Der Blick auf das Modell des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs, das am 4. November 1997 vorgestellt wurde. (Archiv) (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa / Bernd_Hanselmann)

28 Jahre im Schnelldurchgang

Stuttgart 21 und Neubaustrecke: So hat alles angefangen

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Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Es ist ein Jahrhundertprojekt: Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm. Und schon mehr als ein Vierteljahrhundert wird das Projekt geplant, gebaut und darüber gestritten.

Seit Ende der Achtzigerjahre gibt es Überlegungen für einen neuen Bahnhof in Stuttgart und eine schnelle Bahnstrecke nach Ulm. Nichts weniger als die größte Baustelle Europas und gleichzeitig wohl auch der größte Streit in einer Stadt sind dabei herausgekommen.

Der Hauptbahnhof Stuttgart vor dem Baubeginn für Stuttgart 21: Eine Aufnahme aus dem Jahr 2006 (Archivbild) (Foto: IMAGO, IMAGO / blickwinkel)
Der Hauptbahnhof Stuttgart vor dem Baubeginn für Stuttgart 21: Eine Aufnahme aus dem Jahr 2006 (Archivbild) IMAGO / blickwinkel

Mit einem Hubschrauberflug Anfang der Neunzigerjahre soll alles begonnen haben. Der damalige Bahnchef und der Landesverkehrsminister sahen 100 Hektar beste Citylage. Wie wäre es, wenn die Gleise im Untergrund lägen und man einen neuen Stadtteil bauen könnte?

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Ministerpräsident Teufel stellt Idee von Stuttgart 21 vor

Stuttgart 21 war geboren. Und wurde in einer legendären Pressekonferenz vorgestellt. "Das ist die Chance für Baden-Württemberg. Die Chance für die Landeshauptstadt Stuttgart, die wir auch nutzen müssen", sagte damals Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) - es war das Jahr 1994.

Die Idee von Stuttgart 21 wurde in einer legendären Pressekonferenz vom damaligen Ministerpräsidenten Teufel vorgestellt. (Foto: SWR)
Die Idee von Stuttgart 21 wurde in einer legendären Pressekonferenz vom damaligen Ministerpräsidenten Teufel (CDU) vorgestellt. (Archiv)

Der Kopfbahnhof sollte durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Die Strecke nach Ulm sollte in einem Tunnel zum Flughafen führen und von dort entlang der Autobahn weitergehen. Vor allem die Strecke bringt den Fahrzeitgewinn. Von einer Stunde würde die Reisezeit auf eine halbe Stunde verkürzt werden - das war schon damals der Plan.

Nadelöhr Geislinger Steige

Die alte Strecke über die Geislinger Steige ist und war ein Nadelöhr. Mit 70 Stundenkilometern zuckeln Güterzüge wie auch ICE-Züge über die Schwäbische Alb. Allerdings gab es schon in den Achtzigerjahren Planungen für einen Ersatz der alten Strecke. Diese Planungen wurden aber ad acta gelegt, als die Entscheidung für Stuttgart 21 gefallen war.

Die alte Strecke über die Geislinger Steige war ein Nadelöhr. Mit 70 Kilometer pro Stunde zuckeln Güterzüge wie auch ICE-Züge über die Schwäbische Alb. (Archivbild) (Foto: IMAGO, IMAGO / Arnulf Hettrich)
Die alte Strecke über die Geislinger Steige war ein Nadelöhr. Mit 70 Kilometer pro Stunde zuckeln Güterzüge wie auch ICE-Züge über die Schwäbische Alb. (Archivbild) IMAGO / Arnulf Hettrich

Das Projekt war immer hoch umstritten. Eine Kostenexplosion und mangelnde Gleiskapazitäten wurden kritisiert. 67.000 Unterschriften für ein Volksbegehren wurden gesammelt - doch die Stadt hatte sich bereits für den neuen Bahnhof entschieden.

Proteste gegen Stuttgart 21- schließlich der "Schwarze Donnerstag"

2010 gab es massive Proteste - bis zum "Schwarzen Donnerstag" mit mehr als 100 Verletzten. Die Stadt war in Aufruhr. Um den Konflikt zu lösen, gab es eine Schlichtung mit Heiner Geißler. Trotzdem blieben die Lager unversöhnlich. Schließlich brachte 2011 eine Volksabstimmung die Entscheidung für Stuttgart 21. Damals hatten sich 58,9 Prozent der Abstimmenden gegen den Ausstieg des Landes aus der Projektfinanzierung von S21 ausgesprochen.

2010 gab es massive Proteste - bis zum "Schwarzen Donnerstag" mit mehr als 100 Verletzten. (Archivbild) (Foto: IMAGO, IMAGO / Arnulf Hettrich)
2010 gab es massive Proteste - bis zum "Schwarzen Donnerstag" mit mehr als 100 Verletzten. (Archivbild) IMAGO / Arnulf Hettrich

Jetzt ist die Strecke zwischen Wendlingen und Ulm fertig. Der Tiefbahnhof in Stuttgart soll 2025 eröffnet werden. Die Kosten dafür haben sich von 2,5 Milliarden auf rund 10 Milliarden Euro erhöht. Auch die Kosten für die Neubaustrecke haben sich von rund 2 auf 4 Milliarden Euro verdoppelt.

Inzwischen ist klar: Um den ganzen Bahnknoten Stuttgart zukunftsfähig zu machen, braucht es noch weitere Gleise im Zulauf auf die Landeshauptstadt. Es wird also weitere Baustellen geben und noch einige Milliarden kosten, bis wirklich alles fertig ist. Und dauern kann das dann noch etwa 20 Jahre.

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