Gaszähler  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Stephan Jansen)

Weniger Gas aus Russland

Wie Unternehmen in der Pfalz Gas sparen wollen

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Weil Russland zurzeit weniger Gas liefert, hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Industrie aufgefordert, weniger zu verbrauchen. Ist das für die Pfälzer Industrie möglich?

Viele Unternehmen in der Vorder- und Südpfalz analysieren zurzeit, wo sie wegen der Probleme auf dem Gasmarkt Erdgas und Strom einsparen können. Allerdings teilten mehrere Unternehmen mit, dass es schwierig sei, vor allem kurzfristig Erdgas zu ersetzen. In einigen Produktionsbereichen gebe es teilweise sogar gar keine Alternative zum Gas.

Ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer Pfalz (IHK) erklärte, dass sich viele laufende Prozesse in der Industrie nicht so leicht und vor allem schnell verändern ließen. Viele der IHK-Mitgliedsunternehmen untersuchten zurzeit erst einmal, wo es noch Einsparpotential gäbe.

Wie ist die Situation bei ...?

Bei KSB würden die Öfen ohne Gas stillstehen

Beim Pumpen- und Armaturenhersteller KSB in Frankenthal zum Beispiel wird in der Gießerei in den Öfen Gas verfeuert. Die Öfen müssten eine Temperatur von 1200 bis 1600 Grad Celcius erreichen, so ein Sprecher. Das sei nur mit Hilfe von Gas möglich und es sei deswegen nicht ersetzbar. Ohne Gas würde die Gießerei zum Stillstand kommen.

In anderen Bereichen prüfe das Unternehmen zurzeit, wo es auf andere Energieformen umsteigen könne. Dazu habe der Konzern eine eigene Task-Force "Gas“ gegründet. Diese untersuche, ob Erdgas beispielsweise durch Photovoltaik oder Flüssiggas ersetzt werden könne. Es werde auch geprüft, ob KSB ein eigenes Windrad zur Energiegewinnung aufstellen könne.

Für den Winter prüfe man zudem, wie man den Gas- und Stromverbrauch in der Verwaltung und in den Produktionshallen drosseln könne, etwa durch eine niedrigere Raumtemperatur. Neben dem Hauptsitz in Frankenthal werde der Energieverbrauch auch in anderen KSB-Werken zurzeit optimiert.

KSB-Gebäude in Frankenthal (Foto: KSB)
KSB

KSB baut seit Mai außerdem eine neue Heizzentrale am Hauptsitz in Frankenthal. Sie soll großenteils mit Hilfe von Biomasse Wärme erzeugen und im kommenden Sommer fertig sein. KSB rechnet damit, dass mit der Anlage 3,7 Millionen Kilowattstunden im Jahr an Energie eingespart werden könne. Dennoch: Das Gasembargo stelle KSB vor Herausforderungen, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.

PfW Aerospace in Speyer: Strom und Gas ist eine "Mammutaufgabe"

Ähnlich sieht es beim Flugzeugteile-Zulieferer PfW Aerospace in Speyer aus. Das Unternehmen stellt Komponenten für Flugzeuge her, wie innere Landeklappen oder Rohrsysteme, beispielsweise für Hydraulikflüssigkeit. Die Produktion sei in Teilen sehr energieintensiv, erklärt der Geschäftsführer von PFW Aerospace, Stefan Zimmermann. Die kurzfristige Einsparung von Strom und Gas sei für das Unternehmen eine "Mammutaufgabe“. Zurzeit werde analysiert, inwieweit bestehende Energieträger ausgetauscht werden könnten und wir lange das Unternehmen den Regelbetrieb mit eigenen Energiereserven wie Öl aufrechterhalten könne.

Kurzfristiger Wechsel funktioniere nur bedingt.

