An der Uni Hohenheim drucken Studenten Lebensmittel im 3D-Drucker. (Foto: SWR, Simone Friedrich)

Forschung für individuelles Essen der Zukunft

Universität Hohenheim entwickelt Lebensmittel aus dem 3D-Drucker

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Simone Friedrich
Deborah Kölz
Porträt Reporterin Deborah Kölz (Foto: SWR)

Mit einem 3D-Drucker lässt sich Essen gezielt auf Bedürfnisse und Geschmäcker anpassen: mal fluffig, mal knusprig - mal glutenfrei, mal nicht. Das hat Potenzial, sagt ein Forscher.

Forscherinnen und Forscher der Universität Hohenheim arbeiten daran, pflanzliche Lebensmittel mit dem 3D-Drucker herzustellen. Damit will das Team dazu beitragen, dass künftig noch mehr Bestandteile von Lebensmitteln gezielt verwertet werden können. Außerdem wollen sie damit eine gesunde und individuelle Ernährung schaffen.

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Reste von Hafermilch-Herstellung kommen in 3D-Drucker

Es beginnt bereits beim Teig: Hier kommt neben üblichen Dingen wie Margarine, Puderzucker und Backpulver auch so genannter Haferfeststoff dazu. Industriell gesehen ist das ein Abfallprodukt. Es entsteht nämlich bei der Produktion von Hafermilch, wenn dabei die Feststoffe herausgezogen werden. Diese Feststoffe können aber getrocknet und weiter verwendet werden. Die Uni Hohenheim bekommt sie als Pulver und mischt sie in den Teig für den 3D-Drucker. So kann aus einer Nährstoff-Masse ein weiteres genießbares Lebensmittel werden - nachhaltig und ressourcenschonend. Denn der Klimawandel könnte unsere Nahrung und unseren Konsum bald verändern und daran müsse man sich rechtzeitig anpassen, sagt der Professor Mario Jeckle, der das Projekt verantwortet.

Die Folgen des Klimawandels werden wir alle zu spüren bekommen. Deshalb ist es wichtig, auf alternative Ressourcen umzuschwenken.

Wie gesund ist Essen aus dem 3D-Drucker?

Außerdem seien in den Lebensmitteln besonders viele Proteine und Ballaststoffe enthalten, erklärt Doktorand Robert Fribus. Ballaststoffe sind sehr wichtig für die menschliche Ernährung, fügt Professor Mario Jekle hinzu. "Momentan haben wir eher eine Ballaststoff-Unterernährung," sagt Jekle. Daher will das Team diese Bestandteile wieder stärker integrieren: "Und das wirklich auch aus Überzeugung, denn wenn wir mehr Ballaststoffe essen, leben wir länger."

An der Uni Hohenheim drucken Studenten Lebensmittel im 3D-Drucker. (Foto: SWR, Simone Friedrich)
Der Teig für den 3D-Drucker wird im Labor mit einem Rührgerät zusammengemixt, wie beim normalen Backen auch.

Ersatzprodukte aus Pflanzen können durch Drucktechnik besser werden

Besonders an Lebensmittel aus dem 3D-Drucker ist, dass man durch den Drucker anpassen kann, wie fluffig oder hart beispielsweise ein Keks sein soll. Würde man diesen besonderen Teig normal backen, würde er steinhart werden. Andere Ersatzlebensmittel aus Pflanzen könnte man ohne so einen Drucker gar nicht in eine appetitliche Form bringen, sagen die Studenten. Ein "Lachsfilet" ohne Fisch kann nur durch einen 3D-Drucker die Struktur bekommen, um von der Konsistenz her wie das Original zu schmecken.

Aber der Drucker ermöglicht natürlich auch kreative Formen bei der Essenszubereitung. So wird aus dem Probe-Keksteig des Forscherteams eine Nachbildung des Schlosses Hohenheim gedruckt. Und beim New Food Festival, bei dem der Drucker ab dem 29. Februar ausgestellt wird, könnte es vielleicht noch kreativer zugehen.

An der Uni Hohenheim drucken Studenten Lebensmittel im 3D-Drucker. (Foto: SWR, Simone Friedrich)
Am Computer können die Forscher die Form für den Keks aus dem 3D-Drucker vorprogrammieren.

Kann 3D-Essen in Zukunft Kranken helfen?

Durch die Lebensmittel-Drucktechnick ergeben sich auch viele Möglichkeiten, das Essen individuell anzupassen, zum Beispiel für kranke Menschen. Diese brauchen in ihrer Ernährung manchmal kleinere oder größere Mengen an besonderen Inhaltsstoffen, sagt Jekle. "Mit dem 3D-Drucker kann das ganze individuell zusammengestellt und es können dann ähnliche oder gleiche Lebensmittel gedruckt werden - nur mit anderen Inhaltsstoffen."

Natürlich könnten wir eine Banane machen, die nach Erdbeere schmeckt. Das ist aber nicht unser erstes Ziel.

Außerdem könnte auch Essen in einer leckeren Konsistenz gedruckt werden, das selbst Menschen mit Schluckbeschwerden essen können. Das System könnte auch an den individuellen Lebensstil jedes Einzelnen angepasst werden: Beispielsweise für mehr Sport oder wenn Menschen im Alltag viel sitzen, erklärt Jekle. Er glaubt, dass in einigen Jahren viele Menschen einen 3D-Drucker für Lebensmittel zuhause haben könnten. Denkbar sei auch, dass er in Kantinen zum Einsatz kommt, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Die Drucktechnik könnte die bisherige Ernährung also gesund ergänzen, so Jekle.

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