EMA empfielt Zulassung von Corona-Impfstoff Novavax (Foto: imago images,  imago images/imagebroker)

Corona-Impfung

Novavax-Impfstoff für Mitte Februar angekündigt

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

In Deutschland ist die Hoffnung groß, dass sich mit der Zulassung des Proteinimpfstoffes von Novavax zahlreiche Ungeimpfte von der Schutzimpfung gegen Corona überzeugen lassen. Doch wann ist es so weit? Und was muss man sonst über den Impfstoff wissen?

Audio herunterladen (6 MB | MP3)

Wann wird Novavax ausgeliefert?

Das Lieferdatum für Novavax steht fest. Ab dem 21. Februar 2022 soll der Impfstoff in Deutschland verfügbar sein, insgesamt fünf Millionen Dosen sind für dieses Jahr bestellt. Schon ab kommenden Montag, 24. Januar, können sich Menschen in Rheinland-Pfalz für eine Impfung mit Novavax anmelden, das hat der dortige Gesundheitsminister angekündigt.

Ist Novavax ein "Totimpfstoff"?

Der Novavax-Impfstoff basiert auf einer bereits bei Grippeimpfstoffen bewährten Technik. Viele bezeichnen den jetzt von der EMA zur Zulassung empfohlenen Impfstoff von Novavax als "Totimpfstoff". Das ist ziemlich ungenau, denn es ist ein Impfstoff auf Protein-Basis. Was stimmt ist, dass er mit einer anderen Technik arbeitet als die bisher zugelassenen mRNA- und Vektor-Impfstoffe.

EMA empfielt Zulassung von Corona-Impfstoff Novavax (Foto: imago images, imago images/Sven Simon)
Ein weiterer Vorteil des Corona-Impfstoffs Novavax: Er muss nicht so stark gekühlt werden wie beispielsweise die mRNA-basierten Impfstoffe. imago images/Sven Simon

Was unterscheidet Novavax von den bisher verfügbaren Impfstoffen?

Alle bisher zugelassenen Impfstoffe benutzen zur Abwehr des Coronavirus das stachelige Spike-Protein, dass das Virus umhüllt. Denn das Spike-Protein hilft SARS-CoV-2 an die Zellen des menschlichen Körpers anzudocken. Auch Novavax setzt da an.

Doch die mRNA- und Vektorimpfstoffe schleusen nur den Bauplan für das Spike-Protein ein. Das muss unser Körper zunächst selbst bilden und in der Folge dann Antikörper dagegen entwickeln. Der Impfstoff von Novavax enthält dagegen direkt winzige Nanopartikel des künstlich hergestellten Spike-Proteins, das mit künstlichen Lipid-Nanopartikeln kombiniert wird.

Das für das Coronavirus charakteristische Spike-Protein spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen. (Foto: imago images, imago images/MiS)
Das für das Coronavirus charakteristische Spike-Protein spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen. imago images/MiS

Benötigt der Novavax-Impfstoff Wirkverstärker?

Allerdings reagiert unser Immunsystem auf den Protein-Impfstoff nicht so stark wie auf die mRNA- und Vektor-Impfstoffe, deshalb wird den Protein-Impfstoffen ein Wirkstoffverstärker zugesetzt. Beim Novavax-Impfstoff sind dies Nanopartikel, die unter anderem aus dem Rindenextrakt des chilenischen Seifenrindenbaumes hergestellt werden.

DIe Nanopartikel, die die Wirkung des Novavax-Vaccins verstärken sollen, werden aus dem Rindenextrakt des chilenischen Seifenrindenbaumes hergestellt. (Foto: imago images, imago/Joann Randles/Cover-Images.com)
DIe Nanopartikel, die die Wirkung des Novavax-Vaccins verstärken sollen, werden aus dem Rindenextrakt des chilenischen Seifenrindenbaumes hergestellt. imago/Joann Randles/Cover-Images.com

Wie gut schützt Novavax gegen die Delta- und Omikron-Varianten?

