Modell Gedenkstätte Amokfahrt Trier (Foto: Stadt Trier)

Zentrales Denkmal bei der Porta Nigra

So soll die Gedenkstätte für die Opfer der Amokfahrt in Trier aussehen

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AUTOR/IN
Solveig Naber

Zwei Jahre nach der Amokfahrt hat die Stadt Trier jetzt die Pläne für einen zentralen Gedenkort vorgestellt. Überlebende und Hinterbliebene hatten bei der Gestaltung großes Mitspracherecht.

Verwitterte Betonplatten, dazwischen wächst das Unkraut. Der kleine Platz in der Christophstraße - gleich neben der Porta Nigra - gehört nicht zu den schönsten Ecken in der Trierer Innenstadt. Trotzdem haben die Überlebenden und Hinterbliebenen entschieden, dass dort künftig die zentrale Gedenkstätte für die Opfer der Amokfahrt in Trier stehen soll.

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Stätte für Opfer der Amokfahrt: Ort für Gedenken und Trauer

Gesucht wurde ein Ort, der Raum für das Gedenken und die Trauer ermöglicht und zugleich als Denkmal für die Menschen in der Stadt auch sichtbar ist. Das hatten sich die Betroffenen gewünscht, sagte Wolfgang Hilsemer. Er hatte seine Schwester bei der Amokfahrt verloren.

"Die Gedenkstätte soll für alle Trierer sein. Nicht nur für uns, die Betroffenen und ihre Familien."

Eine Stele für jedes Opfer

Der Entwurf sieht sechs Stelen aus Bronze vor. Offiziell kamen durch die Amokfahrt in Trier fünf Menschen ums Leben. Ein durch den Amokfahrer schwer verletzter Mann starb knapp ein Jahr später. Laut Obduktion nicht an den Folgen der Verletzungen. Trotzdem ist der 77-Jährige für die Trierer das sechste Todesopfer.

Knapp drei Meter ist eine Stele hoch. In jeder ist am oberen Ende eine Bronzetafel mit einem Symbol angebracht - eine Sonne, ein Blatt oder ein Pferd mit einem Engel als Reiter. Die Symbole wurden von den Angehörigen der Todesopfer für die Gedenkstätte selbst gestaltet.

"Angehörige geben durch die eigene Gestaltung der Gedenkstätte eine Seele."

Denkmal für Opfer der Amokfahrt soll 2023 fertig sein

Gestaltet wird die zentrale Gedenkstätte vom Trierer Künstler Clas Steinmann. Das Denkmal soll im Laufe des kommenden Jahres fertig sein. Mit der Entscheidung, dass die überlebenden Opfer und die Hinterbliebenen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Gedenkortes haben, ist die Stadt Trier einen besonderen Weg gegangen.

Die Diskussion und Gespräche darüber sei ein Teil der Traumabewältigung, hatte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) einmal erklärt. Die Gespräche und Überlegungen hatten ohne öffentlichen Druck stattgefunden.

An der Porta Nigra gibt es bereits seit einem Jahr eine Gedenktafel für die Opfer der Amokfahrt. Sie wurde vom Trierer Steinmetz Henning Wirtz (links) erstellt (Foto: dpa Bildfunk, Harald Tittel)
An der Porta Nigra gibt es bereits seit einem Jahr eine Gedenktafel für die Opfer der Amokfahrt. Sie wurde vom Trierer Steinmetz Henning Wirtz (links) erstellt. Harald Tittel

Kleine Gedenkorte in der Innenstadt

Neben der zentralen Gedenkstätte wird es weitere kleine Gedenkorte in der Fußgängerzone geben. An den Stellen, wo die fünf Menschen durch den Amokfahrer ums Leben kamen, sollen Gedenksteine aus Bronze mit den gleichen Symbolen wie an der zentralen Gedenkstätte in den Boden eingelassen werden. Die Gedenksteine wurden ebenfalls von den Angehörigen der Todesopfer gestaltet.

Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 starben fünf Menschen, zahlreiche wurden schwer verletzt. Der Täter war im August dieses Jahres vom Landgericht Trier zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Außerdem hatte das Gericht angeordnet, ihn wegen einer psychischen Erkrankung in der Psychiatrie unterzubringen. Die Verteidigung des Angeklagten hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

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