Ein Mädchen zieht einen Wagen, auf dem eine frisch gefällter Weihnachtsbaum liegt.

Zwei Minuten: Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Weihnachtsbäume und Notlügen

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Jan Seidel

Die Inflation ist zuletzt etwas zurückgegangen. Trotzdem: Auch an Weihnachten werden wir wohl ein bisschen mehr ausgeben als beim letzten Mal. Müssen wir aber nicht, meint Jan Seidel.

Tannenbäume werden dieses Jahr vermutlich deutlich teurer. Das hat der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrün-Erzeuger bekanntgegeben. Er begründet das mit der hohen Inflation in der letzten Zeit. Ich war zuerst etwas überrascht, weil meines Wissens Bäume in der Erde stecken und dann so vor sich hin wachsen. Regen gab es dieses Jahr genug, der ist kostenfrei – und die Luft kam auch weiterhin gratis. Dann ist mir eingefallen, dass Bäume ja auch gefällt werden müssen und transportiert und verkauft – und dass hier wahrscheinlich die gestiegenen Löhne ins Spiel kommen.

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Kein Festkleben, kein Weihnachtswumms

Nach den Erfahrungen der letzten Zeit bin ich ein bisschen überrascht, dass sich auch mehrere Tage nach dieser Nachricht noch keine Interessengruppe ernsthaft dazu geäußert hat. Niemand hat sich an einem Baum festgeklebt, um das Fällen zu verhindern. Niemand hat darauf hingewiesen, dass auch in der Flora das generische Maskulinum gelten sollte. Und niemand hat Pelletheizungen ins Spiel gebracht. Investmentbanker, Rückversicherer oder Illuminaten sind bisher nicht für den Preisanstieg verantwortlich gemacht worden – und die Bundesregierung hat bisher weder über den Mehrwertsteuersatz auf Weihnachtsbäume diskutiert, noch hat sie ein Konjunkturprogramm Weihnachtswumms ins Spiel gebracht.

Jan Seidel steht im Gang eines SWR-Gebäudes
Die Meinung von Jan Seidel

Schlagartiger Einbruch der Nachfrage

Das Gute: Nach meiner Erfahrung kann man der Inflation beim Weihnachtsbaumkauf mit etwas Eigeninitiative gut entgegenwirken. Denn theoretisch bricht die Nachfrage nach Weihnachtsbäumen am späten Nachmittag des 24. Dezember schlagartig zusammen. Der Markt kollabiert – und bei jedem Weihnachtsbaumstand herrscht in der Folge ein massives Überangebot. Das muss sich in der Theorie zwingend auf den Preis auswirken – und zwar zu Ihren Gunsten als Käufer. Diese Erkenntnis müssen Sie dann nur noch dem Weihnachtsbaumverkäufer nahebringen. Wenn Sie mich fragen: Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Und wenn es nicht klappt, wenn der Weihnachtsbaumverkäufer hart bleibt, dann sagen Sie halt Ihren Freunden: "Ach, wir wollten dieses Jahr keinen. Die armen Bäume." Ich glaube, das geht auch zu Weihnachten als Notlüge durch.

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