Eine Gemeine Wespe sitzt auf einem Kuchen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene)

Mehr Wespen als in den Vorjahren

Wespen aus Haus und Garten vertreiben: Diese Tipps helfen

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Kuchen, Marmeladenbrötchen, Steak, Eis, Cola, Apfelsaftschorle: Nichts ist vor Wespen sicher. 2022 gibt es in Rheinland-Pfalz mehr von ihnen als in den Vorjahren. So können Sie sich schützen und bei Wespennestern vorgehen. Ein FAQ.

Hitze und Trockenheit wie aktuell bei uns sind für Wespen ideale Fortpflanzungsbedingungen. So verzeichnen Schädlingsbekämpfer aus dem ganzen Land deutlich mehr Anrufe und Einsätze wegen Wespennestern als in den vergangenen Jahren. Dazu kommt, dass die Wespenvölker jedes Jahr im Sommer wachsen und ihre Nester ausbauen.

Was tun, wenn ich ein Wespennest entdecke?

Wespennester können, je nach Wespenart, die Größe von ein oder zwei Fußbällen annehmen, verrät Gisa Wickenhäuser aus Mainz. Sie ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz als Wespenberaterin tätig. Wer Wespennester im Rollladenkasten, im Garten oder auf dem Balkon bemerkt, kann sich an sie oder andere Beraterinnen und Berater wenden. Kontakte haben in der Regel Umweltschutzorganisationen oder die unteren Umweltschutzbehörden, die bei den Landkreisen und Städten angesiedelt sind. Wichtigstes Gebot sei es, Abstand zu halten. Vor einem Anruf bei den Beraterinnen und Beratern sei es außerdem ratsam, Bilder der Tiere und des Nestes zu machen, um die genaue Wespenart bestimmen zu können.

Ein großes Wespennest auf dem Dachboden (Foto: SWR, Jeanette Schindler)
Ein großes Wespennest auf dem Dachboden Jeanette Schindler

Wespennester umsiedeln, statt vergiften

Da Wespen nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz stehen, und es verboten ist, sie mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten, können die Beraterinnen und Berater helfen. Wickenhäuser sagt: "In den seltensten Fällen müssen Wespennester zerstört und die Wespen getötet werden." Oft könnten Nester auch umgesiedelt oder so abgesichert werden, dass ein Miteinander möglich ist. So könnten etwa Insektengitter an Fenstern angebracht werden, oder die Anflugrouten der Wespen verändert werden.

Müssen Nester vergiftet werden, braucht es dafür eine Genehmigung der Naturschutzbehörde und einen "vernünftigen Grund". Der kann etwa vorliegen, wenn eine Wespenstichallergie bekannt ist oder wenn das Nest an einem Spielplatz, Kindergarten oder Altenheim gemeldet wird. Die Feuerwehr wird nur tätig, wenn eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht. Bei Nestern in Privathaushalten müssen in der Regel Privatunternehmen beauftragt werden.

Vermeiden, dass Wespen an den Tisch kommen

Wespen werden von Gerüchen angezogen. Um zu vermeiden, dass Wespen an den gedeckten Tisch kommen, sollten also beispielsweise der süße Kuchen oder die gegrillten Steaks abgedeckt werden. Aber auch Gläser sollten abgedeckt und aus Flaschen mit Strohhalmen getrunken werden. Wespenberaterin Wickenhäuser rät außerdem dazu, in naher Umgebung zum Esstisch eine "Lockschale" aufzustellen. Mit reifem Obst bestückt, kann sie die Wespen ablenken.

Darüber hinaus sollte nach dem Essen schnell der Tisch abgeräumt und Kindern der Mund abgeputzt werden. Weil Wespen auf Gerüche fliegen, hilft es auch, auf Haarsprays, Parfums oder duftende Cremes zu verzichten. Die Insekten werden außerdem von bunter Kleidung angelockt, weshalb sich helle Shirts oder ähnliches empfehlen.

Verhalten, wenn Wespen am Tisch sind

Wenn die Wespen trotzdem an den Tisch kommen, hat Wickenhäuser folgende Tipps: Erstens sollten panisches Schlagen und hektische Bewegungen vermieden werden. Schnelle Bewegungen empfänden Wespen als Bedrohung. "Schieben Sie die Tiere lieber mit sachten Handbewegungen weg", empfiehlt sie.

Ein großer Fehler sei es außerdem, Wespen "wegzupusten". Das im Atem enthaltene CO2 mache Wespen aggressiv. Wer Panik bekomme, solle sich langsam zurückziehen, so die Expertin.

