Ein Mitarbeiter des DRK schaut sich die Zerstörungen in Mayschoß an. Zahlreiche Häuser in dem Ort wurden von der Flutwelle stark in Mitleidenschaft gezogen oder ganz fortgerissen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Hilfe in den Flutgebieten

Rotes Kreuz bleibt über den Winter im Ahrtal aktiv

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Nach der Flut im Ahrtal ist ein Ende des Hilfseinsatzes vom Roten Kreuz nicht absehbar. Man müsse sich auf künftige Katastrophen besser vorbereiten, sagt die DRK-Präsidentin.

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal vor rund drei Monaten werden Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) noch lange im Einsatz sein. "Das wird über den bevorstehenden Winter hinaus noch andauern", sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt. "Wir haben uns kein Zeitfenster gesetzt, weil wir sagen: Solange die Menschen die Hilfe brauchen, sind wir da. Wir gehen davon aus, dass der Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Infrastruktur Jahre in Anspruch nehmen wird."

DRK unterstützt bei Bautrocknern, Trinkwasser oder Kläranlagen

So habe das Rote Kreuz an vielen Stellen Ersatzstromerzeuger aufgestellt. "Immer noch sind 20.000 Menschen ohne Telefon und Internet", sagte sie. Zudem wurden rund 1.000 Bautrockner zur Verfügung gestellt. Außerdem sollten für den Winter verstärkt Heizlüfter ausgegeben werden. Von 70 Trinkwasserausgabestellen sind noch 18 aktiv. Und es gebe noch etliche betriebene Waschsalons.

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Vielerorts fließe immer noch Abwasser ungereinigt in die Ahr. Das Rote Kreuz sei daher auch beim Aufbau von Kläranlagen dabei. Die erste Anlage für 600 Personen, eigentlich für Auslandskatastrophen vorgesehen, sei in Mayschoß in Betrieb gegangen. Der Betrieb dieser Anlage ist mindestens für zwei Jahre geplant. Eine zweite Kläranlage sei in Altenahr, eine dritte in Hönningen geplant.

Tausende DRK-Helfer nach der Flut im Einsatz

In den ersten Wochen nach der Katastrophe Mitte Juli waren laut Hasselfeldt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis zu 3.500 ehren- und hauptamtliche Helfer des DRK im Einsatz. Heute sind es noch knapp 50 Helfer aus dem Bundesgebiet plus zahlreiche Kräfte des Kreis- und Landesverbandes, die im Ahrtal unterstützen.

Bislang wurden 2,7 Millionen Liter Trinkwasser vom DRK verteilt. Die Nachfrage sei zurückgegangen, da das Abkochgebot von Leitungswasser aufgehoben wurde, wie Hasselfeldt sagte. Das inzwischen aufgelöste Verpflegungszentrum in Grafschaft (Kreis Ahrweiler) habe bis zur Schließung Mitte September insgesamt 933.000 Mahlzeiten produziert. Mittlerweile würden Ausgabestellen von lokalen Caterern beliefert.

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Deutschland sollte sich besser gegen Katastrophen rüsten

Hasselfeldt sagte, der Hilfseinsatz an der Ahr sei einer der größten des DRK nach einer Unwetterkatastrophe in Deutschland gewesen. Es sei wichtig, dass man sich bundesweit für künftige Katastrophenfälle - auch in Form von Pandemien oder Cyberangriffen - besser vorbereite.

Bisher habe das DRK vier mobile Arztpraxen. "Wir bräuchten davon mindestens 20", sagte Hasselfeldt. Die vorhandenen mobilen Arztpraxen hätten sich nach der Flut im Katastrophengebiet bewährt.

Logistikzentren für Katastrophenfälle geplant

Um die Menschen künftig bei Katastrophen schneller versorgen zu können, müssten deutschlandweit zehn Logistikzentren im Rahmen der Zivilschutzreserve eingerichtet werden, forderte die Präsidentin. Dort sollten etwa Feldbetten, Etagenbetten, Decken, Hygieneartikel, Wasseraufbereitungsanlagen und Stromaggregate vorgehalten werden. Zwei solcher Zentren seien von der Politik bereits beschlossen und geplant: das erste in Brandenburg für 23,5 Millionen Euro, das zweite in Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben von Hasselfeldt gibt es von der Bundesregierung "positive Signale" für weitere Zentren. "Ich hoffe, dass das jetzt zügig umgesetzt wird." Ein Zentrum könne rund 5.000 Menschen versorgen - insgesamt sei es eine Reserve für 50.000 Menschen.

Wichtig sei auch, dass künftig alle freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer im Katastrophenschutz von den gleichen Freistellungsregelungen gegenüber ihren Arbeitgebern und Lohnfortzahlung profitieren. Und zwar egal, ob sie vom Technischen Hilfswerk, der Freiwilligen Feuerwehr oder den Johannitern kämen, sagte Hasselfeldt. "Wir plädieren da für eine flächendeckende Regelung der Länder oder für eine bundeseinheitliche Regelung."

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Schließlich setzt sich Hasselfeldt dafür ein, dass etwa zwei Prozent der Bevölkerung in den nächsten Jahren als Pflege-Unterstützungskräfte qualifiziert werden. "Wir haben in der Pandemie gemerkt, dass solche Kräfte wichtig sind." Sie könnten in Notfällen Hilfe für Nachbarn oder Pflegedienste sein. Zurzeit werde an einer Art Curriculum gearbeitet, um Interessierte zu qualifizieren.

Im Ahrtal waren bei Hochwasser nach Starkregen am 14. und 15. Juli 134 Menschen getötet und Tausende Häuser zerstört oder beschädigt worden.

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SWR