Der Prozess zu den mutmaßlichen Polizistenmorden bei Kusel wird deutlich länger dauern, als ursprünglich geplant. Das Landgericht Kaiserslautern vereinbarte am zehnten Prozesstag weitere Termine bis Ende November.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Zeugenaussage als "Sauerei" bezeichnet

Mutmaßliche Polizistenmorde: Kein Urteil vor November erwartet

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Janina Schreiber
Bild von Janina Schreiber, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: Annkatrin Gentges)
Christoph Heck
Bild von Christoph Heck, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Am zehnten Prozesstag zu den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei Kusel hat das Landgericht Kaiserslautern weitere Termine für die Verhandlung festgelegt. Es wird noch dauern, bis es zu einem Urteil kommt.

Am Nachmittag des zehnten Prozesstages befragte der Richter insgesamt neun Polizeibeamte der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Eiche (GEG Eiche). Die GEG hatte sich nach der Tat gegründet und besteht aus Ermittlerinnen und Ermittlern aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Bei der Durchsuchung des Anwesens von Andreas S. in Spießen-Elversberg Ende Januar waren neben dem verpackten Wildfleisch auch Waffen und Belege für den Handel mit Wildfleisch gefunden worden. Die Ermittlungsgruppe habe deshalb den Auftrag, bei Jägern im Umfeld von S. zur Jagdwilderei im Saarland und in Rheinland-Pfalz zu ermitteln.

Wurden alle Informationen an die Verteidiger weitergegeben?

Die Verteidiger von Andreas S. hatten während der Verhandlung mehrfach die vollständige Akteneinsicht in die Ermittlungen der GEG Eiche gefordert. Ihrer Meinung nach seien die Informationen aus den Vernehmungen der Jäger relevant für den laufenden Prozess. Als der Leiter der GEG dann im Zeugenstand sitzt, wollen die Anwälte wissen, ob wirklich alle Informationen ordnungsgemäß weitergegeben wurden.

Gericht will sich um die geforderten Akten kümmern

Der Zeuge kann das nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen, in der Regel sei das aber sichergestellt. Dafür sei ein sogenannter Verbindungsbeamter verantwortlich. Der Anwalt des Hauptangeklagten ist verärgert: "Es kann doch nicht sein, dass die Polizeibeamten eine Vorauswahl treffen, was genau wichtig ist." Am Ende des Prozesstages kündigt der Richter an, dass sich die Kammer darum kümmern werde, dass alle geforderten Akten den Verteidigern zugestellt werden.

Kein Urteil vor November im Mordprozess

Am Rande der Verhandlung wurde am Donnerstag auch bekannt, dass der Prozess bis mindestens Ende November fortgesetzt wird. Das Gericht hat die entsprechenden Termine am zehnten Prozesstag vereinbart. Ursprünglich sollte das Urteil bereits im September gesprochen werden, nun wird es voraussichtlich deutlich länger dauern, weil die Beweisaufnahme mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant. Das hatten einige Prozessbeteiligte bereits am ersten Verhandlungstag befürchtet. In den kommenden zwei Wochen gibt es erstmals eine längere Pause, bevor der Prozess am 11. August fortgesetzt wird.

Richter lehnt erneute Begehung am Tatort ab

Am Vormittag hatte das Gericht eine erneute Begehung des Tatorts auf der K22 zwischen Ulmet und Mayweilerhof im Kreis Kusel abgelehnt. Es habe bereits diverse Untersuchungen dort gegeben, so der Richter. Der Hauptangeklagte Andreas S. habe zudem die einzelnen Spuren in Augenschein nehmen können. Außerdem sei der Tatort über eine Virtual-Reality-Brille im Gerichtssaal als Video begehbar gemacht worden.

Richter rüffelt Angeklagten: "Herr S., hör'n se doch zu!"

Als der Richter seine Begründung vorliest, warum er eine erneute Tatort-Begehung ablehnt, schaut er dabei kurz zur Bank des Angeklagten und stoppt im Text. Andreas S. flüstert mit seinem Verteidiger. Der Richter ermahnt ihn, wie schon so oft im Prozess, mit saarländischem Dialekt: "Ei, Herr S., hör'n se doch zu, des is doch für Sie!" S. antwortet mit "Bitte!" und der Richter fährt fort: S. habe im Gerichtssaal "sehr bildlich" dargestellt, wo er wann während der Tat gestanden haben will.

