Etwa 50.000 syrische Staatsangehörige leben laut Integrationsministerium derzeit in Rheinland-Pfalz. Viele von ihnen haben sich inzwischen auf dem Arbeitsmarkt etabliert. Stand März 2025 waren mehr als 14.000 Syrerinnen und Syrer in Rheinland-Pfalz sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das teilte die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Dörte Schall (SPD) auf Anfrage von CDU-Abgeordneten mit.
Die Zahl der syrischen Beschäftigten steigt jedes Jahr kontinuierlich an. Im August 2024 waren rund 11.800 Syrerinnen und Syrer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, teilte die Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken mit. Schon damals waren es 9,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Würde eine große Zahl dieser Menschen den Arbeitsmarkt verlassen, wäre dies für die betroffenen Unternehmen mit Sicherheit mindestens vorübergehend mit einer Belastung verbunden", so die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.
Viele Syrer in "Engpassberufen"
Syrische Staatsangehörige leisteten einen wichtigen Beitrag zum Beschäftigungswachstum, betonte die Agentur im Januar 2025. Dabei seien deutschlandweit "gut zwei Fünftel der syrischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in qualifizierten Tätigkeiten arbeiten, im Mai 2024 in Engpassberufen tätig" gewesen - etwa als Kfz-Techniker, als Bus- oder Straßenbahnfahrer sowie in Pflegeberufen. Und die Tendenz steige.
"Viele Syrerinnen und Syrer sind hochqualifiziert und leisten beispielsweise im rheinland-pfälzischen Gesundheitssystem einen essenziellen Beitrag zur Daseinsvorsorge", erklärte auch das Statistische Landesamt in Bad Ems.
Handwerk: "Können Syrer sehr, sehr gut brauchen"
Das Handwerk habe ab der ersten Sekunde darauf hingewiesen, "dass wir die Syrer sehr, sehr gut bei uns brauchen können", sagte Kurt Krautscheid, der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Koblenz dem SWR. Im Bereich der HWK Koblenz seien in den letzten Jahren mehr als 1.000 junge Syrer ausgebildet worden.
Ich würde mich freuen, wenn wir den Menschen aus Syrien auch politisch deutlich machen würden, dass wir sie brauchen und dass wir sie gerne hier bei uns haben.
Im Klinikum in Ludwigshafen arbeiten (Stand Januar) 21 Menschen aus Syrien. "Jede und jeden dieser hochqualifizierten Mitarbeitenden würden wir durch einen Weggang stark vermissen", sagte die Sprecherin des Klinikums. "Wir sind zwingend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen und immer darum bemüht, diese für unsere Einrichtung zu gewinnen."
Unternehmer: Fachkräftelücke könnte sich verschärfen
Auch die Unternehmer sehen die Diskussion um eine schnelle Rückführung der Syrer in ihre Heimat kritisch. "Sicher ist es Arbeitgebern und ihren syrischen Fachkräften nur schwer erklärbar, wenn eine wertvolle Mitarbeiterin oder ein wertvoller Mitarbeiter nach einer gelungenen Integration und erfolgreichen Einarbeitung ausgewiesen werden soll", betonte Melanie Dietz von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen.
Landesregierung warnt vor falschem Signal
Eine Meinung, die die Landesregierung teilt. "Wir müssen uns immer fragen: Wie schaffen wir es, Arbeitskräfte aus dem Ausland für uns zu gewinnen", sagte die rheinland-pfälzische Wirtschaftministerin Daniela Schmitt (FDP). In Rheinland-Pfalz erlebe sie sehr engagierte Syrer. "Es wäre fatal, diesen Leuten das Signal zu geben, dass sie zügig Deutschland verlassen müssen."
Bundesregierung: "Gut integrierte Syrer sollen bleiben können"
Die alte Bundesregierung hatte Anfang Januar betont, dass gut integrierte Menschen aus Syrien keine Abschiebung zu befürchten hätten. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) stellte einen Vier-Punkte-Plan zum Umgang mit Geflüchteten aus Syrien vor, darin heißt es: "Wer gut integriert ist, arbeitet, Deutsch gelernt hat und hier eine neue Heimat gefunden hat, der soll in Deutschland bleiben dürfen." Auch Politikerinnen und Politiker von CDU, CSU, FDP und Grünen plädierten für eine Bleibemöglichkeit von gut integrierten Menschen. Wie es die neue Bundesregierung regeln wird, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen.
Wollen die Syrer zurück?
Die Syrer selbst äußern sich meist eher vorsichtig zu einer möglichen Rückkehr in ihr Heimatland. "Man muss erstmal schauen, wie das in Syrien weitergeht und was von der neuen Regierung zu erwarten ist", sagte Yasser Kaiyas von der syrischen Gesellschaft für Ärzte und Apotheker in Deutschland. Grundsätzlich hätten aber viele Fachkräfte aus Syrien den Wunsch, in ihre Heimat zurückzukehren. In einer Facebook-Gruppe syrischer Ärzte habe man eine Umfrage gemacht, bei der 900 von 1.200 teilnehmenden Medizinern gesagt hätten, der Wunsch nach Syrien zurückzukehren sei da, erklärte Kaiyas.
Dass viele seiner syrischen Kolleginnen und Kollegen Deutschland wirklich verlassen möchten, glaube er nicht, sagte dagegen Apotheker Oqba al Masri aus Idar-Oberstein. Es sei schwierig, erneut alles zu verlassen und nochmal neu anzufangen. Er wolle hier bleiben. "Syrien ist meine Heimat, Rheinland-Pfalz inzwischen aber auch."