Rote Schleife, Symbol der Solidarität mit HIV-infezierten und aidskranken Menschen, Symbolbild zum Welt-Aids-Tag (Foto: IMAGO, Wirestock)

"Immer noch viele Neuinfektionen mit HIV"

Welt-Aids-Tag: Erfahrungen der Aidshilfe Ludwigshafen

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Birgit Baltes
Foto für Autorenseite (Foto: SWR, Birgit Baltes)

"Es stecken sich leider noch viel zu viele Menschen mit Aids an." Das ist das Fazit der Aidshilfe Ludwigshafen anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember.

Unter den neu infizierten Menschen seien vor allem jüngere im Alter von 18 bis 35 Jahren, sagte der Vorsitzende der Aidshilfe Ludwigshafen Mike Ludwig dem SWR. Auch weil die Warnung vor Aids nicht mehr so präsent sei wie in den 1980er Jahren, unterschätzten sie die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren und verzichteten auf den Schutz durch Kondome.

Aidshilfe Ludwigshafen (Foto: Aidshilfe Ludwigshafen / Mike Ludwig)
Die Räume der Aidshilfe in der Oberstraße 16 in Ludwigshafen.

Aidshilfe Ludwigshafen: großer Beratungsbedarf

Mike Ludwig ist selbst seit 21 Jahren HIV positiv. Vor 14 Jahren hat er den Aidshilfeverein Ludwigshafen gegründet. In diesem Jahr hatten er und die ehrenamtlichen Helfer in ihrem zentral gelegenen Räumen in der Innenstadt mindestens zwei Betratungsgespräche pro Woche, so Ludwig. 40 bis 50 Betroffene nutzten zudem regelmäßig die Angebote im sogenannten Checkpoint, den Vereinsräumen in der Ludwigshafener Innenstadt. Dort gibt es als Treffpunkt das Regenbogencafé. Außerdem veranstaltet der Verein regelmäßig Spieleabende.

Seit Corona kaum noch Prävention an Schulen

Die zehn aktiven Mitglieder des Vereins arbeiten ehrenamtlich. Auf Wunsch besuchen sie auch Schulen, um Jugendliche über HIV aufzuklären. Vor Corona war dieses Angebot sehr gefragt, sagt der Vereinsvorsitzende. Doch nach den Corona-Lockdowns habe sich das geändert, weil es beim Lernstoff großen Nachholbedarf an den Schulen gebe. Seitdem haben gerade mal zwei Schulen den Verein zu Präventionskursen eingeladen.

Schaufenster der Aidshilfe Ludwigshafen (Foto: SWR)
Die Aidshilfe Ludwigshafen berät und versteht die Betroffenen.

"Wir haben sechs bis sieben Menschen verloren"

"In diesem Jahr haben wir schon sechs bis sieben HIV-Infizierte verloren", sagt Ludwig. Sie seien zwar nicht unmittelbar an Aids gestorben, weil es inzwischen ja Medikamente gebe, mit denen sich die Immunschwäche-Erkrankung sehr gut behandeln lassen und die sogar verhindern, dass man das Virus beim Sex überträgt.

Ein Problem sei aber: "Es gibt einige, die ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen, leider", so der Aidshilfe-Vorsitzende. Dann könnten sich Resistenzen entwickeln und die Tabletten würden nicht mehr wirken.

HIV-Infizierte begegnen immer noch Vorurteilen

Die Menschen, die mit dem HIV-Virus infiziert sind und an die Öffentlichkeit treten, begegnen immer noch vielen Vorurteilen, weiß Mike Ludwig auch aus eigener Erfahrung. Seine Botschaft am Welt-Aids-Tag ist deshalb: "Es ist wichtig, sich über Aids zu informieren, sich mit dem Thema zu befassen und diejenigen, die betroffen sind, nicht ausgrenzen." Und natürlich "Kondome verwenden!"

Am Weltaidstag am Freitag informiert der Ludwigshafener Verein im Rahmen eines ökumenischen Gottesdiensts zum ab 19.30 Uhr in der Mannheimer Citykirche Konkordien. Dort verteilt die Aidshilfe auch selbstgebackene Plätzchen und verkauft ihre limitierten Bären mit roten Aidsschleifen gegen eine Spende. Im Anschluss ist der Verein am Rhein-Theater in Mannheim.

Aidshilfe Ludwigshafen (Foto: Aidshilfe Ludwigshafen / Mike Ludwig)
Am 16. Dezember lädt die Aidshilfe Ludwigshafen Betroffene, Freunde und Ineressierte zu einer Weihnachtsfeier ein.

Neustadt: Infostand am Welt-Aids-Tag

Die Aidshilfe Landau wird gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Bad Dürkheim und der Stadt Neustadt am 1. Dezember von 11 Uhr bis 13 Uhr am Kriegerdenkmal mit einem Infostand vertreten sein. Dort gibt es neben Infos zum Thema HIV und sexuell übertragbare Krankheiten wie Hepatitis B oder Syphilis auch Test- und Hilfsangebote vor Ort – "vertraulich, anonym und vorurteilsfrei", betonen die Veranstalter.

Brandort in der Weißenburger Straße (Foto: SWR)
Im vergangenen Mai waren durch einem Dachgeschossbrand die Räume der Aidshilfe Landau so zerstört worden, dass das darunter liegende Kontakt-Café Regenbogen, die Büros der Beratungsstelle und zwei Wohngruppen für seelisch-behinderte und HIV-positive Menschen nicht mehr genutzt werden konnten.

Die Räume der Aids-, Drogen-und Jugendhilfe Landau waren im vergangenen Mai bei einem Brand zerstört worden. Der Verein sammelt seitdem Spenden, auch um seine Räume wieder einzurichten und den betreuten Bewohnern wieder ein Zuhause bieten zu können.

Regelmäßig kostenlose Beratung und Aids-Tests in der Pfalz

Die Aids-Beratung Landau ist jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr mit der HIV-Sprechstunde im Neustadter Gesundheitsamt, Neumayerstraße 10 vor Ort. Auf Wunsch kann man sich dort auch kostenlos und anonym auf HIV testen lassen.

Außerdem bieten die Landauer Aidshilfe und das Gesundheitsamt Landau/Südliche Weinstraße an jedem dritten Dienstag im Monat von 14 bis 15 hr eine kostenlose und anonyme HIV-Sprechstunde an, in der Klaus-von-Klitzing-Str. 2 in Landau. Nach der Beratung kann man auch dort einen kostenlosen HIV-Test machen. Der nächste Termin ist am Dienstag, 19. Dezember. Wer zur Beratung kommen möchte, muss sich telefonisch unter 06341 940 603 anmelden. Man kann dabei ein Pseudonym verwenden

Auch das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises und der Stadt Ludwigshafen bietet in der Dörrhorststrasse 36 in Ludwigshafen kostenlose und anonyme Beratungsgespräche und HIV-Tests an. Allerdings nur nach telefonischer Terminvereinbarung unter der Nummer der Zentrale der Kreisverwaltung: 0621 59090.

Im Gesundheitsamt des Landkreises Germersheim gibt es auch feste Zeiten für anonyme Beratungsgespräche und Tests. Die Aidsberatung dort ist montags bis mittwochs von 9 Uhr bis 12.30 Uhr erreichbar. Man kann auch dort telefonisch einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren unter folgenden Nummern: 07274 53-346, -347, -348 oder-349.

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