Der Trierer Bischof Stephan Ackermann vor seinem Rücktritt als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Vor Missbrauchsdiskussion im SWR

Trierer Opferinitiative: Ackermann hinterlässt Nachfolger eine Baustelle

STAND

Vor einer SWR-Veranstaltung zur Zukunft der katholischen Kirche wirft ein Opferverband dem Trierer Bischof Ackermann schwere Versäumnisse bei der Aufklärung sexuellen Missbrauchs vor.

Wenn Hermann Schell über die katholische Kirche redet, dann merkt man schnell, dass der 59-jährige in dieser Kirche groß geworden ist. Erst Messdiener, später Pfarrgemeinderatsmitglied, Vorbereitung der Grundschüler auf die Kommunion. Das ganze Programm eben. Er weiß, über was er spricht.

MissBiT Vorstandsmitglied Hermann Schell kämpft für die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (Foto: Hermann Schell)
Die katholische Kirche war lange Zeit sein Leben. Hermann Schell führte Kinder im Kommunionsunterricht an die Kirche heran. Engagierte sich in seiner Pfarrgemeinde. Der Missbrauchsskandal erschütterte seinen Glauben in die Institution Kirche tief. Seitdem will er denen eine Stimme geben, die von einem Pastor mißbraucht wurden und nicht darüber reden können. Hermann Schell

Schell ist im Vorstand der Missbrauchsinitiative MissBiT. Sie versucht, die Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche untereinander zu vernetzen. Und sie möchte Druck auf die Kirche bei der Aufklärung der Taten ausüben.

Schell selber ist kein Opfer eines Pfarrer geworden. Er wurde als Kind in einem Krankenhaus missbraucht. "Wenn man solch eine Ohnmachtssituation erlebt hat wie ich und die Folgen kennt, dann hat man auch eine Sensibilität für andere Opfer", sagt er.

"Ich kenne 70-jährige, die können nicht über ihren Missbrauch reden. Die brechen dabei zusammen. Deswegen bin ich bei MissBiT. Ich kann für die sprechen, die selber nicht sprechen können."

SWR überträgt Podiumsdiskussion zur Kirche im Internet

Am kommenden Mittwoch nimmt Hermann Schell teil an der SWR-Podiumsdiskussion zur Zukunft der katholischen Kirche. Dort trifft er auch auf den Trierer Bischof Stephan Ackermann, der vor wenigen Tagen von seinem Amt als Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischofskonferenz zurückgetreten ist.

"Ackermann hinterlässt als Missbrauchsbeauftragter eine Baustelle. In 12 Jahren hat er es nicht geschafft, Strukturen zur Aufklärung zu etablieren."

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Für die Opferinitiative Missbit fällt die Bilanz von Bischof Ackermann als Missbrauchbeauftragter mager aus. Auch seine Bitte um Verzeihung für Fehler, die er gemacht habe, kommt bei den Betroffenen nicht an.

"Wenn er um Verzeihung bittet, dann sollte er auch mal die Karten auf den Tisch legen. Sagen, wo konkret seine Schuld liegt und die Fehler beim Namen nennen."

Ackermanns Nachfolger Bischof Dieser kommt besser an

Hermann Schell will in den kommenden Monaten genau hinschauen, wie Ackermanns Nachfolger - der Aachener Bischof Helmut Dieser - die Aufklärung sexuellen Missbrauchs vorantreibt. Dessen erste Äußerungen stimmen Schell schon mal positiv: "Er findet immerhin deutlichere Worte als Ackermann für das, was da in der Kirche passiert ist. Er nennt die Dinge endlich beim Namen. Und ich nehme ihm auch ab, wenn er sagt, dass er den Finger in die Wunde legen will."

Der Aachener Bischof Helmut Dieser will als neue Missbrauchsbeauftragter die Aufklärung der Fälle vorantreiben (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sebastian Gollnow)
"Bischof Dieser wird sich so wie sein Vorgänger wohl auch an den konservativen Bischöfen abarbeiten müssen. Das kann die Arbeit ausbremsen," sagt Hermann Schell. Sebastian Gollnow

Entscheidend für den Erfolg Diesers werde sein, wie er sich gegen die konservativen Kreise in der Deutschen Bischofskonferenz durchsetzen könne. Das sei letztlich aber auch das Hauptproblem für seinen Vorgänger Ackermann gewesen.

"Ackermann ist die Arbeit sehr schwer gemacht worden. Bischof Dieser sollte jetzt in der Bischofskonferenz klären, wie der Weg weitergehen soll. Er muss die Gretchenfrage stellen."

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Und wie hält es Hermann Schell heute mit der Kirche? Er ist vor zehn Jahren ausgetreten. Wegen des Umgangs der Kirche mit den Missbrauchsfällen, wie er sagt. Er könne kein Mitglied einer Organisation sein, die in seinen Augen keinen offenen und ehrlichen Weg gehe bei der Aufarbeitung. Seinen Glauben habe er behalten. Die Institution Kirche brauche er dafür nicht.

"Ich will die Kirche nicht verändern. Das ist nicht meine Kirche. Ich will mich der Aufklärung des Missbrauchs widmen, der in dieser Kirche geschehen ist."

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