Arzt untersucht mit einer Lupe ein Muttermal auf Hautkrebs

Vorsorge, Früherkennung und Therapien

Zahl der Fälle von Hautkrebs in Rheinland-Pfalz stark angestiegen

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AUTOR/IN
Susanne Weber
Bild von Susanne Weber, Redakteurin bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz

In den letzten 20 Jahren erkranken immer mehr Menschen an Hautkrebs. Warum ist das so? Wie kann man vorsorgen und wie ist der Stand der Forschung bei Behandlungen?

Manfred Schneider hat vor mehr als 20 Jahren die erste Diagnose bekommen. Weißer Hautkrebs, genauer gesagt: Plattenepithelkarzinom an der Kopfhaut. Er änderte daraufhin sein Verhalten, vermied zu viel Sonneneinstrahlung, trug draußen immer eine Mütze. Aber alle paar Jahre tauchten die Symptome wieder auf. Und im Januar kam, wie er sagt, der letzte Einschlag. Diesmal geht das Karzinom fast bis auf den Knochen. Mehrmals wurden betroffene Stellen weggeschnitten. Aber seit Mai erhält er Bestrahlungen. "Mir geht jetzt langsam die Kopfhaut aus", sagt er halb im Scherz.

Manfred Schneider, Mitglied der Selbsthilfegruppe Hautkrebs
Manfred Schneider, Mitglied der Selbsthilfegruppe Hautkrebs

Der 67-Jährige sucht regelmäßig mit anderen Betroffenen die Räumlichkeiten der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz in Koblenz auf. Hier hat sich im März eine Selbsthilfegruppe gegründet, mit Patienten, Angehörigen und Kooperationspartnern, darunter der Leiter der Dermatologie im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Rüdiger Eming.

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Initiatoren der Selbsthilfegruppe (SHG) Hautkrebs Mittelrhein, wie sie sich offiziell nennt, sind Thomas Gronau und seine Frau Monika. Gronau ist von Hause aus Tumorbiologe, hat sich, wie er erzählt, sein Leben lang mit Krebs beschäftigt und über das Thema promoviert. Und er ist selbst betroffen. Bei ihm bestand der Verdacht auf ein Melanom, also schwarzen Hautkrebs.

Thomas Gronau, Gründer der Selbsthilfegruppe Hautkrebs in Koblenz
Thomas Gronau, Gründer der Selbsthilfegruppe Hautkrebs in Koblenz

"Das ist von der Sterblichkeitsrate her eine ganz andere Hausnummer", sagt Gronau. Früher sei das maligne Melanom praktisch ein Todesurteil gewesen. Inzwischen gebe es gute Therapien, wenn auch teilweise mit starken Nebenwirkungen.

Dass er selbst erkrankte, sieht er als eine Art "Treppenwitz". Schon vor dem Ruhestand hielt Gronau Vorträge zu Krebs in Selbsthilfegruppen. Und dann kam die Idee, selbst eine zu gründen, um Erfahrungen auszutauschen, andere zu unterstützen.

Es ist ja ein Leidensdruck da, man will seine Geschichte erzählen und auch etwas von anderen erfahren.

Manfred Schneider ist eher zufällig auf die Gruppe gestoßen, durch einen kleinen Zeitungsartikel. Er spricht in der Runde offen auch über seine Ängste. Schmerzen habe er zwar keine, doch seine Aktivitäten habe er stark einschränken müssen. Aber selbst wenn er "den Rest seines Lebens im dunklen Keller verbringen" würde, so hätten zwei Fachärzte ihm gesagt, gebe es keine Garantie, dass der Hautkrebs nicht wieder auftritt. Die Haut sei zu sehr strapaziert. Daran, so sagt er selbstkritisch, sei er auch selbst schuld, weil er zu wenig auf Sonnenschutz geachtet habe.

Grafik Zunahme der Fälle von Hautkrebs in RLP in den letzten 20 Jahren
Die Zahl der Hautkrebsfälle in RLP ist seit 2002 stetig gestiegen.

