Eine Aidsschleife und Kondome liegen auf einem Leuchttisch (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Kondome, rote Schleife, Impfung

Welt-AIDS-Tag: Warum AIDS 2022 immer noch Thema ist

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Zugegeben, Corona war in den letzten Jahren ganz oben, wenn es um ein Virus ging, das die ganze Welt in Atem hält. Und AIDS? Auch immer noch da. Leider.

Klimawandel, Corona, Krieg, Hunger, Massenflucht: An Krisen mangelt es uns derzeit nicht. Da kann es leicht vorkommen, dass Jahrzehnte alte Krisen aus dem Fokus rücken - wie etwa AIDS und HIV.

Höchste Zeit also, sich mal wieder dem Thema zu nähern, an diesem 1. Dezember, dem Welt-AIDS-Tag 2022.

Warum brauchen wir einen Welt-AIDS-Tag?

Der 1. Dezember ist dazu da, das Spotlight mal wieder gezielt auf AIDS zu richten und die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Schließlich werden Menschen mit AIDS oft noch ausgegrenzt oder diskriminiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Jahr 1988 den ersten Welt-AIDS-Tag ins Leben gerufen. Auf der ganzen Welt erinnern dann Organisationen an das Thema AIDS und bringen es wieder ins Bewusstsein.

Und so hat das damalige SWF Fernsehen vor genau 30 Jahren über den Welt-AIDS-Tag berichtet, am 1.12.1992.

Was genau ist AIDS?

AIDS steht für "Acquired Immune Deficiency Syndrome", was soviel wie "Erworbenes Immunschwächesyndrom" bedeutet. Wer AIDS hat, leidet also unter einem Immundefekt. Menschen mit AIDS erkranken häufig an Lungenentzündungen und Pilzerkrankungen. Zum ersten Mal diagnostiziert wurde AIDS im Jahr 1981. Unbehandelt ist AIDS meist tödlich.

Was ist HIV?

HIV ist ein Virus, das "Human Immunodeficiency Virus". Eine Infektion mit diesem Virus schädigt oder zerstört bestimmte Zellen der Immunabwehr. Es macht so den Körper anfällig für Erkrankungen, die bei Menschen, die dieses Virus nicht haben, in der Regel eher unproblematisch verlaufen. Wenn AIDS also die Krankheit ist, ist HIV das Virus, das sie auslöst. Wer das HI-Virus in sich trägt, muss aber nicht zwangsläufig sofort an AIDS erkranken.

Symbol der Solidarität - die rote AIDS-Schleife (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa/dpaweb | Patrick_Seeger)
Die rote Schleife als Symbol der Soldiarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken picture-alliance / dpa/dpaweb | Patrick_Seeger

Wie viele Menschen in Deutschland haben HIV?

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass Ende 2021 etwa 90.800 Menschen in Deutschland mit einer HIV-Infektion leben. Schätzungsweise bei jedem zehnten sei die Infektion noch nicht diagnostiziert. Neu infiziert haben sich nach RKI-Angaben im Jahr 2021 etwa 1.800 Menschen.

Die Schätzung des RKI steht unter dem Vorbehalt, dass während der Corona-Pandemie vermutlich weniger Menschen eine Testmöglichkeit wahrgenommen hatten.

Spitzenwerte hatten die jährlichen Neuinfektionen in den 1980er Jahren erreicht - mit Werten mit teils mehr als 5.000. Danach waren die Zahlen bis Ende der 1990er deutlich gesunken. Es kam dann jedoch zu einem Wiederanstieg bis circa 2007, danach stagnierten die Werte einige Zeit bei um 2.500. Das RKI spricht nun von einem Rückgang seit 2016.

Welche Zahlen gibt es für Rheinland-Pfalz?

Für Rheinland-Pfalz gibt das RKI die angenommene Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2021 mit 60 an, zwei Drittel davon sind Männer. Insgesamt gab es 2021 geschätzte 2.360 Menschen in Rheinland-Pfalz mit HIV. Auch hier gilt: Die meisten Betroffenen sind männlich.

