Landwirtschaftsminister Cem Özdemir spricht bei der traditionellen Bauernkundgebung während des Kalten Markts in Ellwangen. In Straßberg laden die Burgnarren den Politiker wegen angekündigten Bauernprotesten aus. Özdemir wird damit nicht zum Ritter geschlagen.

Bürgermeister möchte sichere Fasnet

Sicherheitsbedenken durch Bauernproteste: Landwirtschaftsminister ausgeladen

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Tobias Faißt
Tobias Faißt arbeitet als multimedialer Reporter im SWR Studio Tübingen.

Der Landwirtschaftsminister wäre Kurfürst von Auerochsenbach geworden, hätten sich nicht mehr als tausend Landwirte für den Schmotzigen angekündigt. Der Bürgermeister möchte eine sichere Fasnet.

Die Burgnarren und die Gemeinde Straßberg (Zollernalbkreis) haben Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) eine Absage erteilt. Eigentlich wäre er am "Schmotzigen Dunschtig" zum Ritter geschlagen worden. Ende der vergangenen Woche präsentieren die Narren einen Ersatz. Zu diesem Zeitpunkt war Özdemirs Besuch in der kleinen Gemeinde längst abgesagt, verrät der Bürgermeister Markus Zeiser.

Bauernproteste verhindern Özdemir-Besuch

Nachdem der Burgnarrenverein im Dezember verkündet hat, dass der Grünen-Politiker aus Bad Urach am 8. Februar zum "Kurfürsten von Auerochsenbach" ernannt werden soll, sind die Landwirte aktiv geworden. Mehr als Tausend von ihnen hätten sich innerhalb kürzester Zeit für die Traditionsveranstaltung angekündigt, so Straßbergs Bürgermeister auf SWR-Nachfrage. Deshalb habe die Gemeinde Cem Özdemir abgesagt.

"Wie sollen wir das stemmen?", fragt Zeiser und meint damit nicht den Besuch der hohen Politik. Damit kenne sich Straßberg im Zollernalbkreis aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Innenminister Thomas Strobl und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (beide CDU) haben in den vergangenen Jahren alle den Großen Falkenorden erhalten. Der Burgnarrenverein möchte zu diesem Thema keinen weiteren Kommentar abgeben.

Erst am Dienstag hatten Traktoren auf ihrem Weg nach Stuttgart auf der A81 einen Polizeieinsatz ausgelöst:

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Vernünftige Entscheidung für beide Seiten

Zeiser möchte eine lustige aber vor allem eine sichere Fasnet. Tausende Menschen, die närrisch und aus Protest in Straßbergs Straßen unterwegs sind, sorgten bei ihm für Bedenken. Diese habe er erst den Burgnarren mitgeteilt und sei dann auf das Ministerbüro Özdemirs zugegangen. "Da war schon klar, dass wir es absagen wollen", gibt Zeiser offen zu. Der Minister hatte Anfang 2023 für die Fasnetsveranstaltung zugesagt.

Dass die Bauernproteste so massiv werden, hat damals ja noch keiner absehen können.

Schnell sei er mit den Mitarbeitenden zu dem Ergebnis gekommen, dass es für beide Seiten besser ist, den Ritterschlag abzusagen. Weder die Sicherheit des Bundeslandwirtschaftsministers noch die der Narren hätte Zeiser zufolge garantiert werden können. "Dafür hätten wir eine Hundertschaft aus Tuttlingen bestellen müssen." Er bezweifelt, dass die Polizei im Zollernalbkreis ausgereicht hätte.

Fasnet jetzt mit OB von Albstadt

Also verkünden die Narren Ende der vergangenen Woche, dass Cem Özdemir doch kein Ritter wird. Zeiser zufolge sei das schon Anfang Januar, "nach den Weihnachtsferien" so vereinbart worden. "Nach dem Gespräch mit Özdemirs Büro brauchten wir einen Nachfolger und erst dann wollten wir an die Öffentlichkeit." Der Große Falkenorden geht in der kommenden Woche an Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU).

Ich bin Roland Tralmer sehr dankbar, dass er eingesprungen ist. Er stand sowieso auf der Liste, nun wurde die Verleihung eben einige Jahre vorgezogen.

Solidarität mit Landwirten

Neben seinen Sicherheitsbedenken für die Fasnet in Straßberg nennt Zeiser im Gespräch mit dem SWR noch einen zweiten Grund für die Absage an Cem Özdemir. "Wir sind eine ländliche Gemeinde und sind solidarisch mit unseren Landwirten." Ein öffentlicher Auftritt des Bundeslandwirtschaftsministers samt Verleihung eines Ordens hätte den Eindruck erwecken können, dass die Narren oder die Gemeinde Entscheidungen aus Berlin legitimieren.

Auch dieser Gefahr wollte Zeiser bestmöglich aus dem Weg gehen. "Fasnet soll lustig sein - nicht politisch", bekräftigt er. Mit ihrem Protest wollen die Landwirte aber die Politik beeinflussen. In Straßberg haben sie nun Einfluss auf die traditionelle Fasnet genommen.

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