In einer Schulcafeteria in Kirchzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gibt es fast nur noch veganes Essen.

Das Essen der nachhaltigen Zukunft?

Schulcafeteria Kirchzarten führt veganes Essen ein

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AUTOR/IN
Jasmin Bergmann

In der Cafeteria am Schulzentrum in Kirchzarten gibt es fast nur noch veganes Bioessen. Einige sehen darin die Zukunft des Essens. Andere schreckt so viel Gemüse eher ab.

Was Schülerinnen und Schüler bei den Fridays for Future Demonstrationen fordern, wird in Kirchzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) umgesetzt: In einer Cafeteria, die drei Schulen mit rund 1.200 Kindern versorgt, gibt es fast nur noch veganes Essen. Das entfachte eine Diskussion an den Schulen.

Veganes Schulessen sorgte für viele Diskussionen

Stefan Saumer und Ulrich Denzel sind sich einig: Diese neue Art des Schulessens ist der richtige Weg in eine nachhaltigere Zukunft. Saumer ist im Vorstand des Vereins Schülerhaus Dreisamtal, der die Cafeteria betreibt. Denzel ist Schulleiter der Realschule am Giersberg, einer der drei Schulen direkt nebenan. Die Mahlzeiten sind neuerdings nicht nur vegan, also pflanzenbasiert, sondern bestehen auch aus regionalen und biozertifizierten Produkten. "Wir sparen dadurch fast die Hälfte an Verpackungsmüll", sagt Stefan Saumer.

"Ist im Trend der Fridays for Future-Bewegung, die auch im Schulhaus nebenan stattfindet."

Ulrich Denzel kommt fast täglich in die Cafeteria. Er ist überzeugt von dem neuen Konzept, auch wenn die Umstellung für viele Diskussionen gesorgt habe: "Wir waren skeptisch, das gebe ich ganz offen zu", sagt Denzel. Aber sie seien schnell überzeugt gewesen, weil das Essen sehr lecker sei und variantenreich gekocht werde. Außerdem seien sie eine Bildungsanstalt, die Kinder erziehen und Werte vermitteln wolle - da sei gesundes Essen wichtig, sagt Denzel.

Schüler hat immer ein "Notfallessen" dabei

So überzeugt sind (noch) nicht alle. "Ich finde es schade, dass es nicht mehr solche Sachen gibt, die speziell Kinder mögen - Spätzle mit Rahmsoße oder ein Schnitzelweckle", sagt Ben Meybrunn. Der Sechstklässler aus der Realschule am Giersberg war anfangs dem Gemüseteller gegenüber eher skeptisch. Mittlerweile findet er das Essen besser - seit der Koch sich dazu entschieden hat, ab und zu auch mal Gerichte mit Käse oder Quark zu servieren. Sein Freund Johan Tchatoum hat seit der Umstellung immer ein Notfallessen dabei, falls ihm das vegane Gericht nicht schmeckt.

Johan und Ben essen regelmäßig die veganen Speisen der Cafeteria in Kirchzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).
Die beiden Sechstklässler Johan (li.) und Ben (re.) essen regelmäßig in der Cafeteria in Kirchzarten zu Mittag.

Zur Auswahl stehen täglich ein veganes Gericht mit Salat für mittlerweile 5,50 Euro statt 4,90 Euro und, nach Drängen einiger Eltern, ein Teller Nudeln mit Soße für 3,50 Euro.

Ist vegan das richtige Essen für Kinder?

Auch die Eltern sind gemischter Meinung. Einige finden das neue Schulessen super, vor allem auch, weil alles frisch und gesund zubereitet wird. Einige haben Bedenken: "Manche haben gesagt, sie haben Angst, dass ihre Kinder von Gemüse allein nicht richtig satt werden", sagt Kirsten Veil aus dem Elternbeirat des Marie-Curie-Gymnasiums.

Gesundheitlich gesehen ist laut Ernährungsexperten eine vegane Mahlzeit am Tag für Kinder unproblematisch. Sie sollten sich aber nicht ausschließlich so ernähren. Das könne zu einem Mangel an Nährstoffen führen.

Seither kommen weniger zum Essen

Den Zwiespalt spürt der Verein Schülerhaus Dreisamtal. Es würden seither weniger Schülerinnen und Schüler zum Essen kommen, sagt Stefan Saumer. Manche gehen stattdessen zum Döner oder Supermarkt im Ortskern und holen sich dort etwas zu essen. "Es könnte besser laufen. Wir wären sehr glücklich, wenn ein paar mehr kommen würden", so Saumer. Bislang ist das vegane Schulessen ein Experiment, das erstmal bis zu den Sommerferien geplant ist. Dann wolle der Verein prüfen, ob sich der Aufwand lohne.

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