Wie stecke ich mich mit dem HI-Virus an?

Übertragen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten, vor allem beim Geschlechtsverkehr. Aber auch über Spritzen beim Drogenkonsum, also durch HIV-infiziertes Blut. Relativ unkritisch sind Tränen, Schweiß oder Speichel. Hier reicht die Konzentration für eine Ansteckung nicht aus.

Wie schütze ich mich vor HIV?

Der sicherste Weg, sich beim Sex vor HIV zu schützen, sind immer noch Kondome. Es gibt inzwischen aber auch Medikamente, die gesunde Menschen vor einer Infektion schützen: Nach einem Risikokontakt verhindert die sogenannte Post-Expositionsprophylaxe, dass HIV ausbricht. Die Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP wird vorsorglich eingenommen. Gesunde Sexualpartnerinnen und -partner von möglicherweise ansteckenden Menschen können sich so schützen.

Wer Spritzen - aus welchen Gründen auch immer - benutzt, sollte diese nicht mit anderen teilen. Bei werdenden Müttern mit HIV kann eine spezielle Therapie verhindern, dass das Virus bei der Geburt auf das Kind übertragen wird.

Woher weiß ich, ob ich HIV habe?

Wer ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte oder sonst einer Risikosituation ausgesetzt war, kann einen HIV-Test machen. In Deutschland bieten viele Gesundheitsämter anonyme und kostenlose Tests an. Auch bei Ärzten und einigen AIDS-Hilfen kann man sich testen lassen.

Selbststests aus der Apotheke oder dem Internet können erst zwölf Wochen nach einer möglichen Infektion durchgeführt werden. Schlägt der Test positiv an, sollte man sich die Diagnose aber noch mal durch einen Arzt absichern lassen.

Ist eine Infektion mit HIV heilbar?

Eine Infektion mit HIV ist auch nach jahrelanger Forschung noch immer nicht heilbar. Und auch eine Impfung, die vor einer Ansteckung schützt, gibt es noch nicht.

Was es aber gibt, sind Behandlungsmöglichkeiten. Etwa mit Medikamenten, die verhindern, dass sich die HI-Viren immer weiter ausbreiten. HIV-positive Menschen könne damit oft gut leben und sind nicht ansteckend. Allerdings sind regelmäßige Arztbesuche nötig, damit die Medikamente richtig eingestellt sind. Denn ihre Wirkung kann nachlassen oder es können sich Unverträglichkeiten entwickeln. Die meisten Menschen mit HIV, die in ärztlicher Behandlung sind, können heute lange Zeit mit dem Virus leben, ohne an AIDS zu erkranken. 

Was hat es mit der roten Schleife auf sich?

Seit Anfang der 1990er Jahre ist die rote AIDS-Schleife auf der ganzen Welt das Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken. Wer sie trägt, setzt damit ein klares Zeichen der Anteilnahme. Vorbild für die rote Schleife war die gelbe Schleife, die erstmals während der Geiselnahme von Teheran und zur Begrüßung der befreiten amerikanischen Geiseln verwendet wurde.

Übrigens: Die vermutlich längste AIDS-Schleife der Welt wurde am 1. Dezember 2013 um den Regensburger Dom gewickelt. An dem 1,5 Kilometer langen Schal aus roter Wolle hatte mehr als 500 Menschen gestrickt.

AIDS-Kampagne zur Aufklärung

picture alliance  dpa | Daniel Karmann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Slogan der AIDS-Kampagne aus den späten 1980ern Picture Alliance

Als Reaktion auf die Entdeckung von AIDS hatte die Bundesregierung Ende der 1980er-Jahre die Aufklärungskampagne "Gib AIDS keine Chance" ins Leben gerufen. Plakate und TV-Spots klärten auf und gingen gegen Scham und Informationsdefizite an - oft mit viel Humor. Kult-Status erreichte ein Spot mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück. Der Spruch: "Tina, was kosten die Kondome?" verbinden heute noch viele mit der Kampagne.

Mehr Infos und Hilfe gibt es hier:

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Medizingeschichte HIV und Aids – Geschichte einer Pandemie

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