Mehr Therapiemöglichkeiten bei Hautkrebs

Die Zahl der Krebspatienten ist in den letzten Jahren angestiegen, aber auch die Therapien gegen die Krankheit werden immer besser. Heute könne man Patienten auch in fortgeschrittenen Stadien "sehr viel besser und nebenwirkungsärmer behandeln als noch vor zehn oder 15 Jahren", sagt Rüdiger Eming, Oberstarzt und Leiter der Dermatologie am BWK in Koblenz. So kann etwa eine Immuntherapie gerade bei schwarzem Hautkrebs helfen.

Einfach ausgedrückt, basiert die Therapie darauf, dass man das körpereigene Immunsystem aktiviert und somit in die Lage versetzt, Tumorzellen, in unserem Fall also vom schwarzen Hautkrebs, selber abzuräumen, abzutöten.

Impfstoff auf mRNA-Basis auch bei Hautkrebs möglich

Krebs nicht nur behandeln, wenn er ausgebrochen ist, sondern durch Impfung vermeiden - daran wird bereits getüftelt. Das Mainzer Unternehmen BioNTech arbeitete schon vor der Entwicklung des mRNA-basierten Impfstoffs gegen Covid-19 seit Jahren daran, wie man diese Technik nutzen könnte, um Krebs zu behandeln. Der US-Pharmakonzern Moderna, wo ebenfalls an einer auf mRNA-Technik basierenden Impfung geforscht wird, hält im Jahr 2025 eine erste Zulassung für möglich.

Auch Rüdiger Eming hält die Entwicklung für vielversprechend. Dies werde sicherlich in den nächsten Jahren eine weitere Therapieoption zur Behandlung des Melanoms darstellen.

Hohe Zahl von Hautkrebsfällen "nicht verwunderlich"

Dass die Fallzahlen bei Hautkrebs in den letzten Jahren derart angestiegen sind, ist für den Mainzer Dermatologen Stephan Scheicher "überhaupt nicht verwunderlich". Die Haut "merkt sich die Belastung" durch Sonneneinstrahlung, so Scheicher. Vor allem beim weißen Hautkrebs müsse man verstehen, dass es einen Additionseffekt gebe, ähnlich wie bei Röntgenstrahlen. Irgendwann könne sich die Haut nicht mehr regenerieren. Hinzu komme ein geändertes Freizeit- und Urlaubsverhalten in den letzten Jahrzehnten. Die Menschen hielten sich viel länger ungeschützt im Freien auf.

Betroffen sind, gerade von weißem Hautkrebs eher ältere Männer. Das hängt, laut Scheicher, auch mit mangelnder Vorsorge zusammen. Trotz der vielen Aufklärung kämen viele immer noch zu spät. "Wir kriegen nicht die, die wir kriegen müssten, sagt Scheicher. Die Männer seien "außerordentlich zurückhaltend" in der eigenen Vorsorge. Sein durchaus ernst gemeinter Rat:

Die Männer müssten zur Hutmode zurückkehren.

Anspruch auf Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre

In Deutschland haben alle gesetzlich Krankenversicherten ab 35 Jahren einen Anspruch auf eine kostenfreie Hautkrebs-Früherkennung, und zwar alle zwei Jahre. Manche Krankenkassen bieten das auch schon für jüngere Menschen an. Allerdings gibt es dabei ein paar Hürden. Nicht jede Hautarztpraxis bietet die Vorsorge an. Die Verbraucherzentrale rät Patientinnen und Patienten, sich bei ihrer Kasse über individuelle Regelungen zu erkundigen. Und man kann auch selbst etwas tun, nämlich regelmäßig die eigene Haut inspizieren, am besten mit einer zweiten Person zusammen.

Seit mehr als 20 Jahren lebt Manfred Schneider jetzt mit der Diagnose weißer Hautkrebs. Die Angst sei immer da, sagt er - aber Lebensfreude habe er dennoch.

Ich lasse mich nicht unterkriegen. Es ist bitter. Aber ich verliere nicht die Hoffnung.

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