Bilder von der protestantischen Kirche in Wachenheim

Verschiedene Konzepte der Gemeinden

Kirche in Wachenheim: Heiße Sitzkissen im Winter für mehr Besucher

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AUTOR/IN
Leon Vucemilovic
Portrait Leon Vucemilovic

Viele Gemeinden in der Pfalz heizen wegen gestiegener Kosten ihre Kirchen nicht mehr. Damit die Gottesdienstbesucher trotzdem nicht frieren, haben die Kirchen verschiedene Lösungen.

Die protestantische Kirche in Wachenheim heizt nicht mehr, setzt dafür aber auf wärmende Sitzkissen auf den Bänken. Auf den ersten Blick kann man sie nicht von herkömmlichen Sitzpolstern auf Kirchenbänken unterscheiden. Sobald man aber eine Zeit gesessen hat, wird es unter einem warm. Sehr warm sogar. "Wir sind noch dabei, herauszufinden, was die optimale Temperatur ist", sagt Herbert Fisch. Er ist Presbyter in der protestantischen Kirchengemeinde Wachenheim und hat die Installation der Wärmesitzpolster mit entschieden.

Bilder von der protestantischen Kirche in Wachenheim
Beheizbare Sitzkissen in der protestantischen Kirche in Wachenheim

Sitzheizung statt Raumheizung

Die Gemeinde ersetzt mit den neuen Sitzpolstern seit rund zwei Wochen ihre alte Gasheizung. Ein Konzept, das in Kirchen immer beliebter wird. In die Kissen seien isolierte Heizspiralen eingebettet, erklärt Fisch. Diese Heizspiralen werden elektrisch aufgewärmt. 20 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes muss er die Heizspiralen einschalten. Wenn sich dann jemand auf das Sitzkissen setzt, drückt er mit seinem Gewicht die Isolationsschicht zusammen und die Wärme kann übertragen werden.

"Die Gottesdienstbesucher freuen sich natürlich", sagt Fisch. Zuletzt sei es sehr kalt gewesen, weil die Gemeinde die Heizung diesen Winter noch gar nicht eingeschaltet habe. "Bei den jetzigen Minusgraden müssen wir die Heizung aber ab und zu einschalten", sagt der Presbyter. Sonst könne zum Beispiel die Orgel Schaden nehmen.

Auch finanziell rentabel

Mehr als 30.000 Euro hat die Gemeinde für die beheizbaren Sitzpolster bezahlt. "Das haben wir zum Teil aus unserem Etat finanziert", sagt Herbert Fisch. "Wir sammeln aber auch Spenden ein und haben schon einiges zusammen. Auch von Menschen, die nicht zu unserer Gemeinde gehören, bekommen wir Spenden. Das hat uns auch überrascht." Energie wird jetzt schon eingespart, wie allseits gefordert. Aber die Sitzpolster werden sich sicherlich auch finanziell lohnen. Im Verhältnis zur alten Gasheizung mit den hohen Gaskosten sind die Kosten für den benötigten Strom deutlich niedriger.

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Einen anderen Ansatz verfolgt zum Beispiel die Landauer Stiftskirche. Die Gemeinde verlegt ihre Gottesdienste von der Kirche ins kleinere Gemeindehaus. Das Haus zu heizen ist deutlich günstiger und so kann die Kirche kalt bleiben. Laut Felix Kirschbacher von der Evangelischen Landeskirche der Pfalz gibt es viele Gemeinden, die das in diesem Winter so machen wollen.

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Zur Not: Warm anziehen

Grundsätzlich sei es nicht jeder Gemeinde möglich, einfach umzuziehen oder Wärmesitzpolster zu installieren, sagen sowohl die evangelische Landeskirche als auch das Bistum Speyer. Wo immer es aber gehe, solle man es den Gottesdienstbesuchern erträglich machen, sagt Christine Wilke-Zech vom Bistum Speyer. Viele Pfarreien würden Decken oder Kissen auslegen, mit denen sich die Gläubigen wärmen könnten. Sich warm anzuziehen sei diesen Winter unumgänglich, sagt Wilke-Zech. Schließlich lautet die offizielle Empfehlung des Bistums Speyer, die Kirchen auf maximal fünf Grad zu heizen.

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