Archivbild: Winfried Kretschmann (Grüne) steht bei einer Besichtigung einer Baustelle einer Windkraftanlage vor einem schon gebauten Windrad. (Mai 2023)

45 Windkraftanlagen in zwei Jahren gebaut

BW-Regierung lobt ihre Windkraft-Taskforce - Branchenverband zurückhaltend

Stand

Die Landesregierung hat die Arbeit einer Taskforce zum schnelleren Windkraftausbau abgeschlossen. Ministerpräsident Kretschmann hat die Halbierung der Planungsverfahren auf dreieinhalb Jahre als Erfolg bezeichnet.

Schnellere Genehmigungsverfahren und mehr Fläche für Windkraftanlagen - damit will Baden-Württemberg den Ausbau der erneuerbaren Energien im Land voranbringen. Im Oktober 2021 hatte die Landesregierung dazu die Einrichtung einer Taskforce beschlossen. Diese hat nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist mit dem Projekt zufrieden und sieht darin eine mögliche "Blaupause für andere Infrastrukturprojekte". Jetzt gehe es darum, "die neue Geschwindigkeit auf die Straße zu bringen".

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Verfahrenszeiten für Windräder in BW halbiert

Bis zu 1.000 neue Windräder hatte Kretschmann bis zum Ende dieser Legislaturperiode angekündigt. 45 Windkraftanlagen sind in den letzten zwei Jahren tatsächlich gebaut worden. Ein Hindernis dürften die langen Verfahrens- und Genehmigungszeiten gewesen sein. Nach Angaben der Taskforce wurden diese nun halbiert - von bisher sieben auf dreieinhalb Jahre. Ab 2025 soll das Genehmigungsverfahren dann vollständig digital möglich sein, so der Leiter der Taskforce, Florian Stegmann.

Auch sei mehr Fläche für den Bau von Windkraftanlagen zu Verfügung gestellt worden. Bis 2025 hat sich die grün-schwarze Koalition zum Ziel gesetzt, mindestens zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik zu reservieren. Wie viele Windkraftanlagen am Ende tatsächlich gebaut werden, werde man sehen, so Kretschmann. "Möglichst viele", sei das Ziel, er hofft auf 100 pro Jahr ab 2025. Er sei aber "kein Prophet, sondern Ministerpräsident" und das Land baue nicht selber, sondern könne nur die Rahmenbedingungen festlegen.

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Umweltministerin sieht Ausbau der Windkraft auf gutem Weg

Im laufenden Jahr wurden laut Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) nur fünf neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. 17 weitere seien bislang neu genehmigt worden, 110 Genehmigungsverfahren liefen derzeit. "Es liegt in der Natur der Sache, dass es am Anfang noch ein bisschen zäh ist", warb sie um Geduld.

Landesweit spüre sie ein "sehr großes Interesse". "Der Wind hat sich buchstäblich gedreht in Baden-Württemberg", sagte sie. Dazu hätten auch die Ereignisse des vergangenen Jahres beigetragen. Man brauche eine sichere Energieversorgung und die sicherste sei die, die durch erneuerbare nah vor Ort organisiert werden könne. Aus ihrer Sicht sei kein Rückschritt mehr zu erwarten.

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Branchenverband fordert weiteren Abbau von Hürden

Der Branchenverband "Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg" zeigt sich zurückhaltender als die Regierung. Die Taskforce habe zwar viel angestoßen. Wie erfolgreich sie gewesen sei, werde sich aber an den Zahlen neuer Anlagen der kommenden Jahre messen, sagte der Vorsitzende Jörg Dürr-Pucher. "Gerade der viel besungene Rückenwind für die Windenergie bleibt bisher leider aus", kritisierte er.

BUND: Artenschutz dürfe nicht unter die Räder kommen

Der Verband forderte unter anderem weitere Änderungen beim Schutz des Auerhuhns, beim Denkmalschutz und dem Luftverkehr, aber auch bei den Netzanschlüssen. Sonst werde der Ausbau der Windenergie blockiert, sagte Dürr-Pucher. Naturschützer sehen das anders: Bei der Energiewende dürfe der Natur- und Artenschutz nicht unter die Räder kommen, sagte Sylvia Pilarsky-Grosch, die Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg. "Eine intakte Natur ist zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen ebenso wichtig wie ein möglichst stabiles Klimasystem."

Bis 2040 will Baden-Württemberg klimaneutral werden. Im Frühjahr kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu dem Schluss, das die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Landesregierung dafür nicht ausreichen.

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