Hangrutsch mit Steinen auf den Gleisen (Foto: SWR)

Sprecher der Schweizer Bundesbahn im Interview

Wie kann man Bahnstrecken gegen einen Hangrutsch schützen?

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Immer wieder kommt es im Mittelrhein- und Moseltal zu Felsstürzen und Bergrutschen, wovon auch oft die Bahn betroffen ist. Können wir in Sachen Vorbeugung von den Schweizern lernen?

Zuletzt kam es kurz vor Weihnachten in Oberwesel zu einem Felssturz, woraufhin die linksrheinische Bahnstrecke gesperrt werden musste. Reto Schärli, der Sprecher der Schweizer Bundesbahn (SBB) erklärt im Interview, wie unsere Nachbarn Strecken, Züge und Fahrgäste schützen.

SWR Aktuell: Herr Schärli, wie wichtig ist die Sicherung von Bahnstrecken gegen Erdrutsche und Felsabgänge?

Reto Schärli: Man weiß, dass Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels immer extremer werden. Dadurch verschärft sich auch das Risiko in den Hanglagen. Es ist nicht überraschend, dass man sich auch immer stärker dagegen wappnen und mehr Aufwand betreiben muss, um weiterhin den Bahnverkehr sicher betreiben zu können.

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SWR Aktuell: Wie viel geben Sie in der Schweiz denn für Sicherungsmaßnahmen aus?

Schärli: Insgesamt investiert die SBB pro Jahr rund 25 Millionen Franken (etwa 25,3 Mio Euro, Anmerk. d. Red.), um all den Naturgefahren, die im Mittelland und vor allem in den Alpen bestehen, vorzubeugen. Wir haben auch Geologinnen und Geologen in unseren Reihen, die regelmäßig - auch teilweise mit der Unterstützung von externen Leuten - die Lage begutachten. Ganz überraschend kommt so ein Ereignis eigentlich selten, abgesehen von Wetterextremen, die nur selten vorkommen.

SWR Aktuell: Was braucht es denn, um gut vorbereitet zu sein?

Schärli: Überwachung und jede Menge Schutzbauwerke. Wir haben zum Beispiel 3.000 verschiedene Schutzbauwerke an der wichtigen Nord-Süd-Achse, dem Gotthard. Die Strecke führt durch alpines Gelände mit steilen Felswänden. Die sind nicht nur aus stabilem Fels, sondern da gibt es auch brüchiges Gestein. Das muss teilweise gesichert werden. Wir nutzen Fangnetze für Steine, Mauern und teilweise ist der Fels auch mit verschiedenen Ankern noch zusätzlich gesichert, damit der Bahnbetrieb möglichst sicher betrieben werden kann.

SWR Aktuell: Auch die Schutzbauwerke müssen ja stabil sein. Wie werden die geprüft?

Schärli: Die 3.000 Schutzbauwerke am Gotthard und bei den Zufahrtsstrecken im Gebiet müssen jährlich mindestens einmal geprüft werden. Da braucht es zuerst immer den Menschen, der aber immer öfter auch auf die sich weiter entwickelnde Technik zurückgreift. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten sind immer häufiger auch mit Drohnen unterwegs und können so natürlich auch effizienter und schneller Bauwerke begutachten, die sich weit oberhalb der Bahnlinien im steilen Felsen befinden. Das spart auch Zeit.

In der Schweiz gehört die Sicherung von Felswänden an Bahngleisen zum täglichen Geschäft (Foto: Pressestelle, SBB Ag)
Die SBB betreibt rund 3.000 Schutzbauwerke am Gotthard - diese müssen jährlich mindestens einmal geprüft werden. Pressestelle SBB Ag

SWR Aktuell: Wie kann die Technik dabei helfen, mögliche Felsstürze oder Erdrutsche zu erkennen?

Schärli: Wir haben viele Schutzbauwerke mit moderner Technik ausgerüstet. Wenn da ein größerer Stein reinfällt, ein Baum umstürzt oder ein Erdrutsch von einem Fangnetz aufgehalten wird, dann löst das eine Erschütterung aus und einen Alarm in einer Zentrale. Dann muss der Schaden vor Ort begutachtet werden.

"Die Natur ist stärker als der Mensch, deswegen rüsten wir mit Technik weiter auf."

Je nach Stufe des Alarms kann auch der Bahnverkehr automatisch gestoppt werden. Bevor die Lage nicht sicher ist, rollt der Bahnverkehr nicht weiter. Die Natur ist stärker als der Mensch und deswegen rüsten wir die Schutznetze möglichst überall, wo es nötig ist, mit Technik weiter auf.

SWR Aktuell: Gibt es auch Möglichkeiten, an den Gleisen oder Zügen noch Sicherungssysteme anzubringen, die die Reisenden schützen, falls sich wirklich ein größerer Felsbrocken löst?

Schärli: Nein, um die Züge gegen Felsstürze und Erdrutsche sichern zu können, braucht es wirklich die Bauwerke in der Natur. Und eben entsprechende Alarmsysteme, wenn ein Schutzbauwerk nicht standhält, damit die Züge früh genug gestoppt werden können. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Natur. Schutzwälder sind sehr wichtig.

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SWR-Aktuell: Schutzwälder - was kann man sich darunter vorstellen?

Schärli: Es handelt sich um Wälder, die sich oberhalb der Bahnlinien im steilen Berggebiet befinden. Die Bäume, die dort seit Jahrhunderten wachsen, stabilisieren die Hänge auf natürliche Weise. Die SBB unterhält sehr viele solche Schutzwälder, die in Zusammenarbeit mit lokalen Forstunternehmen Wälder gepflegt werden. Insgesamt sprechen wir hier von über 7.000 Hektar Schutzwald. Rund 900 davon sind im Besitz der SBB.

SWR Aktuell: Gibt es da bestimmte Baumarten, die besonders gut geeignet sind, um die Hänge zu schützen?

Schärli: Das kommt ganz auf das Gebiet an. Aber auch da muss natürlich die Forstwirtschaft sich anpassen. Mit zunehmender Trockenheit im Sommer und mit den Wetterextremen muss man langfristig denken. Es zeichnet sich auch ab, dass man künftig teilweise andere Baumarten je nach Gebiet einsetzen muss.

Das Interview führte SWR-Reporter Andreas Krisam.

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