Um die Tiere zu vertreiben hilft ein einfaches Hausmittel: Wasser - in eine simple Sprühflasche gefüllt. Es reicht, ein paar Sprühstöße auf die Wespe zu geben. Der leichte Sprühnebel aus sauberem Wasser soll tatsächlich wirksam gegen Wespen sein, da sie das feuchte Nass für Regen halten und fliehen.

Diese Hausmittel helfen gegen Wespenstiche

Wenn es zu spät ist und man von einer Wespe gestochen wurde, brennt die Einstichstelle zunächst und juckt. Doch das ist in der Regel nicht besonders gefährlich, beruhigt Julia Fischer. Die Ärztin ist überzeugt, dass viele Hausmittel gegen Wespen- oder Bienenstiche helfen.

"Direkt kühlen und eine halbe Zwiebel auf die Stelle drücken", sagt Fischer. Der in der Zwiebel enthaltene Schwefel hemme Entzündungen und wirke desinfizierend. Außerdem können Wärmestifte helfen, die die Einstichstelle kurz erhitzen, oder Gels aus der Apotheke, die den Juckreiz lindern.

Was tun bei einem Wespenstich im Rachen?

Bei Stichen im Mund oder Rachen können die Schleimhäute auch bei Nicht-Allergikern so anschwellen, dass die Atmung behindert wird. In diesem Fall sollte man direkt die 112 anrufen, wenn es bedrohlich wird oder den nächsten Arzt aufsuchen. Außerdem ist es gut, die Schwellung direkt zu kühlen, um sie zu reduzieren. Das heißt: Eiswürfel lutschen oder kalte Flüssigkeit trinken.

Wenn man zum Beispiel zum Wandern im Wald unterwegs ist, gibt es ein kleines Soforthilfe-Mittel für den Notfall, sagt Hausarzt Dr. Bernhard Lenhard. Das flüssige Cortison-Präparat heißt Celestamine liquidum (verschreibungspflichtig). Das Fläschchen muss nach dem Wespenstich auf einen Zug ausgetrunken werden - zum Arzt sollte man danach dennoch gehen, erklärt er.

Wann muss man mit Wespenstichen zum Arzt?

In manchen Fällen sollte jedoch von Hausmitteln abgesehen werden. Fischer sagt, sobald es Anzeichen für einen allergischen Schock gebe - also Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, heftiger Hautausschlag oder sogar eine Ohnmacht - sollte eine Notärztin oder ein Notarzt gerufen werden.

Das sei ebenfalls geboten, wenn eine Wespe in den Mund- oder Rachenraum steche, weil sie etwa unbemerkt mit einem Stück Kuchen oder einem Schluck Saft in den Mund gelangt sei. "Auch bei Nicht-Allergikern könne der Rachenraum so stark anschwellen, dass die Atmung behindert wird. Hier kann Lebensgefahr bestehen." Bis Hilfe da sei, könne schon einmal auf Eiswürfeln oder Speiseeis herumgelutscht werden, damit die Schwellung möglichst reduziert werde.

Stiche bei Kindern: Das sollten Sie beachten

Werden Kinder gestochen, sind Kühlen und die halbierte Zwiebel auch erst einmal richtig. Ab dem zweiten Stich, den ein Mensch erleidet, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Deshalb sollten Kinder besonders beobachtet werden, um noch nicht bekannte Allergien zu erkennen. Ärztin Julia Fischer sagt: "Anzeichen sind Hautausschläge, Schweißausbrüche, Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen. Bei bekannten Allergien gibt es Notfallsets, die Betroffene bei sich tragen sollten."

Der Kinderarzt Vitor Gatinho rät bei Kindern von manchen Methoden ab, die bei Erwachsenen helfen - vor allem von Wärmestiften. Weil Kinderhaut empfindlich sei, habe er schon viele kleine Patientinnen und Patienten mit Brandwunden gesehen.

Bei Stichen in Mund oder Lippe formuliert er klar: "Da nicht lange fackeln, sondern sofort den Notarzt rufen." Bei Erwachsenen sei das schon geboten, aber die kleinen Münder von Kindern würden noch schneller zuschwellen, sodass man keine Zeit verlieren dürfe. Es bestehe Erstickungsgefahr. Auch Kinder können bis der Arzt da ist, auf Eiswürfeln oder Speiseeis lutschen.

Kinderarzt: Bienenstachel nicht herausziehen, sondern wegschnippen

Anders als bei Wespen bleibt bei Bienenstichen häufig der Stachel im Körper stecken. Gatinho rät in diesem Fall dazu, den Stachel nicht herauszuziehen. "Man sollte ihn lieber mit den Fingern wegschnippen." Der Grund: Am Stachel befindet sich der Giftsack. Beim Herausziehen kann er zerdrückt werden und es kommt zu heftigen lokalen Hautreaktionen.

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