Die Kirche in Hermeskeil soll verkauft werden (Foto: SWR)

Marode Kirche

Hermeskeiler Kirche St. Martinus soll an Investor verkauft werden

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AUTOR/IN
Marc Steffgen
Foto von Marc Steffgen, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Die Pfarrkirche St. Martinus ist mit ihrem hohen Turm das Wahrzeichen von Hermeskeil. Die Gemeinde hat aber kein Geld, um sie zu sanieren. Deswegen soll sie verkauft werden.

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Der Glockenturm von St. Martinus reckt sich mehr als 50 Meter in den Hunsrückhimmel. Als die Preußen im 19. Jahrhundert die Kirche errichteten, war klotzen statt kleckern angesagt, schließlich war Hermeskeil damals gerade Sitz der Bürgermeisterei geworden.

Von weitem sieht die Kirche noch imposant aus. Aus der Nähe betrachtet, bröckelt sie vor sich hin. Seit einigen Wochen schützt deswegen ein provisorisches Vordach über dem Portal vor herabfallenden Steinen.

Das Vordach der Kirche St. Martinus (Foto: SWR)
Ein Vordach soll die Besucher vor herabfallenden Steinen schützen.

Sanierung von St. Martinus soll mehr als zwei Millionen Euro kosten

Risse im Gemäuer, Wasserflecken über den Fenstern, ein undichtes Dach, Steinfiguren am Kirchturm, die mit Seilen befestigt werden müssen - die Mängelliste von St. Martinus ist endlos. Kein Wunder, die letzte Sanierung fand vor mehr als 50 Jahren statt.

Mittlerweile werden die Kosten auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt. Der Eigenanteil der Pfarrei läge bei 800.000 Euro - unbezahlbar. "Die Finanzlage der Pfarrei ist sehr, sehr eng und sehr begrenzt", sagt Pfarrer Christian Heinz. "Ich sage immer: Wenn wir ein Wirtschaftsunternehmen wären, stünden wir kurz vor der Insolvenz."

Pfarrer Christian Heinz in der Kirche St. Martinus (Foto: SWR)
Pfarrer Christian Heinz weiß nicht, woher er das Geld für die Sanierung nehmen soll.

Verwaltungsrat der Gemeinde schlägt Verkauf vor

Pfarrer Christian Heinz hat die undankbare Aufgabe, Lösungen für ein Problem zu finden, das eigentlich unlösbar scheint. Die Gemeinde soll Geld aufbringen, das sie nicht hat für ein Gebäude, das zwar stilprägend fürs Ortsbild ist, aber in der Größe selten gebraucht wird.

Der Innenraum von St. Martinus in Hermeskeil (Foto: SWR)
St. Martinus wird nur noch alle 14 Tage für einen Gottesdient genutzt.

Ich habe seit dieser Entscheidung schlaflose Nächte.

Der Verwaltungsrat hat deswegen vorgeschlagen, die Kirche und einzelne Immobilien der Pfarrei zu verkaufen. Wegen ihrer Größe wird sie mittlerweile nur noch alle vierzehn Tage für Gottesdienste genutzt. "Mir fällt das unendlich schwer. Ich habe seit dieser Entscheidung auch schlaflose Nächte. Aber die Wirklichkeit ist eben so", räumt Pfarrer Christian Heinz ein.

Erste Gespräche mit Investoren

Christian Heinz wünscht sich, dass jetzt eine breite Diskussion darüber startet, wie das Gebäude künftig genutzt werden könnte. Erste Gespräche mit Investoren hätten schon stattgefunden.

Jeder potentielle Investor unterliegt dabei der Auflage, die Kirche fachgerecht zu sanieren und in ihrer "stadtbildprägenden" Form zu erhalten. Das mache es nicht einfacher, findet auch die Hermeskeiler Bürgermeisterin Lena Weber (SPD): "Die Frage ist, zieht sich diesen Schuh jemand an? Und wenn nicht, ist die Stadt bereit, ihren Beitrag zu leisten?"

Zieht die katholische Gemeinde ins Klösterchen um?

Eine weitere schwere Aufgabe wartet auf Pfarrer Christian Heinz: Er muss eine neue Kirche für die Hermeskeiler Katholiken finden. Im Winter wird die Kapelle im Krankenhaus genutzt. Eine dauerhafte Lösung könnte das vor einem Jahr aufgegebene Franziskaner-Kloster im Ort sein. Zu diesem Kloster hätten viele Menschen aus der Gegend starke emotionale Beziehungen, erzählt Christian Heinz.

Das ehemalige Franziskaner Kloster (Foto: SWR)
Das Klösterchen im Süden von Hermeskeil könnte ein neuer Ort für Gottesdienste werden.

Gemeinde will Dach und Mauern der Kirche untersuchen lassen

Zunächst geht es aber um die Sicherheit von Fußgängern und Autofahrern. Die Gemeinde möchte das Dach und die zur Martinusstraße gewandte Gebäudeseite in den kommenden Tagen untersuchen lassen. Zu groß sei sonst die Gefahr, dass Steine auf Menschen fallen könnten. Im schlimmsten Fall müsste die ganze Straße für den Verkehr gesperrt werden.

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