Andreas S. behauptete während der Verhandlung am Dienstag, dass er den Vater des getöteten Polizisten möglicherweise gekannt habe.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Neunter Prozesstag am Landgericht Kaiserslautern

Mutmaßliche Polizistenmorde: Hatte Andreas S. Streit mit dem Vater des getöteten Polizisten?

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Christoph Heck
Bild von Christoph Heck, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Am neunten Prozesstag zu den mutmaßlichen Polizistenmorden erzählen mehrere Zeugen, dass der Vater des getöteten Polizisten ebenfalls Jäger ist. Andreas S. erzählt daraufhin von einem Streit, wegen seiner Art, das Wild zu schießen.

Kannte Andreas S. den Vater des getöteten Polizisten? Hatten die beiden in der Vergangenheit Streit wegen der Jagd? Zumindest der Hauptangeklagte selbst behauptet das. Oder doch nicht? Bei dem Streit sei es um die Art und Weise gegangen, wie S. das Wild zur Strecke bringt. Ob das der Vater des 29-Jährigen Polizeioberkommissars war, mit dem er gestritten habe, könne er aber nur vermuten.

Staatsanwaltschaft zu Ausführungen: "Netter Versuch"

Andreas S. hatte im Verlauf der Verhandlung bereits behauptet, dass der Polizist ihn bei der Verkehrskontrolle am 31. Januar erkannt haben soll. Der Hauptangeklagte will offenbar über den Vater des Opfers eine Verbindung zur Tatnacht herstellen. Oberstaatsanwalt Stefan Orthen kommentiert die Ausführungen von S. kurz und knapp mit "netter Versuch".

Am Vormittag sagte außerdem ein Kriminaltechniker der Polizei Kaiserslautern aus, der den Ablauf der Tat rekonstruiert hat. Es geht um die tödlichen Schüsse auf den Polizisten. Auf ihn war zunächst ein Schuss aus einer Schrotflinte abgegeben worden. Anschließend trafen ihn laut Anklage insgesamt drei Kugeln aus einem Gewehr: Ein Schuss in den Bauch, ein Schuss ging durch Oberarm und Brust und eine letzte Kugel durch den Kopf.

Polizist soll bei tödlichen Schüssen am Boden gelegen haben

Der Kriminaltechniker geht nach derzeitigem Stand der Ermittlungen davon aus, dass der Polizist bereits am Boden lag, als ihn der zweite Schuss aus dem Gewehr traf. Danach sei nach Einschätzung des Zeugen noch der finale Kopfschuss erfolgt. Bislang war es im Prozessverlauf immer wieder darum gegangen, ob der Polizist bei den tödlichen Schüssen noch aufrecht stand, auf den Knien war oder bereits am Boden war.

Insgesamt zehn Zeugen am neunten Prozesstag geladen

Unter den Zeugen war auch der ehemalige Klassenlehrer von Andreas S., der ihn an der Realschule im saarländischen Sulzbach von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet hat. Er sagte, dass er sich noch gut an eine Geschichte seines ehemaligen Schülers erinnern könne. Demnach habe Andreas S. einmal abends einschlafen wollen. Vor seinem Zimmerfenster hätten aber Elstern Lärm gemacht. Das habe S. nach dessen Angaben so wütend gemacht, dass er sich ein Gewehr genommen und die Elstern "abgeknallt" habe.

Andreas S. fordert neues Gutachten zu Schüssen bei Kusel

Am bislang letzten Prozesstag vergangene Woche hatte der Hauptangeklagte ein neues Gutachten zu den Schüssen am Tatort gefordert. Daraufhin war es zu einem Wortgefecht mit Oberstaatsanwalt Stefan Orthen gekommen. Zuvor hatten mehrere Jäger von ihrer Beziehung zu Andreas S. erzählt. Es sei bekannt gewesen, dass S. gewildert habe. Dennoch habe ihn niemand daran hindern wollen, weil er selbst seinen Freunden Angst eingejagt hätte.

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