Ein Zapfhahn wird von einer Hand nahe einer Zapfsäule an einer Tankstelle festgehalten. (Foto: IMAGO, IMAGO / Rolf Poss)

Ab 1. September keine Vergünstigung mehr an der Zapfsäule

Tankrabatt endet: Das hat die reduzierte Steuer auf Benzin und Diesel gebracht

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Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch Autor Bild (Foto: David-Pierce Brill)
Jochen Braitinger
Wolfgang Hörter

Drei Monate lang hat der deutsche Staat auf viel Geld aus den Steuern auf Benzin und Diesel verzichtet. Kam der Tankrabatt bei den Autofahrerinnen und -fahrern an - oder eher bei Mineralölkonzernen?

An der freien Tankstelle von Marco Ehmann in Weinsberg (Kreis Heilbronn) ist es voll. Ehmann rät seinen Kundinnen und Kunden, nochmal vollzutanken, bevor sich die Preise für Benzin und Diesel ab Donnerstag (1. September) wahrscheinlich auf deutlich über zwei Euro pro Liter einpendeln werden. Bereits eine Woche vor Ende des Rabatts stiegen die Preise spürbar.

Wenige Tage vor dem Ende des Tankrabatts haben vor allem freie Tankstellenbetreiber Probleme, an Kraftstoff zu kommen:

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Dann hat der deutsche Staat drei Monate lang auf viel Geld verzichtet. Wem hat der Tankrabatt genützt?

War der Tankrabatt eine echte Entlastung?

Hat die Ampelregierung mit dem Tankrabatt wirklich Autofahrerinnen und Autofahrer finanziell entlasten können? Oder war das Politik nach dem Gießkannenprinzip und ohne wirtschaftlichen Sachverstand? Oder anders gefragt: Floss das Geld statt in den Steuertopf auf die Konten der Mineralölkonzerne?

Seit 1. Juni wurden drei Monate lang 29,55 Cent weniger Energiesteuer auf Benzin und 14,04 Cent weniger auf Diesel erhoben. Damit sank auch die Mehrwertsteuer auf Sprit - insgesamt bis zu 35 Cent pro Liter Benzin und knapp 17 Cent pro Liter Diesel an Ersparnis hätten die Mineralölkonzerne an Autofahrerinnen und Autofahrer weitergeben können. Sie hätte der Tankrabatt als Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung entlasten sollen. Doch es kam - zumindest teilweise - anders.

Vor allem beim Diesel verpufft der Tankrabatt

Bis Ende Mai, kurz vor Einführung des Tankrabatts, sank der Preis für einen Liter Diesel leicht, während er für einen Liter Super stark stieg. Einen Tag vor Einführung des Tankrabatts lag er beim Super bei 2,18 Euro. Ein Liter Diesel kostete durchschnittlich 2,04 Euro. Dann kam der Tankrabatt und mit ihm der Preisfall um 10 Cent beim Liter Diesel und um satte 25 Cent für einen Liter Super.

Während der Preis für einen Liter Super dann durch den Tankrabatt weiter fiel, ist er beim Diesel über die vergangenen drei Monate trotz Rabatt auf einem relativ hohen Niveau geblieben. Bis er ab dem 11. August von 1,94 Euro bis Montag (29.8.) rapide auf 2,12 Euro stieg - ein Preisanstieg von über zehn Prozent innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen. Der Preis für einen Liter Super hingegen hat sich kaum verändert.

Wie sich die Preise für einen Liter Super und einen Liter Diesel im Durchschnitt seit Einführung des Tankrabatts tatsächlich entwickelt haben, zeigt SWR-Moderatorin Stephanie Haiber anhand einer Grafik:

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Tankkunde: Rentner und Pendler leiden unter hohen Spritpreisen

Zurück an der freien Tankstelle von Marco Ehmann in Weinsberg. Er glaubt, dass die Spritpreise in den nächsten Wochen stark steigen werden. Nach der letzten Lieferung erst musste er den Dieselpreis an seiner Tankstelle um weitere 15 Cent nach oben schrauben.

Tankkunde Oliver Haaß sagt: "Für die, die viel fahren, ist es ganz schlimm." Ein weiterer Kunde, Jürgen Schmitt aus Erlenbach-Binswangen (Kreis Heilbronn), sieht durch die wieder ansteigenden Spritpreise vor allem Rentnerinnen und Rentner sowie Pendlerinnen und Pendler betroffen, die auf das Auto angewiesen seien.

