Benzin und Diesel über Zwei-Euro-Marke

Tankrabatt-Ende: Spritpreise in BW steigen sprunghaft an

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Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch Autor Bild (Foto: David-Pierce Brill)

Am Donnerstagmorgen ist der Preissprung an den Tankstellen auch in BW deutlich. Umweltministerin Walker (Grüne) wirft den Mineralölkonzernen vor, am staatlichen Zuschuss verdient zu haben.

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Nach dem Ende des Tankrabatts in Deutschland hat ein großer Teil der Tankstellen die Kraftstoffpreise deutlich erhöht. Auch in Baden-Württemberg waren die Preise für Benzin und Diesel am Donnerstagmorgen auf einen Schlag massiv angestiegen.

So lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Benzin am Donnerstagmorgen (1.9.) in Baden-Württemberg bei 2,05 Euro. Ein Anstieg im Vergleich zum Vortag um 26 Cent:

Auch beim Diesel ist der Preissprung um 11 Cent binnen eines Tages bemerkenswert, wenn auch nicht ganz so stark wie beim Benzin. Kostete ein Liter Diesel in Baden-Württemberg im Durchschnitt am 31. August noch 2,13 Euro, waren es am Donnerstagmorgen (1.9.) bereits 2,24.

Und auch beim Kraftstoff E10 haben sich die Preise pünktlich mit Ende des Tankrabatts auf einen Schlag erhört. Von durchschnittlich 1,77 Euro am 31. August ging es um 13 Cent rauf auf zwei Euro am Donnerstagmorgen (1.9.).

BW-Umweltministerin: Konzerne haben Tankrabatt genutzt, um Geld zu verdienen

Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) sagte zum Ende des Tankrabatts im SWR, dass man nun hoffentlich erkenne, wie falsch diese Maßnahme von Anfang an war.

Ganz am Ende könne man nun noch einmal ganz deutlich sehen, dass der Tankrabatt nicht den erhofften Effekt hatte. Verbraucherinnen und Verbraucher seien nicht entlastet worden, im Gegenteil sei der staatliche Zuschuss von Konzernseite genutzt worden, um Geld zu verdienen, so Walker im SWR.

Zur Erinnerung: Als nach Einführung des Tankrabatts am 1. Juni die Preise nicht gleich fielen, war die Begründung, die Tanks seien noch gefüllt mit teurem Kraftstoff. Erst nachdem diese mit verbilligtem Kraftstoff gefüllt seien, würde sich das beim Preis an der Zapfsäule zeigen. Christoph Mautes aus der SWR Wirtschaftsredaktion kann sich nicht vorstellen, dass die Tanks der Tankstellenbetreiber nun bereits über Nacht mit teurer nachgekauftem Sprit aufgefüllt wurden. So sei der sprunghafte Preisanstieg also schon einmal nicht zu erklären.

"Die Preisbildung bei Diesel und Benzin ist ja - wenn man es nett ausdrücken will - ein wohl gehütetes Geheimnis. Man könnte auch sagen, extrem intransparent."

Er finde im Moment "keinen guten betriebswirtschaftlichen Grund für diesen Preissprung außer Gewinnmaximierung", so der SWR-Wirtschaftsredakteur.

Tankstellenverband wirft Mineralölkonzernen "Raubtierkapitalismus" vor

Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, Herbert Rabl, wirft den großen Mineralölkonzernen wie etwa Shell oder BP vor, bereits eingekauften und damit billigeren Kraftstoff in den Tanks nun zu überhöhten Preisen zu verkaufen.

Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch sagte Rabl, an den Zapfsäulen werde es in den kommenden Wochen einen großen Wettbewerb geben. "Die großen Marken haben den Tankrabatt fast oder ganz draufgehauen - die kleinen Marken ziehen nun nach. Wir erleben ein Tauziehen, wer sich durchsetzt."

Dadurch stiegen die Einnahmen der Mineralölkonzerne drastisch, so Rabl:

"Dass die mit so viel Chuzpe Kasse machen, habe ich überhaupt nicht für möglich gehalten."

Er wisse, dass die Mineralölkonzerne "ein bisschen raubtierkapitalistisch unterwegs" seien. "Aber dass die so hart drauf sind, habe auch ich nicht für möglich gehalten", so Rabl im SWR.

ADAC sieht keine Rechtfertigung für Spritpreissprung

Der Automobilclub ADAC zeigte zur Situation an Zapfsäulen am Donnerstagmorgen indes kein Verständnis. Im Tagesverlauf könnten die Spritpreise zwar noch stark schwanken, so eine ADAC-Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Angesichts voller Tanks an den Tankstellen, die bis gestern zu niedrigen Steuersätzen befüllt wurden, ist das gegenüber den Verbrauchern in keiner Weise zu rechtfertigen." Der Automobilclub verwies zudem darauf, dass die Preise in den vergangenen zwei Wochen bereits deutlich zugelegt hätten.

Auch für diese Preissteigerungen gebe es aus Sicht des ADAC in dieser Höhe keine Grundlage - "selbst dann nicht, wenn man Sonderfaktoren herausrechnet wie Transportschwierigkeiten oder Lieferengpässe", kritisierte der Autofahrerclub. Der ADAC berichtete zudem von Fällen, in denen Tankstellenbetreiber in den vergangenen Tagen Zapfsäulen gesperrt hätten, um nun zu höheren Preisen abzukassieren. Das sei "besonders unverschämt".

Während in Deutschland die Aufhebung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel in der Nacht zum Donnerstag endete, hat Frankreich seinen Nachlass auf Sprit erhöht. Statt bisher 18 Cent wird auf dem französischen Festland ein Preisnachlass von 30 Cent pro Liter Benzin oder Diesel gewährt. In Luxemburg kostete der Liter Diesel am Donnerstagmorgen um die 1,90 Euro.

BW-Busunternehmer sorgen sich um Dieselpreise

Die Busunternehmerinnen und -unternehmer in Südbaden sorgen sich nach dem Ende des Tankrabatts um die Dieselpreise. So rechnet das Unternehmen Rast-Reisen aus Hartheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) zum Jahresende mit über 100.000 Euro Mehrkosten. Inhaber Klaus-Dieter Sedelmeier befürchtet, dass die Spritpreise mittelfristig Konsequenzen für den Linienbusverkehr haben und beispielsweise der Sonntagsverkehr ausgedünnt werden muss.

Die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen unterstützen regionale Busunternehmen nun mit einer "Dieselhilfe". Unternehmen, deren Busse im Öffentlichen Nahverkehr oder im Schülerverkehr unterwegs sind, erhalten noch bis zum Jahresende einen Zuschuss von bis zu 16 Cent pro Kilometer. Insgesamt nehmen die beiden Landkreise dafür rund 1,7 Millionen Euro in die Hand. In Reutlingen drohten Busunternehmer kürzlich sogar mit einem Betriebsstopp, wenn ihr Landkreis sie nicht auch unterstützen sollte.

In Stuttgart und Umgebung erhöht der Verkehrsverbund VVS seine Ticketpreise. Wenn man sehe, wie die Energiepreise durch die Decke gingen, "Dieselpreise mit über 70 Prozent nicht mehr bezahlbar sind", sagt VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger, dann müsse man "vom Fahrgast einen Obolus holen, mit 4,9 Prozent unter der Inflationsrate". Ohne die Preiserhöhung - dieses Mal bereits nach neun statt wie sonst zwölf Monaten - wären viele Busunternehmen in ihrer Existenz bedroht.

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RLP/BW

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