STAND
AUTOR/IN
Dauer

Da ist tatsächlich was dran. Es geht dabei um sogenannte Casomorphine. Das sind Stoffe, die beim Abbau von Kasein – einem Bestandteil von Milcheiweiß – entstehen. Sie gehören zu den Peptiden. Diese Morphine haben eine opiatähnliche Wirkung. Morphin ist nur die neuere Bezeichnung für Morphium.

Milch trotz Casomorphinen als Rauschmittel ungeeignet

Allerdings sagt die Alltagserfahrung, dass sich Milch als Rauschmittel nicht wirklich eignet – und das deutet ja schon darauf hin, dass die Mengen sich in Grenzen halten. In Käse und Schokolade ist die Konzentration schon ein bisschen höher, aber natürlich noch immer weit unterhalb dessen, was unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würde.

Haben also rein von den Fakten her Veganer-Seiten im Internet recht? Die Aussage: Milch enthält Morphium ist nicht falsch. Nur wäre es etwas schief, daraus ein Argument gegen Milch und für vegane Ernährung zu konstruieren.

Ähnliche Morphine finden sich auch in Getreide

Zum einen gibt es ähnliche Morphine auch in Getreide. Dort sind es die Abbauprodukte vom Gluten; sie heißen entsprechend Gluteomorphine. Wenn man Mehlprodukte isst, nimmt man im Verhältnis mehr Mophin zu sich, als wenn man Milch trinkt.

Muttermilch wirkt beruhigend

Außerdem kommen diese Morphine nicht nur in der Kuhmilch vor, sondern auch in der Muttermilch. Forscher vermuten sogar, dass es unter anderem diese Casomorphine sind, weshalb Muttermilch auf Säuglinge so wirkt, wie sie wirkt: Beruhigend, vielleicht auch ein bisschen beglückend und übrigens auch schmerzlindernd. Dafür wird Morphium ja auch in der Medizin eingesetzt. Zur Bekämpfung unerträglicher Schmerzen. Die winzige Dosis in der Milch bzw. der Muttermilch könnte somit auch ein paar Schmerzen lindern.

Genaue Zusammenhänge bei Schizophrenie und Autismus noch unklar

Allerdings haben diese Morphine in der Milch und im Mehl möglicherweise auf manche Menschen auch negative Wirkungen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich bei schizophrenen Patienten der Zustand bessert, wenn sie auf milch- und glutenhaltige Nahrung verzichten. Ähnliches glauben Forscher bei Autisten beobachtet zu haben. Zwar kann man nicht sagen, dass diese Morphine Autismus und Schizophrenie "auslösen" – da spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle, aber sie können anscheinend die Symptome verstärken. So richtig viel weiß die Wissenschaft darüber allerdings noch nicht.