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Andreas S. interessierte sich für die Strafen bei Wilderei

Anschließend werden die ersten Zeugen an diesem zehnten Prozesstag vernommen. Darunter ein IT-Spezialist der Polizei. Dieser hat das Smartphone des Hauptangeklagten ausgewertet. Darauf habe er unter anderem einen Screenshot von einem Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel gefunden. Der Bericht soll darüber aufgeklärt haben, was Wilderei genau ist. Ein zweiter Screenshot auf dem Smartphone habe die Frage behandelt, welche Freiheitsstrafen einem Wilderer drohen.

Verteidiger von Andreas S. bezeichnen Aussagen als "Sauerei"

Außerdem habe er Bilder und Videos gefunden, auf denen tote Tiere gezeigt werden. Insgesamt habe ein Großteil der Auswertung mit der Jagd, dem Ausnehmen der Tiere und dem Handel damit zu tun. Die Anwälte von Andreas S. kritisieren den Zeugen, das Gutachten sei durchzogen von subjektiven Behauptungen. Er würde den Hauptangeklagten als "Tierquäler" darstellen. Das sei, so der Anwalt von S. wörtlich, eine "Sauerei".

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Pathologe zu seinem Befund zur getöteten Polizistin

Auch der Pathologe, der die Leiche der Polizistin untersucht hat, tritt an diesem Tag in den Zeugenstand. Wegen des Zustands der Leiche sei es nicht einfach gewesen, die einzelnen Einschüsse auseinander zu halten. Er geht in seinem Gutachten von zwei Schrotschüssen auf das Opfer aus: Die Polizeianwärterin soll beim ersten Schuss gestanden haben. In der linken Hand habe sie wohl mit angewinkeltem Arm eine Taschenlampe in Schulterhöhe gehalten. Das erkläre die Einschüsse am linken Handgelenk, der Schulter und dem linken Halsbereich.

Opfer vor zweitem Schuss noch am Leben

Danach soll die junge Frau auf dem Bauch gelegen haben, bewusstlos, aber noch am Leben. Vor dem zweiten Schuss sei sie dann umgedreht worden. Ein zweiter Schrotschuss soll das Opfer dann am Boden liegend aus kurzer Distanz bis maximal einem Meter im Bereich des Mundes getroffen haben. Die Schrotkugeln seien etwa in der Größe eines Tischtennisballs eingeschlagen. Um die genauen Befunde zu erklären, steht der Pathologe am Richtertisch. Er zeigt auf seinen Laptop, der die Bilder der Leiche zeigt. Dabei ist er umringt von der Staatsanwaltschaft, dem Hauptangeklagten mit seinem Anwalt und der Nebenanklage.

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Kannte Andreas S. den Vater des getöteten Polizisten?

Beim bislang letzten Verhandlungstag am Dienstag hatte der Hauptangeklagte behauptet, den Vater des getöteten Polizisten möglicherweise gekannt zu haben. Er will in der Vergangenheit mit dem Mann, der ebenfalls Jäger ist, über seine Art, das Wild zu erlegen, gestritten haben. Dadurch will Andreas S. offenbar eine Verbindung zur Tatnacht herstellen, was Oberstaatsanwalt Stefan Orthen mit "netter Versuch" kommentierte.

Kriminaltechniker beschreibt die tödlichen Schüsse bei Kusel

Vor Gericht erschien außerdem ein Kriminaltechniker der Polizei Kaiserslautern. Er hatte sich mit den tödlichen Schüssen auseinandergesetzt. Der Mann berichtete, dass er nach derzeitigem Stand der Ermittlungen davon ausgeht, dass die letzten beiden Kugeln auf den Polizisten abgegeben wurden, als er bereits am Boden lag.

Andreas S.: Anklage wegen zweifachen Mordes

Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat den 39-jährigen Hauptangeklagten unter anderem wegen zweifachen Mordes angeklagt. Er soll Ende Januar zwei Polizisten bei einer Verkehrskontrolle im Kreis Kusel erschossen haben, um seine Jagdwilderei zu vertuschen. Dem Mitangeklagten Florian V. werfen die Ermittler Wilderei vor. Außerdem soll er geholfen haben, die Spuren der Tat zu verwischen. Allerdings ist sich die Anklage sicher, dass V. selbst nicht geschossen hat. Der Hauptangeklagte behauptet hingegen, dass V. die Polizistin erschossen und er selbst sich gegen den Polizisten nur verteidigt habe.

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