In Gedenken an die Opfer der Amokfahrt sind Kränze niedergelegt worden. (Foto: SWR)

Stadt trauert am zweiten Jahrestag

Trier gedenkt der Opfer der Amokfahrt

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Solveig Naber

Vor zwei Jahren tötete ein Amokfahrer fünf Menschen und verletzte viele schwer. Beim Gedenken heute stehen die Opfer und Angehörigen im Mittelpunkt, wenn eine ganze Stadt trauert.

Es ist eine Gewalttat, die sich in das kollektive Bewusstsein der Stadt eingebrannt hat. Am 1. Dezember 2020 raste ein Mann mit seinem SUV durch die Fußgängerzone. Um 13:46 Uhr begann die Amokfahrt in Trier, bei der fünf Menschen starben und viele zum Teil schwer verletzt wurden.

Auch am Rande des Weihnachtsmarktes in Trier  haben zwei Jahre nach der Amokfahrt Menschen Kerzen aufgestellt. (Foto: SWR, Frederik Hermann)
Auch am Rande des Weihnachtsmarktes in Trier haben zwei Jahre nach der Amokfahrt Menschen Kerzen aufgestellt. Frederik Hermann Bild in Detailansicht öffnen
Am Hauptmarkt starben am 1. Dezember 2020 ein Baby und sein Vater. Bei der Amokfahrt durch die Fußgängerzone kamen insgesamt fünf Menschen ums Leben. Viele weitere wurden schwer verletzt. Frederik Herrmann Bild in Detailansicht öffnen
Ein Erinnern zwei Jahre nach der Amokfahrt an einer Gedenktafel neben der Porta Nigra Bild in Detailansicht öffnen
In Gedenken an die Opfer der Amokfahrt wurden an der Porta Nigra in Trier Kränze niedergelegt. Bild in Detailansicht öffnen
Die Hinterbliebenen und die Angehörigen hatten sich ein stilles Gedenken gewünscht. Es gab deshalb keine Reden oder Ansprachen. Bild in Detailansicht öffnen
Auch Vertreter von Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr sind bei dem stillen Gedenken an der Porta Nigra dabei. Viele von ihren Kolleginnen und Kollegen waren am 1. Dezember 2020 im Einsatz. Bild in Detailansicht öffnen
Am zweiten Gedenktag der Amokfahrt haben die Glocken des Domes und der Kirchen in der Innenstadt ab 13:46 Uhr vier Minuten lang geläutet. So lange, wie die Amokfahrt vor zwei Jahren dauerte. Frederik Herrmann Bild in Detailansicht öffnen

Glocken des Domes und der Kirchen in Trier läuten

Am zweiten Gedenktag der Amokfahrt haben die Glocken des Domes und der Kirchen in der Innenstadt ab 13:46 Uhr vier Minuten lang geläutet. So lange wie die Amokfahrt vor zwei Jahren dauerte.

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Währenddessen versammelten sich die Menschen an der Porta Nigra, um der Opfer zu gedenken. Es war ein stilles Gedenken, ohne Reden oder Ansprachen.

"Die Hinterbliebenen, die Betroffenen und wir sind uns einig: Es ist alles gesagt. Es geht heute darum, dass wir innehalten."

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An der Porta Nigra sind die Namen der Getöteten verlesen und Blumen niedergelegt worden. Nach einer Schweigeminute sind die Beteiligten in der St.Gangolf-Kirche zusammengekommen. Ein Gottesdienst war nicht vorgesehen, nur eine Andacht. Im Anschluss sagte Leibe, dass die Bilder wiedergekommen seien, die vor zwei Jahren "natürlich ganz schrecklich waren". Es sei für die Betroffenen wichtig, dass "wir an diesem Tag innehalten und tatsächlich der Toten gedenken. Aber auch der Verletzten". Die Opfer - und die Tat würden nicht vergessen. "Sie ist Teil der Geschichte der Stadt Trier", sagte Leibe.

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Für Hinterbliebene und Opfer ein schwerer Tag

Auch Wolfgang Hilsemer ist bei den Gedenkveranstaltungen dabei gewesen. Er hatte bei der Amokfahrt seine Schwester verloren. Sein Schwager wurde schwer verletzt. Er starb knapp ein Jahr nach der Tat. Im Vorfeld sagte Hilsemer, die ganze Familie werde an der Porta zusammenstehen.

"Da treffen wir uns. Danach sind wir zusammen und werden sicher über frühere Zeiten sprechen. Und es wird wohl auch geweint werden."

Der Gedenktag ist für die Hinterbliebenen und die Überlebenden nicht leicht. Er rückt das Ereignis für alle Beteiligten wieder ganz nah. Da komme vieles wieder hoch, sagt Sybille Jatzko von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge. Sie betreut Opfer und Angehörige der Trierer Amokfahrt. Aber ein Gedenktag sei ein wesentlicher Teil bei der Verarbeitung des Erlebten. "Dieser Tag ist eine große Belastung und doch ist er gewünscht", sagt Jatzko.

Gedenkstätte für die Opfer der Amokfahrt in Trier

Vergangene Woche wurden in Trier die Pläne für eine zentrale Gedenkstätte für die Opfer der Amokfahrt vorgestellt. Der Gedenkort wird neben der Porta Nigra entstehen. Außerdem sollen an den Orten, wo Menschen getötet wurden, Platten in den Boden eingelassen werden. Diese Platten wurden von den Familien der Getöteten selbst gestaltet.

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Der Amokfahrer war im August diesen Jahres vom Landgericht Trier zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Außerdem hatte das Gericht angeordnet, ihn wegen einer psychischen Erkrankung in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Die Verteidigung des Angeklagten hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

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Solveig Naber