Aktionswoche in der Kunsthalle Mannheim

Bundesweite Aktionswoche

Bilder von Kindern suchtkranker Eltern: Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

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AUTOR/IN
Janine Putzek

In der Kunsthalle Mannheim werden zurzeit Bilder von Kindern aus suchtbelasteten Familien gezeigt. Anlass ist eine bundesweite Aktionswoche.

Kinder und Jugendliche, die mit suchtkranken Familienmitgliedern aufwachsen, haben es im Alltag oft schwer - aber in der Gesellschaft wird das kaum wahrgenommen. Um das zu ändern, zeigt die Kunsthalle Mannheim derzeit eine ganz besondere Ausstellung: Zu sehen sind Bilder, die von betroffenen Kindern gemalt wurden.

Ständige Angst um die Familie

Wie sehr Kinder aus suchtbelasteten Familien leiden, zeigt das Beispiel einer Betroffenen, die anonym bleiben will. Die heute 32-Jährige erinnert sich noch ganz genau daran, mit wie vielen Ängsten sie damals konfrontiert war. Ein Elternteil litt unter einer Suchterkrankung, als sie zehn Jahre alt war.

Auf dem Heimweg von der Schule hatte ich immer Angst, ob irgendetwas passiert ist. Und ich habe mich gefragt, ob etwas zu Essen auf dem Tisch steht?

Die junge Frau weiß auch noch, dass sie sich damals von Gleichaltrigen abgeschottet hat. Aus Scham. Sie wollte nicht, dass jemand etwas von der Suchterkrankung in der Familie mitbekommt.

Suchtbelastete Familien in den Fokus rücken

Das, was sie damals erlebt hat, gehört auch heute noch für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. Um darauf aufmerksam zu machen, gibt es die bundesweite Aktionswoche "Kinder aus suchtbelasteten Familien". In diesem Rahmen entstand die Idee für ein gemeinsames Projekt vom Mannheimer Caritasverband, dem Drogenverein Mannheim und der Mannheimer Kunsthalle.

Je früher wir helfend ansetzen, umso besser ist es für jedes einzelne Kind und die Gesellschaft.

Kinder aus Projektgruppen des Caritasverbands und des Drogenvereins bekamen die Aufgabe gestellt, ein Tier zu malen, das ihnen viel bedeutet und innere Stärke gibt: Ihr persönliches Krafttier.

Krafttiere sollen unterstützen, stärken und begleiten.

Stigmatisierung verhindern

Zusammengekommen sind insgesamt 12 Bilder mit dazugehörigen Texten. Sie sind jetzt in der Kunsthalle Mannheim zu sehen.

Mit der Ausstellung wollen die Initiatoren nach eigenen Angaben der Stigmatisierung von Suchtmittelerkrankungen entgegenwirken und das Thema in die breite Öffentlichkeit tragen. Solche Projekte sind besonders wichtig, sagt Charlotte Zimmer von der Caritas Suchtberatung, damit die Kinder nicht in Vergessenheit geraten und die Möglichkeit haben, zu gesunden Erwachsenen zu werden. Sie hat die Kinder während des Entstehungsprozesses der Bilder begleitet.

Die Aufgabe hat bei manchen für Irritation oder Aufgebrachtheit gesorgt. Andere wussten sofort, welches Tier sie malen wollen. Am Ende hat jedes Kind begeistert sein Krafttier gemalt.

Viele Betroffene in Mannheim - und in Deutschland

Die Kinder, die sich an dem Projekt beteiligt haben, sind keine Einzelfälle. Der Drogenverein Mannheim schätzt, dass im Stadtkreis zurzeit rund 10.000 Kinder mindestens ein suchtkrankes Familienmitglied haben. Deutschlandweit gibt es etwa sechs Millionen Erwachsene, die in einer suchtbelasteten Familie aufgewachsen sind.

Die Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle ist noch bis zum 25. Februar 2024 zu sehen.

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