Altes Brot in der Brotbrennerei in Friedrichshafen. (Foto: SWR)

Pilotprojekt mit der Uni Hohenheim

Aus Brot wird Alkohol: Bäcker in Friedrichshafen eröffnet Brotbrennerei

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Verena Katschker
Verena Katschker (Foto: SWR, Matthias Bernhard)
Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild (Foto: SWR)

In Friedrichshafen gibt es jetzt eine Brotbrennerei. Bäcker Hannes Weber will übrig gebliebenes Brot nicht wegwerfen und macht daraus hochprozentigen Alkohol für die Industrie.

Aus altem Brot wird Hochprozentiges: In Friedrichshafen brennt Bäcker Hannes Weber aus altem Brot jetzt Bioethanol. Bei dem gemeinsamen Pilotprojekt mit der Uni Hohenheim geht es Weber darum, nicht verkauftes Brot sinnvoll weiterzuverarbeiten. Statt die Altbackwaren zu vernichten, wird künftig alles, was übriggeblieben ist, in der eigenen Brotbrennerei zu Alkohol destilliert. Das Bioethanol kann dann von der Industrie genutzt werden.

Wie Brot und Sahnetorten zu Ethanol werden

Damit aus alten Backwaren Alkohol wird, müssen die stärkehaltigen Brotabfälle zerkleinert und zu einem Maischebrei angerührt werden. Bei der Gärung bildet sich Alkohol. Die vergorene Maische wird in einem großen Kessel dann mithilfe eines Wasserbades erhitzt und der Alkohol entweicht.

Aus 100 Kilogramm Altbackwaren werden etwa 25 Liter Bioethanol. Als Basis dient dabei nicht nur Brot, auch Plunderteilchen, Cremetorten und Sahneschnitten eignen sich zur Verarbeitung.

In der Brotbrennerei in Friedrichshafen. (Foto: SWR)
Das ist der Brennkessel in der Brotbrennerei in Friedrichshafen.

Bäcker will weniger altes Brot wegwerfen

Für Bäcker Hannes Weber ist die Verwertung von altem Brot ein Beitrag zum Umweltschutz und für mehr Nachhaltigkeit. Denn in den Filialen der Backstube Weber bleiben jeden Tag mehrere hundert Kilogramm Brote, Wecken und Kuchen übrig. Aber Lebensmittel wegzuwerfen, das falle ihm schwer.

In den Bäckereien bundesweit fallen pro Jahr 600.000 Tonnen Altbackwaren an und werden größtenteils im Müll entsorgt, heißt es von der Universität Hohenheim. Wie das verhindert werden kann, soll mithilfe der Pilotanlage in Friedrichshafen erprobt werden. Die Brotbrennerei ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes mit Beteiligung der Uni Hohenheim. Es handelt sich nach eigenen Angaben um die deutschlandweit erste Bäckerei, die die kompletten Altbackwaren weiterverarbeite.

Das Schlimmste für den Bäcker ist, wenn er das, was er produziert hat, wegwerfen muss.

Brotbrennerei ist Pilotprojekt der Universität Hohenheim

Der sogenannte Rohbrand, der in der Brotbrennerei in Friedrichshafen entsteht, soll an die Industrie verkauft werden. Denn daraus lassen sich laut Daniel Einfalt, Lebensmittel-Wissenschaftler an der Uni Hohenheim, eine ganze Reihe nützliche Produkte herstellen: Desinfektionsmittel für die Hände zum Beispiel oder E10 zum Tanken.

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