PFW Aerospace Speyer hat seinen Angaben zufolge erst vor einigen Jahren in neue, Energie sparende Großöfen investiert. Allerdings seien die alten Anlagen mit Strom betrieben, die neuen benötigten ausgerechnet Gas, sagt Zimmermann. PfW Aerospace habe nun die alten Anlagen zum Teil wieder hochgefahren, um Gas zu sparen, obwohl der Aufwand sehr hoch gewesen sei. Allerdings könnten die alten Anlagen nicht das komplette Spektrum der neuen Anlagen abdecken, so der Geschäftsführer. Dies sei also nur eine Notlösung.

Bei der Strom-Versorgung der Infrastruktur könne PFW Aerospace kurzfristig von Gas auf Heizöl umsteigen. Diese Versorgung sei aber nur für den Notfall konzipiert worden, betont Zimmermann. Es sei unklar, wie lange das Blockheizkraftwerk so reibungslos betrieben werden könne. Ansonsten habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren schon damit angefangen, Prozesse in der Produktion zu optimieren und festzustellen, wo unnötig Energie verbraucht werde. Es brauche aber Zeit, sparsamere Anlagen zu bauen und die Produktionsprozesse effizienter zu machen.

BASF (Foto: SWR)
BASF nutzt Erdgas zur Strom- und Dampferzeugung und zur Herstellung chemischer Grundstoffe.

BASF in Ludwigshafen: Weiter auf Gas angewiesen

Ähnlich sieht es im Hauptwerk des größten Chemiekonzerns der Welt, BASF, aus. Eine Konzernsprecherin teilte mit, BASF stehe mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in einem laufenden Austausch, wo und wie das Unternehmen kurzfristig Erdgas einsparen könne.

Man arbeite aber vor allem mittelfristig daran, weniger von Erdgas abhängig zu sein, zum Beispiel durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. So habe BASF zum Beispiel im vergangenen Jahr in einen Offshore-Windpark zur Stromerzeugung in der niederländischen Nordsee investiert. Der Windpark wird nach BASF-Angaben mit 140 Windturbinen und einer Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt der größte Offshore-Windpark der Welt sein.

Allerdings hatte BASF-Geschäftsführer Martin Brudermüller bereits im April darauf hingewiesen, dass der Chemiekonzern vor allem im Hauptwerk Ludwigshafen weiter auf Erdgas angewiesen sei. BASF nutzt Erdgas zur Strom- und Dampferzeugung. Außerdem wird Gas nach Unternehmensangaben als Rohstoff für die Herstellung verschiedener Grundstoffe wie Ammoniak und Wasserstoff benötigt.

Pro Group AG Landau: Neue Heizkraftwerke bräuchten Jahre

Auch bei anderen Unternehmen in der Region wird gerade geprüft, wo Erdgas eingespart werden kann. Der Hersteller von Papierprodukten, Wellpappenrohpapier und Wellpappe, die Pro Group AG in Landau, würde gerne ein weiteres Heizkraftwerk bauen, bei dem sogenannte Rejekte verwertet werden, also Fremdstoffe aus dem Altpapier, das als Rohstoff zur Papierherstellung verwendet wird. Das sei aber noch in der Genehmigungsphase. Ein solches Kraftwerk werde bereits am Standort Eisenhüttenstadt betrieben. Der Bau dieser Kraftwerke benötige zudem mehrere Jahre, so das Unternehmen.

Bademaxx in Speyer (Foto: Stadtwerke Speyer GmbH)
Das Bademaxx in Speyer. Stadtwerke Speyer GmbH

Schwimmbäder in der Pfalz: Sparen durch kälteres Wasser

Kurzfristig konnten vor allem die Betreiber von Schwimmbädern reagieren, um schnell Gas zu sparen. Die Stadtwerke Speyer zum Beispiel haben die Wassertemperatur im Bademaxx um zwei Grad reduziert. Auch das Stadionbad in Neustadt hat die Wassertemperatur gesenkt - um ein Grad.

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