer legalen Abgabe könne die Qualität besser kontrolliert werden. 

Polizei und Ärzte warnen vor Legalisierung

Hätte eine Legalisierung also nur Vorteile? Dazu gibt es auch andere Meinungen. Der Deutsche Ärztetag etwa spricht sich für eine weitere Regulierung des Rauschmittels aus. Auch, weil der Konsum zu Süchten und anderen psychischen Problemen führen könne.

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"Es kann nicht sein, dass jemand ein Problem bekommt, nur weil er mal an einem Joint gezogen hat", findet auch Kai Schmieder. Er hofft daher, dass nun, wo die Legalisierung vor der Tür steht, die Verfahren wegen "kleinerer Vergehen" eingestellt werden.

Dann bekäme Schmieder vielleicht auch endlich seinen beschlagnahmten Automaten von der Polizei zurück: "Es geht mir auch um das Herzblut, was ich in diese Sache reingesteckt habe. Ich hoffe, dass die Gerechtigkeit irgendwann siegt."

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