Krokusse blühen auf einer Wiese im Park, im Hintergrund joggt eine Frau.

Wenn der Frühling in RLP näher rückt

Das bringt Sport im Freien dem Körper und der Psyche

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Tim Stobbe
Tim Stobbe ist Redakteur bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz

Sonnenschein, Frühlingsduft in der Luft - viele Sportliche und die es werden wollen zieht es in Rheinland-Pfalz nach draußen. Bringt Sport im Freien mehr?

Kaum blinzelt die erste frühlingshafte Sonne zwischen den Wolken hervor, zieht es die Menschen in Scharen nach draußen: joggend, auf dem Rennrad oder Mountainbike, mit Wanderschuhen an den Füßen, querfeldein, durch die Wälder und Felder sowie entlang der Flüsse in Rheinland-Pfalz. Doch haben der Sport und die Bewegung im Freien auch einen nachweislichen Nutzen für Körper und Geist?

Wie profitiert der Körper?

Wer draußen Sport treibt oder sich auch "nur" im Freien bewegt, erlebt Abwechslung: die Temperatur im Vergleich zu Innenräumen, die Lichtverhältnisse, unterschiedliche Bodenbeläge, verschiedene Reize für Augen, Ohren und Nase. All das trainiere den Körper, das Gehirn und das Immunsystem, sagt Wolfgang Schöllhorn. Er leitet am Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz die Abteilung für Trainings- und Bewegungswissenschaft.

Zum einen stärkt es das Immunsystem, sich draußen Wind und Wetter auszusetzen - "wenn man sich nicht auf Schönwetteraktivitäten beschränkt", sagt Schöllhorn. Wer in Regen geraten ist, sollte zurück daheim aber schnell raus aus der nassen Kleidung, sonst kann der Körper unterkühlen.

Von den Füßen bis zum Gehirn

Zum anderen sei es generell auch die Vielfalt bei der Bewegung im Freien, die den menschlichen Körper stärkt und gesund hält, erklärt der Trainingswissenschaftler: Unebene Waldwege, Kiespfade und Steine trainieren Fußmuskulatur und sprechen Fußreflexzonen an. Das Gleichgewicht werde geschult und die vielen Reize sprechen Hirn-Areale an, die das Immunsystem aktivieren. Die Forschung sehe zudem einen Zusammenhang zwischen abwechslungsreicher Bewegung und der Produktion von Proteinen, die helfen, Nervenzellen im Körper zu bilden, erklärt Schöllhorn.

Sich diesen Veränderungen und unterschiedlichen Reizen auszusetzen liege einfach in der Natur des Menschen, sagt Schöllhorn: "Unsere Anatomie ist auf Veränderung ausgelegt." Nicht darauf, in gepolsterten Schuhen auf Teer zu laufen und in immer gleichen Stühlen zu sitzen. Draußen biete sich an jeder Ecke die Möglichkeit, sich abwechslungsreich zu bewegen, "oder man geht einfach mal rückwärts oder steigt seitwärts die Treppe rauf", so Schöllhorn weiter.

Illustration mit einem laufenden Mann
Bewegung an der frischen Luft fördert auf vielfältige Weise die Gesundheit.

Mehr Leistung, gesünderer Körper

Beim Training an der frischen Luft kann man die eigene Leistung steigern. Frische Luft enthält mehr Sauerstoff, was dem Körper mehr Leistung ermögliche, sagt Schöllhorn.

Durch die Sonne bildet der Körper zudem Vitamin D in der Haut. Das sei unerlässlich für einen gesunden Knochenbau und beuge zahlreiche Erkrankungen vor, erklärt Reiner Theis vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Koblenz.

Die Grenzen von Sport im Freien

Sport im Freien, mit bedingten Möglichkeiten von Geräten und Gewichten, hat aber auch seine Grenzen, sagt Fitnesstrainer Tommi Thiel: Wer zum Beispiel Reha-Sport mache, sei in einem Fitness-Studio besser aufgehoben, sagt er. An den Geräten lasse sich sicherer trainieren.

Wer hingegen massiv Muskeln aufbauen möchte, wird beim Training draußen, ohne schwere Gewichte und Geräte, recht bald merken, dass das Training kaum oder keine Fortschritte macht. Auch hier sei das Fitness-Studio die bessere Wahl für dieses Trainingsziel, sagt Thiel, um langfristig motiviert zu bleiben.

Wie profitiert die Psyche?

Allein durch grüne Farben schon, sagt Schöllhorn von der Uni Mainz: Die Farben der Natur allein tragen schon zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Dafür brauche es nicht immer einen Ausflug in den Wald, ein Park oder ein grünes Flussufer reichten bereits. Auch über die Ohren wirken die Umweltreize positiv aufs Gehirn ein. "Dafür sollte man aber mal ohne Musik auf den Kopfhörern laufen", sagt Schöllhorn. Diese Reizvielfalt aktiviere zudem nicht nur die Gehirnbereiche für das Immunsystem, sondern auch die Produktion von Dopamin, das oft Glückshormon genannt wird.

Das Sonnenlicht ist ein weiterer Faktor für Wohlbefinden und psychische Gesundheit. "Gerade nach dem Winter", sagt Sportwissenschaftler Theis. "Nach dem Winterblues oder der saisonal bedingten Depression regt die Sonne Botenstoffe für Glückshormone an" - neben den Vorteilen für den Körper wie der Stärkung des Knochenbaus. "Wichtig ist aber, die Haut auch wirklich der Sonne auszusetzen, mindestens an Händen und Gesicht." Denn nur über die Haut könne die Sonne ihre Wirkung auf den Menschen entfalten.

Anders als im Fitnessstudio, wo Plätze und Geräte begrenzt sind, lässt sich zudem einfach mit Freundinnen und Freunden oder in einer organisierten Gruppe trainieren. Draußen zu trainieren, bei Wind und Wetter, hat laut Trainer Thiel einen großen Vorteil vor - allem in einer Gruppe: "Das schweißt zusammen und man bildet eine Gemeinschaft, die zusammenhält." Das sorgt für Motivation und - wenn der innere Schweinehund mal stark ist - womöglich für den Antrieb, doch dranzubleiben und zum Training zu gehen.

Covid, Grippe, Erkältung - Was muss ich beachten?

Im Frühjahr liegt die Infekt-Saison erst kurz hinter uns, nach Fastnacht und Co. kurieren viele noch eine Erkrankung aus oder haben sie gerade hinter sich gebracht. Sportmediziner Perikles Simon von der Universität in Mainz rät, den Körper erst wieder voll zu belasten, wenn man sieben Tage kein Fieber und fünf Tage keine Beschwerden mehr hatte. Wer zu früh nach einer Virusinfektion wieder mit hoher Belastung einsteigt, riskiert unter Umständen eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Eine solche könne einen dann mehrere Monate außer Gefecht setzen. Eine Myokarditis kann schlimmstenfalls tödlich verlaufen.

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Und was mache ich als Pollen-Allergiker?

Wer sehr starke Allergiesymptome bei Pollenflug hat, sei mit dem Fitnessstudio zumindest übergangsweise vielleicht doch besser beraten, sagt Sportwissenschaftler Theis. Ansonsten könne ein Tuch über Mund und Nase etwas Abhilfe verschaffen.

Wenn die Heuschnupfen auslösenden Pflanzen bekannt sind, sollte man sie nach Möglichkeit meiden. Wer auf Weiden-Pollen allergisch reagiere "joggt vielleicht nicht am Fluss, wo die Weiden blühen", sagt Theis.

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