Der Dom in Speyer (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Alles beim Alten?

Bischof Wiesemann aus Speyer zur gescheiterten Reform der Sexualmoral

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Bettina Blum

Eine Reform der Sexualmoral in der Katholischen Kirche ist erstmal gescheitert. Bischof Wiesemann aus Speyer erklärt, warum er dennoch optimistisch ist. 

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ist nach eigenen Worten vom Scheitern des Reformpapiers zur katholischen Sexualmoral bei der Synodalversammlung der Katholiken vergangene Woche überrascht worden. Er habe nicht erwartet, dass das Papier abgelehnt werde, da im Vorfeld so viel auch über diese Fragen gesprochen wurde, sagte der Bischof am Montag in Speyer.

Speyerer Bischof enttäuscht von der Ablehnung

Er persönlich finde diesen Ausgang enttäuschend. Denn eigentlich sollten die Bischöfe, seiner Meinung nach, in die Gemeinden hören:

"Das Hören auf den großen Konsens bei den Gläubigen gehört bei uns zu den Grundlagen des Amtes. Dieses Hören auf das 'ganze Volk Gottes' ist für Bischöfe unerlässlich."

Bischöfe lehnen Neubewertung von Sexualität ab

Die Synodalversdammlung der Katholiken hatte vergangene Woche über ein Reformpapier abgestimmt, das der katholischen Kirche einen neuen Blick auf die menschliche Sexualität ermöglichen sollte. Der Grundsatztext sollte aufräumen mit dem Pillen- und Kondomverbot Roms, Homosexualität als normale Variante menschlicher Sexualität anerkennen und Sexualität grundsätzlich als positive Kraft würdigen - und nicht mehr in erster Linie als "sündige" Praxis betrachten. 

Ein Reformpapier der katholischen Kirche sollte den Blick auf homosexuelle Liebe und Verhütung reformieren, bekam von den Bischöfen aber zuwenig Zustimmung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Mohssen Assanimoghaddam)
Das Reformpapier zur Sexualmoral in der katholischen Kirche wollte beispielsweise homosexuelle Liebe als "normale Variante" menschlicher Sexualität anerkennen Mohssen Assanimoghaddam

Katholische Sexualmoral: Bischof aus Speyer dennoch optimistisch

Dies ist so nun erstmal gescheitert. Bischof Wiesemann bleibt allerdings optimistisch, dass das letzte Wort zur Reform der Sexualmoral noch nicht gefallen ist, denn die Mehrheit der Bischöfe sei für die Reform gewesen. 33 Bischöfe hatten dafür gestimmt, 21 dagegen. So fehlte dieses Mal die Zweidrittelmehrheit. Nun müsse man mit denen, die dagegen waren, noch mal sprechen, so Wiesemann.

Für manche gehe es nämlich nur um einzelne Punkte, die sie nicht mittragen wollen, nicht um das Gesamte. 

Bischof Wiesemann: "Bereits wichtige Signale gesendet"

Wiesemann ist sich sicher, dass die Neuausrichtung der Sexualmoral nicht grundsätzlich abgelehnt werde. Das habe sich aus seiner Sicht am Tag nach der Abstimmung gezeigt. Da sei mit großer Mehrheit ein Handlungstext angenommen wurde, der sich damit beschäftigt, wie Homosexualität neu zu bewerten ist.  

Und das zweite wichtige Signal, dass es voran gehe, sei das Grundsatzpapier gewesen, in dem es um die Rolle der Frauen im kirchlichen Dienst geht. Dass dieses Grundsatzpapier zur Frauenquote - für das er ebenfalls gestimmt habe - angenommen wurde, habe ihn positiv überrascht. 

"Ich hatte eher bei dem Papier über die Frauen und die Frauen-Ordination damit gerechnet, dass es abgelehnt wird, als bei dem über eine neue Sexualmoral." 

Der Synodale Weg geht weiter 

Der Speyerer Bischof ist nach dem Scheitern der Reform der katholischen Sexualmoral dennoch überzeugt: Der Synodale Weg ist nicht gescheitert, er hat nur einen Dämpfer bekommen. Er gehe aber weiter. Das gelte eindeutig auch für eine Weiterentwicklung der Sexualmoral. 

Der Bischof ist zuversichtlich, dass die Katholische Kirche verstanden habe, was ihre Gläubigen von ihr wollen. Er könne zwar verstehen, dass die jetzt erst einmal enttäuscht seien. Er wolle aber auch deutlich machen: Es gebe begründete Hoffnung,  dass es weitergehe und die für sie wichtigen Punkte Schritt für Schritt angepackt werden. 

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