Der 33-jährige Angeklagte spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern mit seinem Anwalt  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Prozess am Landgericht Kaiserslautern

Polizistenmord Kusel: Aussage des zweiten Angeklagten veröffentlicht

STAND
AUTOR/IN
Jürgen Rademacher
Bild von Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)
Michelle Habermehl
Bild von Michelle Habermehl, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Im Prozess um die mutmaßlichen Polizistenmorde von Kusel sind am Freitag Videos mit der Aussage des Angeklagten Florian V. gezeigt worden. Außerdem schaute sich das Gericht Videos vom Tatort an.

Ein weiterer Prozesstag ist am Freitag zu Ende gegangen. Es wurden insgesamt drei Vernehmungen vom Mitangeklagten Florian V. gezeigt: Eine vom 31. Januar - wenige Stunden nach der Tat und zwei vom 18. Februar.

Video herunterladen (10,4 MB | MP4)

Unter anderem war eine Vernehmung vor Ort gefilmt worden, bei der der Mitangeklagte am Tatort unter Aufsicht mehrerer Polizeibeamter die Tat nachstellen sollte. Dazu waren ihm Statisten und Materialien bereit gestellt worden.

Längster Prozesstag - ein Video musste wiederholt werden

Es war der bisher längste Prozesstag - mehr als zehn Stunden. Die Video-Vernehmungen dauerten jeweils zwischen etwa anderthalb und drei Stunden. Eines der Videos wurde zweimal abgespielt, da es zuerst so gezeigt wurde, dass die Presse den Bildschirm nicht sehen konnte. Das hatte die Verteidigung des Hauptangeklagten Andreas S. beanstandet. Somit hatte die Richterkammer das zweistündige Video der ersten Vernehmung erneut abgespielt - diesmal so, dass die Presse den Bildschirm sehen konnte.

Mitangeklagter: "Ich habe Angst, dass er mich genauso über den Haufen schießt."

In den Vernehmungen, die als Video gezeigt wurden, schildert der Angeklagte Florian V. zum Beispiel immer wieder, dass er Angst habe. Er wird mehrfach von den vernehmenden Polizeibeamten gefragt, ob er den Namen desjenigen sagen könne, der geschossen hat. Es kommt immer wieder zu Stille. Er sagt, er habe Angst, den Namen zu nennen - aus Sorge, seiner Familie oder ihm könne etwas passieren. Wörtlich sagte er: "Ich habe Angst, dass er mich genauso über den Haufen schießt."

Aufnahmen vom Tatort wurden gezeigt

Die Videos stammen aus den Bodycams der Polizisten, die ihren Kollegen zur Hilfe geeilt waren, nachdem der Funkspruch "die schießen, die schießen" eingegangen war.

Die Aufnahmen der Bodycam zeigten kurze, aber explizite Videosquenzen auf denen die erschossenen Polizisten zu erkennen waren. Auf dem Video der polizeilichen Vernehmung von Florian V. ist zu erkennen, dass seine Augen stark rot unterlaufen sind. Er wirkte sichtlich erschöpft.

Mitangeklagter will Fragen des Gerichtes beantworten

Die Verteidiger von Florian V. gaben auf Nachfrage des Gerichtes an, ihr Mandant könne am Prozesstag am 19. September auf Fragen der Richter antworten. Bisher hat er in den Verhandlungen geschwiegen. Die Fragen müssten aber vorher den Anwälten vorgelegt werden. Die Nebenklage dürfe auch Fragen einreichen - es gebe aber keine Zusage, dass Florian V. auf diese antworte. Gleichzeitig lehnten die Anwälte ab, dass die Verteidiger des Hauptangeklagten Andreas S. Fragen stellen dürfen.

Kusel

Trauer und Bestürzung in Deutschland Tödliche Schüsse auf Polizisten im Kreis Kusel

Am 31. Januar 2022 wurden zwei Polizisten in der Nähe von Ulmet im Kreis Kusel erschossen. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ganz Deutschland trauerte.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Angeklagte im Polizistenmordprozess beschuldigen sich gegenseitig

Als Hauptangeklagter steht seit Ende Juni der 39-jährige Andreas S. vor Gericht. Er soll bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle eine 24-jährige Polizeianwärterin und einen 29-jährigen Polizeikommissar mit Gewehrschüssen in den Kopf ermordet haben, um Jagdwilderei zu verdecken.

Der Hauptangeklagte hatte die Vorwürfe im Verlauf des Prozesses zurückgewiesen. Dem Nebenangeklagten Florian V. wird versuchte Strafvereitelung vorgeworfen. Der 33-Jährige soll geholfen haben, Spuren zu verwischen. Die Männer waren kurz nach der Tat im Saarland festgenommen worden.