Rheinland-pfälzische Hochschulen bereiten sich auf einen möglichen Gasmangel im Winter vor. Einen erneuten Uni-Lockdown erwarten die meisten Hochschulen nicht, dafür könnte es in den Hörsälen frisch werden. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Sina Schuldt)

Derzeit keine Uni-Lockdowns geplant

Es wird kalt an den rheinland-pfälzischen Unis

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Rheinland-pfälzische Hochschulen bereiten sich auf einen möglichen Gasmangel im Winter vor. Einen erneuten Uni-Lockdown erwarten die meisten Hochschulen nicht, dafür könnte es in den Hörsälen frisch werden.

Nicht mal zwei Jahre ist es her, dass wir in Rheinland-Pfalz verwaiste Campusse aufgrund der Corona-Pandemie vorfinden konnten: Studierende, die ihre Vorlesungen online aufsaugen mussten, Mensen, die entweder geschlossen blieben oder nur kleine Snacks anboten.

Mit der Energiekrise und den aktuellen Energiesparmaßnahmen sind die Hochschulen im Land gezwungen, Energie einzusparen. Das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium hat die Hochschulen im Land aufgefordert, den Energieverbrauch um 15 Prozent zu reduzieren. Da die Infrastruktur und die Energiequellen an jedem Standort unterschiedlich sind, wurden hierzu laut Ministerium aber keine allgemeinen Vorgaben gemacht.

Vor einem nächsten Lockdown brauchen sich Studierende und Lehrende jedoch erstmal nicht sorgen - da die geplanten Maßnahmen flächendeckend zunächst erstmal sehr ähnlich zu sein scheinen und die Präsenz-Lehre garantieren.

Das Land Rheinland-Pfalz verfügt über ein dichtes Netz an Hochschulen. Staatliche Hochschulen und Hochschulen in freier Trägerschaft sowie eine Vielzahl außeruniversitärer wissenschaftlicher Einrichtungen und Forschungsinstitute, die zum Teil gemeinsam von Bund und Land finanziert werden. (Foto: Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit)
Das Land Rheinland-Pfalz verfügt über ein dichtes Netz an Hochschulen. Staatliche Hochschulen und Hochschulen in freier Trägerschaft sowie eine Vielzahl außeruniversitärer wissenschaftlicher Einrichtungen und Forschungsinstitute, die zum Teil gemeinsam von Bund und Land finanziert werden. Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit

An der Technischen Hochschule Bingen zum Beispiel wird der Standort in Büdesheim nahezu CO2-neutral geheizt. Der Standort Rochusallee wird hingegen mit Gas versorgt. Derzeit würden verschiedene Szenarien geprüft, heißt es auf SWR-Anfrage, die Hochschulleitung geht aber davon aus, "dass das Wintersemester 2022/23 in Präsenz stattfinden wird". Bei einer Gasmangellage könne der Standort Rochusallee keine Präsenz-Lehre anbieten, so die Hochschule. Allerdings scheine das Szenario der Gasmangellage eher unwahrscheinlich. Im Falle einer Gas-Teuerung bestünde keine Betriebsgefahr.

Um die vom Ministerium gewünschte Energiesparmaßnahme von 15 Prozent zu erfüllen, überlege die Hochschule, innerhalb der Prüfungszeit und der vorlesungsfreien Zeit Teil- oder Komplettschließungen von Gebäuden vorzunehmen. Dies solle allerdings als Ultima Ratio geschehen, wenn keine andere Möglichkeit gesehen werde.

Raumtemperatur an der Uni nur noch 19 Grad

Die Raumtemperaturen sollen nach der aktuellen Energiesparverordnung an der Hochschule Bingen auf 19 Grad abgesenkt werden. Außerdem soll die Heizperiode später als in vergleichbaren Jahren beginnen und beendet werden. Für den Notfall sei die Hochschule Bingen vorbereitet. Sie habe in digitale Systeme investiert und an der Ausstattung der Online-Lehre gearbeitet. Ein Wechsel in die Online-Lehre könne sehr rasch binnen Wochenwechsel vollzogen werden.

In Mainz wird die Johannes Gutenberg-Universität (JGU) durch Fernwärme beheizt - der Standort in Germersheim mit Gas. Auch an der JGU würden die Raumtemperaturen auf 19 Grad gesenkt. Außerdem plane die Universität, die Warmwasserversorgung mit Durchlauferhitzern an Handwaschbecken abzuschalten. Die Öffnungszeiten der Bibliotheken würden in den Randzeiten angepasst werden. Gebäudeschließungen, Absagen von Lehrveranstaltungen oder die Umstellung auf ausschließliche Online-Lehre sind laut JGU nicht geplant. Eine Analyse habe gezeigt, dass potenzielle Einsparungen durch zum Beispiel eine temporäre Schließung der Universität kaum ins Gewicht fallen würden.

Universität Trier heizt ausschließlich mit Gas

Anders sieht es an der Universität in Trier aus: Hier ist ausschließlich Gas der Energieträger fürs Heizen. Trotzdem ist laut Universität eine Schließung aufgrund der gestiegenen Preise auf dem aktuellen Preisniveau nicht beabsichtigt. Hier verfolge man das Ziel, das kommende Wintersemester in Präsenz zu lehren. Entsprechend der Bundesverordnung werde auch an der Universität Trier die Temperatur in Arbeitsräumen auf höchstens 19 Grad begrenzt. Gemeinschaftsflächen, die nicht dem Aufenthalt von Personen dienen, würden nicht beheizt. Darüber hinaus würden weitere Einspareffekte geprüft, beispielsweise durch kürzere Öffnungszeiten zentraler Einrichtungen wie der Bibliothek. Falls es doch zu einer Schließung der Uni kommen sollte, sei man in Trier, was Online-Vorlesungen betrifft, gut vorbereitet.

In Worms kein Warmwasser in den Sanitärräumen

Auch an der Hochschule Worms wird fast ausschließlich mit Gas geheizt. Eine Schließung soll auch hier vermieden werden. Sollte es Beschlüsse seitens des Ministeriums geben, werde die Hochschule sich der Entscheidung anschließen, heißt es. Auch hier plane die Hochschule, die Raumtemperatur auf 19 Grad zu reduzieren und die Warmwasseraufbereitung in den Sanitärräumen auszusetzen. Ein Umstieg in die reine Online-Lehre sei zügig umsetzbar, erklärt die Hochschule - die technischen Ausstattungen seien aufgrund der Corona-Erfahrungen vorhanden.

Die Aufrechterhaltung des Präsenzstudiums hat nach Angaben des Wissenschaftsministeriums hohe Priorität. Sollten alle Maßnahmen nicht ausreichen, um eine Gasnotlage abzuwenden, sei aber als letzte Maßnahme auch eine weitgehende Umstellung auf Online-Lehre nicht auszuschließen, so das Ministerium.

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