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Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen

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AUTOR/IN
Simone de Beauvoir

Sylvie, ein Mädchen im Alter von etwa zehn Jahren, bewundert und begehrt ihre Klassenkameradin Andrée. Der Mut, die Unkonventionalität, die Unabhängigkeit Andrées ziehen Sylvie an. Es ist nicht von Freundschaft die Rede, sondern von Liebe.

Für Andrée gibt es ein reales Vorbild: Élisabeth Lacoin, Zaza genannt, ist Simone de Beauvoirs Mitschülerin an der katholischen Schule, die beide besuchen. Sylvie alias Simone wirbt um die Gunst der von ihr verehrten Mitschülerin und ist gleichzeitig stets in Sorge, das Falsche zu sagen, auch in dem Wissen, dass ihre Zuneigung nicht so erwidert werden wird, wie sie selbst es sich wünscht.

Zaza starb im Jahr 1929 im Alter von 21 Jahren – ein Schicksalsschlag, von der sich wie ihre Adoptivtochter und Nachlassverwalterin Sylvie Le Bon de Beauvoir schreibt, Simone nie erholt hat.

Es ist bis heute ungeklärt, warum die französische Feministin diesen schmalen, 1954 abgeschlossenen Roman niemals zu Lebzeiten veröffentlicht hat. Gerüchteweise gab es in ihrem Umfeld Stimmen, die ihr davon abrieten, einen derart persönlichen, ja intimen Text der Leserschaft zugänglich zu machen.

„Die Unzertrennlichen“ ist ein berührendes Buch, das die elementaren Lebensgegensätze von persönlicher Freiheit und Konformismus, Liberalität und Katholizismus vor Augen führt.

Buchkritik Simone de Beauvoir – Die Unzertrennlichen

Was passiert, wenn Eltern ihrer Tochter verbieten, ein eigenes Leben zu führen? Das Mädchen gerät in Konflikt mit seinem Wunsch. Dies ist eine der Urszenen, aus denen die Frauenbewegung entstanden ist. Eine ihrer Wortführerinnen: Simone de Beauvoir. Von solch einer Urszene handelt auch der Roman „Die Unzertrennlichen“, der in Simone de Beauvoirs Nachlass gefunden wurde.
Rezension von Brigitte Neumann.
Übersetzt von Amelie Thoma
Rowohlt Verlag, 144 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-498-00225-1

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