Luftaufnahme des zu sanierenden Geländes

Umstrittene Einkapselung vorerst vom Tisch

BASF stoppt Sanierungspläne für Altlast in Grenzach-Wyhlen

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Matthias Zeller

Der Chemiekonzern BASF wollte eine Altlast in Grenzach-Wyhlen lediglich einkapseln. Von diesen Plänen nimmt das Unternehmen jetzt Abstand.

Die umstrittene Einkapselung der Altlasten in der "Kesslergrube" in Grenzach-Wyhlen (Kreis Lörrach) durch BASF ist vorerst vom Tisch. Der Chemiekonzern reagiert damit auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vor rund einem Monat. Der Umweltverband BUND und die Gemeinde Grenzach-Wyhlen hatten sich jahrelang gegen diese Form der Sanierung gewehrt.

BASF
Luftaufnahme der ehemaligen Kesslergrube: Links das bereits sanierte Gelände von Roche, rechts das noch zu sanierende von BASF, das diese von Geigy übernommen hatte.

Begründung: neue Methoden und Rechtsunsicherheit

Die BASF begründet ihre jetzige Entscheidung unter anderem mit Änderungen im Umweltrecht, weiterentwickelten Sanierungsmethoden, aber vor allem mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im vergangenen Monat. Das hatte dem Bund für Umwelt und Naturschutz Baden-Württemberg, BUND, ein Klagerecht gegen die Sanierung eingeräumt und die Entscheidung in der Sache an den VGH Baden-Württemberg zurückverwiesen. Uwe Gauglitz, bei BASF für das Altlasten-Management zuständig, sieht deshalb für den Chemiekonzern keine Rechtssicherheit mehr bei der Sanierung der Kesslergrube.

"Wenn wir jetzt beginnen würden, würde das auf unser eigenes Risiko hin passieren."

Uwe Gauglitz ist in der BASF-Gruppe für das Altlasten-Management verantwortlich.
Uwe Gauglitz ist in der BASF-Gruppe für das Altlasten-Management verantwortlich.

Bei der Sanierung läuft es nun wohl weder auf die umstrittene Einbetonierung der Altlasten hinaus noch auf einen kompletten Aushub des Materials, so wie es direkt nebenan in der "Kesslergrube" der Pharmakonzern "Roche" für 240 Millionen Euro gemacht hat. Bis die nächsten Schritte der Sanierung entschieden sind und angegangen werden, dürften wieder Jahre vergehen.

BUND und Grenzach-Wyhlen begrüßen Kurswechsel von BASF

Für die von BASF beklagte "Rechtsunsicherheit" hatte der Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND, mit seiner erfolgreichen Klage beim Bundesverwaltungsgericht gesorgt. Trotzdem reagiert die baden-württembergische BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch zunächst vorsichtig auf die Nachricht aus Grenzach-Wyhlen – mit, wie sie es sagt, "verhaltener Freude".  

"Wir freuen uns darüber, dass unsere Klage dazu geführt hat, dass BASF nachdenkt."

Die Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, Sylvia Pilarsky-Grosch.
Die Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, Sylvia Pilarsky-Grosch.

Mit dem BUND freut sich auch die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die bei der Klage Seite an Seite mit dem Umweltverband den Weg durch die Instanzen gegangen war. Beide hatten, bei einer Einkapselung der Altlasten im Boden, Gefahren für das Grundwasser befürchtet. Bürgermeister Tobias Benz sieht nun die Chance, eine nachhaltige Lösung für die Sanierung zu finden.

Das Image von BASF, das gibt man in Grenzach-Wyhlen offen zu, hat unter dem jahrelangen Streit über das Sanierungskonzept "Kesslergrube" gelitten. BASF-Standortleiter George Basrawi und der Chemiekonzern setzen nun verstärkt auf Dialog.

"Wir werden weiterhin sehr offensiv kommunizieren, nicht nur mit den Befürwortern, auch mit den Kritikern."

Die BASF betonte, es gebe keine Gefahr und keinen akuten Handlungsbedarf bei der Sanierung der "Kesslergrube". Von den Abfällen in der früheren Deponie stammten nur rund zwei Prozent aus der chemischen Industrie.

Chemiekonzern Roche entschied sich für Totalaushub

Das Basler Unternehmen Roche, das sich für eine Totalsanierung seines Areals der ehemaligen Deponie "Kesslergrube" entschieden hatte, hat die Sanierung nach sieben Jahren im Herbst 2022 offiziell abgeschlossen. Aktuell laufen dort noch die Rückbauarbeiten.

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