Dunst und Wolken sind über dem Bodensee und der ehemaligen Klosterkirche Birnau zu sehen.

Nach Unwettern am Wochenende

Rissige Böden und Grundwasserprobleme in Baden-Württemberg?

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Im April hat es im Land viel geregnet, jetzt kamen schwere Niederschläge Anfang der Woche dazu. Dennoch bleibt der Grundwasserpegel niedrig und der Boden rissig. Woran liegt das?

Trotz erhöhten Niederschlagsmengen in den vergangenen Wochen bleiben die Böden rissig und die Grundwasserpegel niedrig. Denn die trockenen Monate davor sind immer noch zu spüren, erklärt der SWR Umweltexperte Werner Eckert.

Woher kommen die rissigen Böden?

Wer durch Wälder und Wiesen geht, kann immer noch rissige Böden entdecken. "Risse bilden sich vor allem in tonhaltigen Böden", erklärt Werner Eckert. "Weil diese Tonmineralien sehr viel Wasser aufnehmen können. Und die schrumpfen sehr stark, wenn sie das Wasser wieder abgeben." Dieser Schrumpfungsprozess würde dann die Risse erzeugen. Wenn einmal Risse da sind, verschwinden die nicht sofort wieder. "Und umgekehrt: Wenn es regnet und sie wieder zu sind, gehen die Risse schon bei relativ leichtem Sonnenschein auch wieder auf."

Vertrocknete Blätter liegen auf einem Waldboden, der von Rissen durchzogen ist.
Vertrocknete Blätter liegen auf einem Waldboden im Schönbuch, der von Rissen durchzogen ist.

Warum bleiben die Grundwasserpegel so niedrig?

Trotz des vermehrten Regens würden die Grundwasserstände niedrig bleiben. "Das liegt daran, dass es sehr lange braucht, bis man da eine Auswirkung sieht", so Eckert. Das könne sich über Jahre hinziehen, sowohl das Absinken als auch der Wiederanstieg des Pegels. "Immerhin 70 Prozent der Messstellen in Baden-Württemberg haben wieder eine steigende Tendenz nach diesem März und April mit hohen Niederschlägen verzeichnet." Das sei weniger ausgeprägt auf der Ostalb und dem südlichen Rheineinzugsgebiet, deutlicher ausgeprägter im Kinzigtal oder auch im mittleren und nördlichen Rheineinzugsgebiet.

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"Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation in Teilen des Neckarbeckens, der Ostalb, in Oberschwaben und am südlichen Oberrhein eben tendenziell verschärft." In anderen Gebieten sei der Grundwasserpegel über das Jahr gesehen geblieben oder sogar etwas angestiegen. Die Prognose für diesen Sommer ist allerdings günstiger als in manchen Vorjahren, erklärt Eckert. "Denn das Bodenwasser, das ist reichlich vorhanden, also die oberen Bodenschichten sind satt versorgt. Und wenn jetzt die Verdunstung wieder anspringt im Sommer, dann ist das der Puffer, der verhindert, dass gleich die Grundwasser wieder angegriffen werden." Aber bis eine Trendwende einkehrt, werde es noch lange dauern - wenn sie überhaupt jemals einkehrt.

Droht Niedrigwasser am Bodensee?

Doch wie sieht es in der beliebten Urlaubsregion am Bodensee aus? Dort hatte man vergangenes Jahr mit extremem Niedrigwasser zu kämpfen. Die Bodenseeschiffe konnten manche Häfen nicht anfahren. "Die Pegel am Bodensee liegen ziemlich genau im Mittelwasser-Bereich, also auch im langjährigen Mittel", so der Umweltexperte. Allerdings drohe über den Sommer tatsächlich ein tieferer Stand.

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"Es hat in den Alpen sehr wenig geschneit in diesem Jahr." Das betreffe vor allem den Einzugsbereich des Bodensees, also den Alpenrhein, der den Zufluss des Bodensees bildet. "Da gab es weniger als die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge." Das könne dazu führen, dass im späteren Frühjahr und im Sommer zu wenig Schmelzwasser in de Bodensee fließen würde. "Beim Bodensee ist es eben anders als beim Grundwasser." Der Bodensee sei unmittelbarer abhängig von den Regen- oder Schneemengen in einem bestimmten Monat oder einer bestimmten Jahreszeit.

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