"Man muss sich bei den Spritpreisen wirklich gut überlegen, wo man überall noch hinfährt."

Und Kundin Anna Deleo sagt beim Blick auf den Preis ihrer Tankfüllung: "Ich werde in diesem Monat wahrscheinlich nicht mehr einkaufen können. Das Geld reicht nicht." Wurde durch den Tankrabatt insgesamt mehr Sprit und Diesel an den Tankstellen verkauft?

Peter Stahl vom Mineralölvertrieb Mast & Oehlert sagt: "Die Umsätze sind konstant geblieben. Es wurde weder weniger noch mehr getankt." Spürbar sei die gestiegene Nachfrage erst im Laufe der vergangenen Woche geworden. Da hätten die Menschen noch einmal deutlich mehr getankt und häufiger vollgetankt.

Wurde der Tankrabatt in vollem Umfang weitergegeben?

Bleibt die Frage, ob der Tankrabatt wirklich mehr war als eine staatliche Bezuschussung der Mineralölkonzerne. Haben die Unternehmen die Steuererleichterung in vollem Umfang an Tankstellen, Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben?

Ja, der Tankrabatt sei weitgehend weitergegeben worden, betont Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Das zeigten eine Reihe von Studien. Darin wurden die Spritpreise in Deutschland mit denen in Frankreich verglichen. War im Mai der Preis je Liter Benzin noch im Schnitt 13 Cent höher als in Frankreich, lag er im Juni - nach Einführung des Tankrabatts - drei Cent unter dem französischen Preisniveau.

Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, sagt im Gespräch mit SWR-Moderatorin Stephanie Haiber, dass der Tankrabatt vorübergehend etwas gebracht habe:

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Warum ist der Dieselpreis kaum gesunken?

Der Dieselpreis dagegen ist weitestgehend gleich geblieben - trotz Tankrabatt. Der Markt sei komplex und das Bundeskartellamt schaue sich das an, um zu sehen, ob da etwas falsch gelaufen sei, so Wambach. Eine Erklärung könnte sein, dass es zwischen Rohölpreisen und den Zahlen an der Zapfsäule noch einen weiteren Markt gebe: den Markt der Raffinerien, die das Rohöl verarbeiten, bevor es an die Tankstellen geht.

Der Raffineriemarkt habe seine eigenen Probleme, sagt Wambach. Russische und ukrainische Kapazitäten seien durch den russischen Angriffskrieg weggefallen. Aber auch schon vor dem Krieg hätten Raffinerien weniger Kraftstoff hergestellt - denn mittelfristig wird wegen der geplanten Verkehrswende weniger Benzin und Diesel verbraucht. "Deswegen sind Sie jetzt an der Kapazitätsgrenze, die produzieren was sie können, aber eben nicht mehr." Wenn dann die Nachfrage steigt, stiegen die Preise, so Wambach.

Kommt es jetzt zum sprunghaften Anstieg der Spritpreise?

Werden die Spritpreise am Donnerstag auf einen Schlag stark ansteigen, wenn am Donnerstag der Tankrabatt ausläuft? Der Automobilclub ADAC spricht davon, dass die Spritpreise "nicht zwangsläufig" zum 1. September sprunghaft steigen werden. Denn Tankstellen hätten ein wirtschaftliches Interesse daran, ihre Tanks noch im August mit niedrigversteuertem Kraftstoff zu füllen und diesen über den 1. September hinaus zu verkaufen. Mit niedrigeren Preisen als die Konkurrenz könnte sich manche Tankstelle einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und so höhere Gewinne erwirtschaften. Laut Wirtschaftsexperte Achim Wambach wird der Preisanstieg aber trotzdem schnell kommen. Auch er betont aber den Spielraum der Tankstellen, weil die Energiesteuer zuerst woanders in der Lieferkette anfalle. Tankstellen könnten also noch einige Tage Benzin oder Diesel anbieten, das sie günstiger eingekauft haben.

Übrigens: Im Nachbarland Frankreich will die Regierung pünktlich zum Ende des deutschen Tankrabatts die Kraftstoffpreise um bis zu dreißig Cent senken.

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