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1. STEN NADOLNY: Weitlings Sommerfrische
(-) Roman. Piper Verlag, 224 Seiten, € 16,99*

Wilhelm Weitling, ein Richter im Ruhestand, geht segeln – da geschieht das Unglück, das vielleicht ein spätes Glück ist: Ein Unwetter verschlägt ihn durch die Zeit, ins Jahr 1958, und er, der alte Mann, beobachtet plötzlich seine eigene Jugend "als Geist, als körperloses Geheimgehirn, das sich nicht mitteilen kann, auch nicht dem Jungen". Ein Roman vom Erwachsenwerden, ein Alterswerk vom Entdecker der Langsamkeit.

2. VIRGINIA WOOLF: Augenblicke des Daseins
(10.) Autobiographische Skizzen
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek. S. Fischer Verlag, 272 Seiten, € 26,00**

Sie sieht sich als Snob, weil sie den alten Adel so liebt. Und sie mag die Gesellschaft von Homosexuellen und bekennt sich zu dieser Sympathie. Die Selbstauskünfte von Virginia Woolf liefern Gründe genug, warum sich die Autorin von "Orlando" und "Mrs Dalloway" als "ständig im Ausbruch befindlichen Vulkan" empfindet.

3. PATRICIA GÖRG: Handbuch der Erfolglosen
(-) Jahrgang zweitausendundelf
Berlin Verlag, 224 Seiten, € 19,90**

2011 ist vorbei, aus den Augen, aus dem Sinn. Patricia Görg hat Tagebuch geführt – und man fragt sich: War da was? Der Verteidigungsminister ist zurückgetreten. Es gab Überschwemmungen. Und jemand versucht, für zwei Cent die ganze Realität zu kaufen.

4. HELON HABILA: Öl auf Wasser
(-) Roman. Aus dem Englischen von Thomas Brückner.
Verlag Das Wunderhorn, 240 Seiten, € 24,80*

"Auf der Suche nach der großen Story gerät ein nigerianischer Journalist in die brutale Unübersichtlichkeit der afrikanischen Gegenwart: Rebellentruppen, Ölkonzerne, Fischer im Nigerdelta und lokale Politiker kämpfen mit ungleichen Waffen. Habilas Sprache ist reich und präzise, seine Geschichte spannungsgeladen, berührend und klug erzählt. Ein aufklärender Roman in der Tradition Graham Greenes." (Elke Schmitter)

5. ARTHUR SCHNITZLER: Träume
(-) Das Traumtagebuch 1875-1931
Wallstein Verlag, 493 Seiten, € 34,90**

"Neulich ein Traum: Eine große Spinne, die mir den Bleistift wegträgt." – 600 Traumprotokolle des großen österreichischen Dramatikers. Er wollte sie selbst aus Dutzenden von Tagebüchern zusammenstellen. Doch dazu ist es nie gekommen - bis jetzt. Die abenteuerlichen, klugen, verräterischen und obsessiven Träume eines Autors, vor dessen psychologischem Talent Sigmund Freud eine "Doppelgängerscheu" entwickelte.

6. ROR WOLF: Die Vorzüge der Dunkelheit
(-) Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen
Horrorroman. Verlag Schöffling & Co., 272 Seiten, € 24,95**

Ror Wolfs Horrorroman - schon der Titel ist ein Sprachwitz. Das Buch erzählt die amüsant-verstörende Reise eines namenlosen Helden um die Welt. In den 70er Jahren wurde Wolf durch seine Fußball-Radiocollagen bekannt. Passend zur EM wie zum 80. Geburtstag erscheint sein reich illustrierter Roman: "Ich lag da und wusste nicht, wer ich war. Ich erinnerte mich nicht an mich..."

7. HELMUT KUHN: Gehwegschäden
(-) Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 439 Seiten, € 22,90*

Viel Alkohol, wenig Geld, viel Verstand, wenig Ziele. Helmut Kuhns Held streift als mittelloser Journalist durch das Berlin von heute, versucht sich als Schachboxer und langweilt sich auf Swingerpartys. Nur ein altes jüdisches Kaufhaus hat es ihm wirklich angetan. Thomas Frantz recherchiert.

8. CHINUA ACHEBE: Alles zerfällt
(-) Roman. Aus dem Englischen von Uda Strätling.
S. Fischer Verlag, 240 Seiten, € 19,99**

Okonkwo ist ein stolzer Krieger Nigerias, aber leider auch ein ziemliches Großmaul. Die Geschichte seines Falls zu Beginn der Kolonialzeit erzählt Chinua Achebe, der Friedenspreisträger von 2002. 1958 erschien dieser Roman - ein halbes Jahrhundert später ist "Alles zerfällt" ein Klassiker.

9. ARNO CAMENISCH: Ustrinkata
(-) Engeler-Verlag, 100 Seiten, € 17,00**

"Von Zeit zu Zeit einen Hirsch nach Hause bringen und auf den Küchentisch abstellen, da braucht es keine Worte, sagt der Luis, das ist wohl Liebe genug." – So sitzen sie in der Gaststube, die Helden von Arno Camenisch. Sie sind – dem Autor sei Dank - begnadete Geschichtenerzähler und begründen vielleicht eine neue Form der Heimatliteratur.

10.-11. RAYMOND CARVER: Beginners
(-) Uncut – Die Originalfassung
Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié.
S. Fischer Verlag, 368 Seiten, € 21,99**

"Der echte, unlektorierte Carver ist umwerfend - weniger cool, dafür viel lebendiger, dramatischer, widersprüchlicher als der Kultautor, den wir bisher kannten." (Iris Radisch)

10.-11. PHILIPP SCHÖNTHALER: Nach oben ist das Leben offen
(-)Erzählungen. Matthes & Seitz Berlin, 201 Seiten, € 19,90**

Tiefseetaucher oder Bergsteiger - alles andere ist flach.
Philipp Schönthaler beschreibt die Überlebensstrategien der Gegenwart, die Selbstoptimierungsexzesse und Fluchtstrategien. Seine Figuren besuchen Sportstudios und Shopping Malls: "der körper ist wie ein bankkonto; nur wer einzahlt kann auch abheben".


Persönliche Empfehlung im Juli/August von Rainer Schmitz (München):

ELISABETH TOVA BAILEY: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Roman. Aus dem Englischen von Kathrin Razum.
Verlag Nagel & Kimche, 176 Seiten, € 16,90

"Eine kleine Schnecke in einem Blumentopf fesselt die Aufmerksamkeit der Autorin, die durch eine tückische Infektion für lange Zeit ans Bett gefesselt ist. In der ihr aufgezwungenen Perspektive entdeckt sie mit wachsendem Staunen deren Individualität, ja Persönlichkeit. Ihr Erfahrungsbericht, in dem ein zarter, dem Leben zugewandter Ton herrscht, ist eine selten glückliche Verbindung zwischen naturwissenschaftlicher und poetischer Weltbetrachtung." (Rainer Schmitz)

 

*** (vermutlich) schwierigere Lektüre

** (vermutlich) mittelschwere Lektüre

* (vermutlich) leichtere Lektüre   

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