Nach den bisher bekannten Studiendaten wurde Novavax vor allem gegen die Alphavariante des Corona-Virus getestet. Da war die Wirksamkeit mit etwa 90 Prozent gut. Auch gegen die Delta-Variante soll der Novavax noch ausreichend gut schützen, dann allerdings nur als Dreifachimpfung. In Bezug auf Omikron liegen bisher nur eingeschränkte Beobachtungsdaten vor. Diese deuten aber darauf hin, dass Novavax weniger gut vor dem mutierten Virus schützt als die bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe. Christian Drosten gibt in einem Interview im Tagesspiegel an, dass er davon ausgehe, dass Proteinimpfstoffe viel schlechter vor einem schweren Verlauf schützen, gerade bei Omikron.

Audio herunterladen (2,4 MB | MP3)

Unser Immunsystem wehrt sich auf zwei Ebenen gegen gefährliche Erreger: zum einen mit Antikörpern. Zum anderen über T-Zellen und andere Schlüsselzellen des Immunsystems. Die Antikörperbildung funktioniert bei Novavax sehr gut. Aber das zelluläre Immunsystem wird laut Drosten viel weniger angeregt als zum Beispiel bei Biontech, Moderna oder Astra Zeneca. Das spricht gegen Novavax, denn diese zelluläre Immunabwehr bleibt langfristig aktiv und schützt viel besser vor neuen Varianten.

Eine dritte Impfung sechs Monate nach der ersten erhöht allerdings den Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante ersten Studien zufolge deutlich. Wie auch die anderen bereits zugelassenen Impfstoffe muss Novavax gegen die Omikron-Variante erst noch richtig angepasst werden.

Wie gut Novavax gegen die Omikron-Variante schützt, muss erst noch weiter erforscht werden.  (Foto: imago images, imago images/VWPics)
Erste Studien zeigen, dass auch bei Novavax eine dritte Impfung sinnvoll ist. imago images/VWPics

Novavax arbeitet an einer neuen Impfstoffversion, die auch vor Omikron schützen soll, aber es wird vermutlich noch Monate dauern, bis ein angepasster Proteinimpfstoff zugelassen wird.

Was weiß man über die Nebenwirkungen von Novavax?

Generell ist die Impfung mit dem Impfstoff von Novavax in der Studie mit 39.000 Probanden gut vertragen worden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten über übliche Nebenwirkungen, die auch bei den bereits zugelassenen Impfstoffen auftreten, wie zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen.

Bisher habe es aber keine Fälle von Blutgerinnseln oder Herzproblemen gegeben, allrdings liegen dazu auch noch zu wenige Daten vor. Deshalb können sehr seltene Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen wie bei den mRNA-Impfstoffen noch nicht ausgeschlossen werden können.

Derzeit gibt es noch wenig Erkenntnisse zu möglichen Nebenwirkungen zum Beispiel auch in Bezug auf ein erhöhtes Risiko für Herzmuskelentzündungen. (Foto: imago images, imago images/bluebay2014)
Derzeit gibt es noch wenig Erkenntnisse zu möglichen Nebenwirkungen zum Beispiel auch in Bezug auf ein erhöhtes Risiko für Herzmuskelentzündungen. imago images/bluebay2014

Welche Vor- und Nachteile hat Novavax gegenüber anderen Impfstoffen?

Novavax gilt als Hoffnungsimpfstoff für die ärmeren Länder: Denn der Impfstoff ist gut lagerfähig, muss nur moderat - von 2 bis 8 Grad - gekühlt werden und ist offenbar extrem lange haltbar.

Protein- und Totimpfstoffe haben den Nachteil, dass die Wirkverstärker, die sie brauchen, auch Nebenwirkungen auslösen können. Bisher ist dazu aber nichts bekannt.

Sollte man sich mit Novavax boostern lassen?

Bisher empfehlen die Experten ausdrücklich nur mRNA-Impfstoffe zum Boostern. Eine Studie im Fachmagazin Lancet hat kürzlich Novavax als Booster mit anderen Impfstoffen verglichen: Da schnitt der Proteinimpfstoff nach zweimal Biontech genauso gut ab wie Astra Zeneca und Johnson und Johnson. Noch sehr viel besser war aber das Ergebnis nach einem Booster mit Biontech oder Moderna. Omikron spielte bei dieser Untersuchung übrigens noch keine Rolle.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG