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Erstmals erhalten zwei Filme den Deutschen Dokumentarfilmpreis: „Lovemobil“ von Elke Margarete Lehrenkrauss und „Eine Klinik im Untergrund - The Cave“ von Feras Fayyad.

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Die Jury des SWR Doku Festivals 2020 fand die Dokumentarfilme so beeindruckend, dass sie beide mit dem Hauptpreis des Festivals ausgezeichnet hat. Fayyad und Lehrenkrauss teilen sich die Siegprämie von 20.000 Euro. Der Deutsche Dokumentarfilmpreis ist vom SWR und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gestiftet. Normalerweise findet das SWR Doku Festival in Stuttgart als öffentliche Veranstaltung statt, dieses Jahr aber ausschließlich digital.

Gewinner-Dokumentarfilme und nahezu alle nominierten Filme waren zwischen dem 1. und dem 3. Juli online auf SWR.de/dokufestival zu sehen.

„Lovemobil“ von Elke Lehrenkrauss: Prostitution im Wohnmobil am Straßenrand

„Das Alltägliche sichtbar machen - anhalten, wo man jeden Tag vorbeifährt - aussteigen, nachfragen, hinhören und hinschauen, wo man lieber wegschaut.“ So begründet die Jury ihre Auszeichnung für „Lovemobil“. Für den Dokumentarfilm tauchte Elke Margarete Lehrenkrauss drei Jahre lang in die Welt von Prostituierten in ihren Wohnmobilen am Straßenrand ein und gewann ihr Vertrauen. Laut Jury ist die Doku geprägt von menschlichem und filmischem Feingefühl: „ein zurückhaltendes und gleichzeitig konsequentes und mutiges Vortasten auf der visuellen und inhaltlichen Ebene.“

Die Preisverleihung:

„The Cave“ von Feras Fayyad: eine geheime Klinik in Syrien

Dokumentarfilmer Feras Fayyad zeigt in „Eine Klinik im Untergrund - The Cave“ eine geheime Klinik unter der Erde im syrischen Kriegsgebiet, geleitet von der Ärztin Dr. Amani Ballour. Kinder mit Bombensplittern und Opfer von Chlorgasattacken - der Krieg zeige sich hier in seiner sinnlosen Rohheit, meint die Jury. Doch der Film thematisiere auch, wie Humanität gewahrt werde. Er sei „zutiefst berührend und intelligent, weil er uns alle miteinbezieht. Zusammen mit der Ärztin taucht der Zuschauer hinab in den Untergrund, wo sie und ihr Team um die Leben der Menschen kämpfen.“

Die Preisverleihung:

Norbert-Daldrop-Preis: „Paris Calligrammes“ von Ulrike Ottinger

Das künstlerische Paris der sechziger Jahre und deren eigene Ära sowohl in der Kunst als auch in der Politik zeigt der Dokumentarfilm „Paris Calligrammes“ von Ulrike Ottinger. Die schon mehrfach ausgezeichnete gebürtige Konstanzerin erhält den mit 5.000 Euro dotierten Norbert-Daldrop-Preis. Er wird jährlich für ein Porträt über einen Künstler*in oder die Entstehung eines Kunstwerks vergeben.

Christiane Lange, Direktorin der Stuttgarter Staatsgalerie, lobt im Namen der Jury, dass Ottinger erneut ein Meisterwerk gelungen sei: „Sie erinnert sich an ihre Anfänge als junge Künstlerin und zeichnet gleichzeitig das Porträt einer Stadt und einer ganzen Ära. Mit der Kamera kehrt sie ein halbes Jahrhundert später hierher zurück und verwebt Gegenwart und Vergangenheit.“

Die Preisverleihung:

Musik-Dokumentarfilmpreis: „Die Liebe frisst das Leben…“ über Tobias Gruben

Die Geschichte der unvollendeten Musiker-Karriere von Tobias Gruben erzählt Oliver Schwabe in seinem Dokumentarfilm „Die Liebe frisst das Leben…“. Vor mehr als 20 Jahren starb Gruben kurz vor seinem kommerziellen Durchbruch an einer Überdosis. Der Film erzählt auch vom Kampf eines Sohnes um die Anerkennung seines Vaters. Schwabe hat dafür nun den Musik-Dokumentarfilmpreis bekommen mit einem Preisgeld von 5.000 Euro, gestiftet von der Opus GmbH.

Fola Dada und Lutz Gregor von der Jury loben, dass diese Doku nicht nur „brilliant gefilmt“ worden sei. Der Plot erzeuge mit „elektrisierenden Inspirationen und berührenden Emotionen“ einen „intensiven Sog in die Geschichte und die Welt des Sängers und Komponisten.“ Alles sei so hinreißend erzählt, „dass der Schmerz über den Verlust dieses Künstlers noch Tage später anhält.“

Die Preisverleihung:

Förderpreis: „Lost in Face“ von Valentin Riedl über Gesichtsblindheit

Carlotta leidet an Gesichtsblindheit und kann keine Gesichter erkennen – nicht einmal ihr eigenes im Spiegel. Darüber hat der Hirnforscher und Dokumentarfilmer Valentin Riedl seinen einfühlsamen Dokumentarfilm „Lost in Face“ gedreht. Dafür ist er auf dem SWR Doku Festival mit dem Förderpreis ausgezeichnet worden. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro, gestiftet vom Haus des Dokumentarfilms - Europäisches Medienforum e.V.

Die Jury bewertet den Dokumentarfilm als „Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Kunst, und genau das macht diesen Film so spannend.“ Riedl kombiniere die „manchmal verstörenden, faszinierenden und auch sanften Porträts seiner Protagonistin mit einer animierten Seelenlandschaft“, die Carlottas Reise zu sich selbst und den Menschen zeige.

Die Preisverleihung:

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